Ausstellung: Gerlinde Beck »RAUMCHOREOGRAFIEN. Tanz, Klang und Raum.« im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

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(Foto: Marl)
   

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die am 15. Februar 2015, 12 Uhr eröffnet wird, stehen die Skulpturen von Gerlinde Beck (1930-2006) in ihrer engen Beziehung zum Tanz, zur zeitgenössischen Musik und zum Raum.

Ergänzend und zugleich als künstlerisches Pendant zu den Werken Gerlinde Becks wird in der Ausstellung der Video-Film „RAUMCHOREOGRAFIEN. Begegnungen mit dem Werk der Bildhauerin Gerlinde Beck“ gezeigt, den die Bildhauerin und Medien-Künstlerin Kerstin Ergenzinger (Berlin) als verantwortliche Regisseurin 2013 in enger Zusammenarbeit mit den TänzerInnen Flavio Salamanka (Erster Solist des Karlsruher Balletts), Barbara Blanche und Reginaldo Oliveira (ebenfalls vom Karlsruher Staatsballett) sowie dem Komponisten Albrecht Volz (Stuttgart) zu dem Werk der Bildhauerin – und hier insbesondere zu ihrer „Klangstraße“ (seit 1972 entwickelt, 1974 zum ersten Mal vorgeführt) – erarbeitet hat. Er entstand im Auftrag der Gerlinde Beck Stiftung.
Gerlinde Beck gehört zu den bekanntesten und bedeutendsten deutschen Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts.
Zunächst wollte Gerlinde Beck Tänzerin werden. Sie hatte in den unmittelbaren Nachkriegsjahren Dore Hoyer, eine Schülerin von Mary Wigman, in einem Drehtanz erlebt – wahrscheinlich in Bolero zu der Musik von Maurice Ravel, einer Choreografie, in der sich die Tänzerin 20 Minuten lang mit steigender Intensität und wechselnder Gestalt auf einem herausgehobenen Podest dreht. Hoyer, die auch Themen wie Raum atmen (aus ihrer Choreographie Monolog) tänzerisch gestaltete, beeindruckte die junge Gerlinde Beck und prägte ihre künstlerische Arbeit. „Ich war wie elektrisiert von der Erkenntnis. Hier hatte sich eine erste Tür aufgetan, die mir den Weg freigab zu dem Bewusstwerden, dass Gleichempfindende mir auf meinem Weg weiterhelfen können …“ (Gerlinde Beck). Und an anderer Stelle beschreibt sie ein wesentliches Element, das auch aus diesem frühen Erlebnis heraus in ihren Arbeiten Eingang fand, die Mittelachse: „Ich glaube, dass ich von Anbeginn ein Raumgefühl hatte und dies nicht nur für feste Formen, sondern ebenso für meine Mittelachse. Sämtliche Skulpturen … sind aus dieser erwachsen…“

Die Erfahrung des Tanzes hat nachhaltige Spuren in ihrem künstlerischen Schaffen hinterlassen. Zeitlebens waren Raum und Bewegung wesentliche Ausdrucksmomente ihrer Plastiken. Beck will räumliche Befindlichkeit und Bewegung erfahrbar und anschaulich machen sowie in die Dreidimensionalität bringen, ohne sich dem Zwang auszusetzen, mechanisch-kinetische Techniken einsetzen zu müssen.

Ihre Skulpturen und Ensembles führen Schritt für Schritt von der Figur zur Bewegung und schließlich zur Aufhebung des Körpervolumens im Raum. Was dabei nachbleibt, sind Linien wie Bewegungsspuren im Raum. Sie schafft skulpturale Raumchoreografien.

Innerhalb ihres bildnerischen Werkes nehmen die „Stelen“ einen besonderen Rang ein. Ab 1963 entstanden statuarische, in die Vertikale strebende, dann auch geneigte und gedrehte Säulen- und Pfeifenformen. Auch wenn die Künstlerin die Skulpturen nüchtern „Stelen“ nennt, schwingt in ihnen der Verweis auf den menschlichen Körper mit Rumpf, Kopf und Gliedern eindeutig mit. Die Kuben sind wie bewegliche Körperteile vertikal aufeinander gesetzt. Der größte Raumkörper bildet dabei den Kopf, der kleinste den Stand- und Haltekörper. Das aufrechte Gehen, das hauptsächliche Merkmal, das den Menschen von den Tieren unterscheidet, verbleibt als letztes Merkmal der reduzierten Figur bestehen. Gleichzeitig führt Gerlinde Beck die Komplexität dieses scheinbar simplen Charakteristikums in seiner ganzen Labilität vor: Minimale Berührungspunkte durch Torsion an die Grenzen der Stabilität geführt und zugespitzt durch die Anordnung des kleinsten Raumkörpers, der den größeren und schwereren Raumkörpern scheinbar kaum noch standhalten kann. Das bis in ihr Spätwerk verfolgbare Motiv der „Balance“ findet eine markante künstlerische Formulierung. „Das Thema Balance ist für mich das aufregendste“, gibt Gerlinde Beck zu dieser Zeit zu Protokoll – und sagt: „Die Raumkörper werden so aufeinander geschichtet, dass sich unten oder in der Mitte eine Neigung befindet. Den Winkel herauszufinden, der gerade noch jene Sekunde des Haltens ermöglicht, ist aufregend.“

Ab 1969 entwirft sie ganze Raumensembles mit zum Teil auf den Boden gelegten Röhren, die an Raumwege, spezielle Markierungen zum Tanzen, erinnern. Konkret auf Tanz und Tänzer bezog sich Beck mit ihrer Werkserie „Harald Kreutzberg grüsst Kopernikus“. 1982-1987 schuf sie insgesamt acht Fassungen der „Huldigung an Oskar Schlemmer“, das Thema der linearen Verknüpfung des Menschen mit dem Umraum, 1982-1984 mehrere Fassungen des Denkmals für Josefine Baker, verschiedene Skulpturen „Tänzerinnen“ und ab 1982 viele Fassungen des Monuments für Dore Hoyer.

Gerlinde Beck hat sich dabei immer auch theoretisch mit den Raumchoreographien auseinandergesetzt. Die 1995 im Stuttgarter Cantz-Verlag erschienene doppelbändige Monographie von Uwe Rüth über Gerlinde Beck trägt den Untertitel „Raumchoreografien“ und dokumentiert die grundsätzlichen Wesenheiten ihrer künstlerischen Arbeiten: „Für mich gibt es keinen Umraum, Skulptur und Raum werden eins, zunächst dem Tanz. Ich gehe in den Raum, lasse ihn eindringen; es gibt nur einen dialogisierenden Raum: dies ist die Prämisse meiner Skulptur“ (Gerlinde Beck, 1990)

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Eröffnung: 15. Februar 2015, 12 Uhr
Laufzeit: 15. Februar–12. April 2015


Die Ausstellung zeigt Klein- und Großplastiken zu den Themen:
- Stelen
- Klangstraße
- Hommage à Oskar Schlemmer
- Harald Kreutzberg grüßt Kopernikus
- Aldrin begegnet Galilei
- Denkmal für Josefine Baker
- Monument für Dore Hoyer


Zur Dokumentation und Würdigung der von Beck herangezogenen TänzerInnen werden kurze Tanzbeispiele von diesen durch Filmausschnitte in der Ausstellung gezeigt, die auch die von Gerlinde Beck entworfenen Skulpturen beeinflussten.

Ausstellungskonzeption und Kurator der Ausstellung: Dr. Uwe Rüth, Köln
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