Westfälische Kulturkonferenz diskutiert über strategische Kulturplanung

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Über 50 Expertinnen und Experten aus ganz Westfalen-Lippen brachten ihr Wissen und ihre Erfahrungen als Impulsgeber, Moderatoren und Referenten in die Konferenz ein. Foto: LWL/Althaus
 

Über 350 Kulturschaffende, Museen, Vereine und andere Netzwerke sowie Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung haben sich am Donnerstag (7.9.) zur siebten Westfälischen Kulturkonferenz im Kaiserhaus in Arnsberg getroffen. Unter dem Motto "Kulturland Westfalen: Kultur nach Plan?!" standen Information und Austausch über die Erfahrungen mit strategischer Kulturplanung im Mittelpunkt. Die Konferenz wurde veranstaltet vom Projekt "Kultur in Westfalen" beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

LWL-Direktor Matthias Löb lobte den Willen zur Zusammenarbeit und zum Austausch, wie er in den Westfälischen Kulturkonferenzen, dem "Literaturland Westfalen" oder in den breit angelegten Kulturplanungsprozessen zum Ausdruck komme. Um dies auch in der Zukunft sicherzustellen, habe er seinen Gremien vorgeschlagen, jährlich 250.000 Euro für solche Gemeinschafts-Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. "Über zwei Dutzend Städte, Gemeinden und Kreise planen für die Zukunft ihrer Kultur. Damit ist Westfalen-Lippe einzigartig: In keiner anderen Region in Deutschland finden gleichzeitig so viele Planungsprozesse statt. Aber wir ruhen uns nicht darauf aus, dass wir den Startschuss gegeben haben, sondern wir wollen nachhaltig arbeiten. Wir heben heute gemeinsam Ihren Schatz an Erfahrungen, damit andere Städte davon lernen können", so Löb.

Klaus Kaiser, parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Kulturministerium, betonte in seiner Rede die Bedeutung von Planung: "Passen Kultur, sprich Kreativität und künstlerische Freiheit, und Planung zusammen? Ja, denn wir verstehen Planung so, dass sie für Sicherheit und Verlässlichkeit - auch finanzielle - für alle Akteure sorgt. Und diese Verlässlichkeit schafft Raum und Freiheit für Kreativität. Die neue Landesregierung will gute Rahmenbedingungen für die Kultur in Westfalen und in ganz NRW, damit kreatives Schaffen gefördert wird."

Welche Bedeutung sollen Kunst und Kultur vor Ort haben? Was sind die Ziele, was muss sich dafür ändern? Was können sich die Kommunen leisten? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, haben sich in den vergangenen fünf Jahren über tausend Kulturschaffende und Kulturentscheider auf den Weg gemacht. Gemeinsam entwickeln sie dafür Visionen, erarbeiten strategische Ziele und konkrete Maßnahmen.

So wurde bereits 2014 für den Kreis Höxter eine Kulturmanagerin eingestellt, die Stadt Gütersloh (Kreis Gütersloh) hat eine Stelle für eine Kulturstreetworkerin geschaffen. In Lippstadt (Kreis Soest) hat der Stadtrat im vergangenen Jahr ein kulturpolitisches Leitbild verabschiedet, das erste in der Geschichte der Stadt. Die Wittener Bürger (Ennepe-Ruhr-Kreis) haben im Mai nicht nur ihre Abgeordneten für den Landtag gewählt, sondern zum ersten Mal auch einen Kulturbeirat, der Politik und Verwaltung begleiten soll. In Dülmen (Kreis Coesfeld) evaluieren die Politiker die städtische Kulturarbeit nun mithilfe eines Jahresberichts, der sehr kurz und systematisch an den strategischen und operativen Zielen ausgerichtet ist.

Bei der diesjährigen Kulturkonferenz zogen die Teilnehmer Bilanz. In einem der elf Foren informierten sie sich über neue Instrumente wie Netzwerk- und Strukturanalyse, die bisher in Thüringen oder in der Metropolregion Rhein-Neckar angewendet wurden. Daneben stellte Kulturexperte Dr. Markus Morr die Ergebnisse einer Umfrage zu den Kulturplanungsprozessen vor. Demnach würden sowohl Politiker wie auch Angehörige der Verwaltung und Kulturschaffende selbst anderen Kommunen empfehlen, einen Kulturplanungsprozess durchzuführen. In einem weiteren Forum tauschten sich die Teilnehmer über Kulturkonferenzen und Kulturräte aus. Solche bürgerschaftliche Plattformen, die Gesprächspartner und kritische Begleiter von Verwaltung und Politik sind, sind ein Ergebnis vieler Planungen.

Angesichts der Veränderungen in der Gesellschaft werde der Bedarf nach Strategien auch im Kulturbereich größer. "Auf diese Fragen nach der Zukunft der Kultur Antworten zu finden und Strategien zu entwickeln, ist wichtiger denn je", meint Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. "Denn ein "Weiter so" funktioniert nicht mehr, gerade in unserer globalisierten Welt", so die LWL-Kulturdezernentin.

In den Plenumsdiskussionen diskutierten Künstler wie Kasper König, der künstlerische Leiter der Skulptur Projekte 2017 in Münster, mit Kulturplanungsexperten wie Dr. Norbert Sievers, dem Hauptgeschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft, und Entscheidern über strategische Kulturpolitik im Spannungsfeld zwischen Kommunen, dem LWL und dem Land NRW.

Die Initiative zur Kulturagende Westfalen war 2012 vom Projekt "Kultur in Westfalen" ausgegangen, das beim LWL angesiedelt ist. Ein wichtiges Ziel: in den Kommunen Kulturentwicklungsplanungen und kulturpolitische Diskurse initiieren und befördern. Zur Unterstützung konnten 2012 neun Pilotplanungen gefördert werden. Weitere Städte in Westfalen-Lippe sind diesem Beispiel gefolgt oder betreiben unabhängig von der Kulturagenda Westfalen strategische Kulturplanung.
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