Westfälische Kulturkonferenz diskutiert Zukunft des Kulturerbes

Anzeige
Hauptredner der 7. Westfälischen Kulturkonfe-renz ist Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußi-scher Kulturbesitz.
 
Bei der 7. Westfälischen Kulturkonfe-renz schlägt NRW-Kulturministerin den Bogen von der westfälischen zur Landeskulturpolitik.

Über 350 Kulturschaffende, Museen, Vereine und andere Netzwerke sowie Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung haben sich am Donnerstag (27.10.) zur sechsten Westfälischen Kulturkonferenz im LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt getroffen. Unter dem Motto "Kulturland Westfalen: Verantwortung für unser kulturelles Erbe übernehmen" diskutierten die Teilnehmer über Strategien und Akteure zur Zukunftssicherung des Kulturerbes in Westfalen-Lippe. Die Konferenz wurde veranstaltet vom Projekt "Kultur in Westfalen" beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

"Bewahrung und Pflege des kulturellen Erbes sind von enormer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens. Das kulturelle Erbe muss jedoch stärker nutzbar gemacht werden, denn es kann nicht nur ökonomischen Nutzen liefern, sondern auch zu Bildung, Integration und damit zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft beitragen. Die Sammlungen der Universalmuseen Berlins stellen ferner eine besondere Bindung zur Welt her, aus der Chancen, aber auch Verantwortung erwächst", so Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

NRW-Kulturministerin Christina Kampmann betonte den hohen Stellenwert, den das kulturelle Erbe für die Landesregierung habe: "Das Land will den Erhalt und die Pflege des materiellen und immateriellen kulturellen Erbes fördern und Kultureinrichtungen dabei unterstützen, Kulturgüter zu sammeln, zu bewahren und zugänglich zu machen - insbesondere auch durch digitale Möglichkeiten." Die Ministerin verwies dabei auch auf das 2014 in Kraft getretene Kulturfördergesetz NRW und kündigte an, den in diesem Zusammenhang intensivierten Dialog mit den Kulturschaffenden und -verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen weiter fortsetzen zu wollen.

Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung, nannte die Kernfragen der Tagung: "Warum und wozu sammeln und erhalten - kann man einen Faustkeil nicht wegwerfen, nachdem er digitalisiert worden ist? Oder: In den nächsten zehn Jahren ist zu vermuten, dass viele ehrenamtlich geführte Museen schließen werden. Was tun mit den Gebäuden und den Sammlungen darin? Oder: Wie bringt man beim Umbau von denkmalgeschützten oder erhaltenswerten Gebäuden die Anforderungen an alters- bzw. behindertengerechtes Wohnen in Einklang mit den Interessen der Denkmalpflege?"

Diese Fragen diskutierten die Teilnehmer am Vormittag. Denkmal-Experten schätzen zum Beispiel, dass 30 Prozent des gesamten Baubestandes erhaltenswert und schützwürdig sind. Am Beispiel von Kirchen in Bochum und Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe) sowie historischen Ackerbürgerhäusern in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) und in Nieheim (Kreis Höxter) wurde über Strategien diskutiert, wie nachhaltiges und zukunftsträchtiges Umbauen und Umnutzen von Gebäuden gelingen kann.
Andere Foren beschäftigten sich mit dem Ehrenamt und den Akteuren von morgen. Die Vermittlung von Wissen in der Gemeinschaft durch Weitergabe von der einen zur anderen Generation illustrierte das Beispiel der Jugendbauhütte Westfalen in Soest, in der sich junge Menschen ein Jahr lang in der archäologischen und in der Baudenkmalpflege engagieren können.

Vom Konferenzort, dem Textilwerk Bocholt, mit seinen historischen Gebäuden und der umfassenden Sammlung von Kleidung, textilen Mustern und Produktionsmaschinen zeigten sich viele Teilnehmer begeistert. So auch Borkens Landrat Dr. Kai Zwicker: "Es freut mich sehr, dass die Kulturkonferenz gerade hier stattfindet. Denn das TextilwerkBocholt liegt an einer sichtbaren, geradezu symbolischen Nahtstelle von Vergangenheit und Zukunft", sagte er bei der Begrüßung. Dabei verwies er darauf, dass das insgesamt 25 Hektar große Industrieareal mitten in Bocholt nun im Rahmen des Regionale-Projekts "kubaai" entwickelt werden könne.

Als künstlerischer Beitrag zur Kulturkonferenz kam in diesem Jahr ein Beispiel aus dem immateriellen Kulturerbe der Musik auf die Bühne: die Sammlung Dahlhoff aus dem 18. Jahrhundert aus Dinker, die 2012 in der deutschen Nationalbibliothek wiederentdeckt wurde. Die Menuettmanufaktur spielte Musik aus den Dahlhoff-Manuskripten, von der Königsquadrillge bis zum Harlekin-Sesken. Barocke Tanzmusik aus Westfalen, einfach und ohne Schnickschnack - Barock up Platt.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.