Die Pogromnacht am 9.November 1938 in Marl

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Rolf Abrahamsohn der letzte Überlebende des Holocaust in Marl

Rolf Abrahamsohn der letzte Überlebende des Holocaust in Marl erinnert sich an die Gewalterfahrungen in der NS-Zeit, von der Ermordung seiner Familie.

„1938 erlebte ich mit meiner Familie die Pogromnacht am 9.November in meiner Heimatstadt Marl. Unser Haus an der Loestrasse, in dem sich auch unser Geschäft befand, wurde von den Nazis in Brand gesetzt. Mein Vater wurde brutal von SA-Leuten zusammengeschlagen und im brennenden Geschäft zurückgelassen. In letzter Minute konnten wir ihn retten. Mein Vater konnte mit meinem Bruder Hans
kurze Zeit später nach Belgien fliehen, meine Mutter, mein kleiner Bruder Nobert und ich sollten nachkommen. Noch bevor wir das Geld für den Fluchthelfer zusammen hatten, wurden die Grenzen dicht gemacht und so mussten wir zurückbleiben.
Zwei Wochen nach der Pogromnacht mussten wir Marl verlassen, die Stadt wollte ja „judenrein“ werden. Unser Haus nahm uns die Stadtverwaltung Marl weg, dort zog die NSDAP ein.
Rolf Abrahamsohn hat das Ghetto in Riga überlebt. Er erinnert sich.
Als wir am 1. Februar im Ghetto ankamen, stand gefrorenes Essen auf dem Tisch. Erst später erfuhren wir, dass das Essen für die lettischen Juden bestimmt war, die im Wald von Birneki erschossen wurden, damit wieder Platz im Ghetto war“.
Aus dem nördlichen Ruhrgebiet sind insgesamt 938 Juden nach Riga deportiert, die dort fast alle zu Tode kamen. „Riga wurde zum Auschwitz für die westfälischen Juden“.

Rolf Abrahamsohn erinnert sich




Pogromnacht

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten SA-Truppen und Angehörige der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Mehrere hundert Synagogen wurden in Brand gesetzt, mindestens 8000 jüdische Geschäfte zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Zwischen 90 und 100 Juden wurden erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt. In den Tagen darauf wurden im ganzen deutschen Reich etwa 30000 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Die antisemitischen Ausschreitungen waren von der nationalsozialistischen Führung organisiert, die die Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Bürger seit der "Machtergreifung" Hitlers 1933 systematisch vorantrieb.
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