Lidl-Erpressung - Tatverdächtige festgenommen, die Hintergründe

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Auf einer Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Bochum und des Polizeipräsidiums Recklinghausen am 21.7 wurden die Hintergründe bekannt gemacht.

Am Freitag (15.04.) gegen 09.05 Uhr ist in einem Vorraum einer Lidl-Filiale an der Paschenbergstraße in Herten ein Sprengsatz in einem Mülleimer neben dem Pfandflaschenautomaten zerborsten. Durch ein umherfliegendes Teil wurde eine 37-jährige Mitarbeiterin aus Herne leicht verletzt. Die verletzte Mitarbeiterin konnte das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Es entstand zudem Sachschaden. Zur Tatortaufnahme wurden Spezialisten des Landeskriminalamtes hinzugezogen. Die Auswertungen ergaben, dass es sich um einen gebauten Sprengsatz mit einem Fernzünder gehandelt hat, der geeignet gewesen wäre, schwere Verletzungen hervorzurufen. Für die weiteren Ermittlungen wurde eine Mordkommission eingerichtet. Die Staatsanwaltschaft Bochum führte das Verfahren als versuchten Mord. Beim Polizeipräsidium Recklinghausen wurde eine Mordkommission eingerichtet. In diese Mordkommission wurden Kräfte der Kriminalpolizei Bochum integriert, weil ein Zusammenhang mit einem Verfahren wegen zwei detonierten Sprengsätzen im Jahr 2012 nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Polizei Bochum hatte seinerzeit für Nordrhein-Westfalen die Ermittlungen geführt. Einige Tage später ging per Email ein Erpresserschreiben beim Firmensitz von Lidl in Baden-Württemberg ein, in dem eine Geldsumme in Millionenhöhe gefordert wurde. Die Zahlungsmodalitäten wurden in der Erpressermail vorgegeben. Das Geld sollte auf ein Konto eingezahlt werden, auf das die Täterschaft Zugriff hatte. Die gemeinsamen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum und des Polizeipräsidiums Recklinghausen wurden nun auch auf den Tatbestand der schweren räuberischen Erpressung ausgedehnt. Die "Besondere Aufbauorganisation Pfand" im Polizeipräsidium Recklinghausen wurde von Polizeibehörden aus NRW und Baden-Württemberg unterstützt. Die Ermittlungsbehörden haben von Anfang an mit den relevanten Unternehmensbereichen von Lidl eng und konstruktiv zusammengearbeitet - mit dem entsprechenden Erfolg. Die Sicherheit der Kunden und Bevölkerung stand bei allen Entscheidungen für Lidl und die Ermittlungsbehörden an oberster Stelle und wurde in alle Ermittlungsschritte einbezogen. Die ausgewerteten Spuren rund um die Tat in Herten ergaben Hinweise, dass Vorbereitungshandlungen in Gelsenkirchen ausgeführt worden waren. Ein Abgleich mit Erkenntnissen aus den vergangenen Jahren ergab schnell den Verdacht, dass es sich um dieselben Täter handeln könnte, die bereits Ende 2012 zwei Sprengsätze an Außenwänden von Lidl in den Städten Bochum und Bottrop deponiert und nachts zur Sprengung gebracht haben. Bei diesen Taten wurden keine Personen verletzt. Auch damals gingen Geldforderungen bei der Firma Lidl ein. Geld hat die Täterschaft damalig nicht erbeuten können. Der Kontakt zwischen Lidl und den Tätern brach während der Verhandlungen ab und wurde täterseits nicht mehr aufgenommen. Nach der Tat in Herten in diesem Jahr wurden mit hohem Personal- und Zeitaufwand Umfeldermittlungen in Gelsenkirchen durchgeführt. Akribische Spurenauswertungen und verdeckte Maßnahmen führten die Ermittler schließlich auf die Spur der Festgenommenen. Nach der Festnahme von zwei Beschuldigten am 19.07.2016 hat das Amtsgericht in Bochum auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen einen 1968 geborenen Mann und eine 1962 geborene Frau, beide wohnhaft in Gelsenkirchen, wegen der vorgenannten Vorwürfe erlassen. So wurde aufgrund der Explosion eines Sprengkörpers in den Räumlichkeiten eines Geschäftslokals der Firma Lidl in Herten der Vorwurf des versuchten Mordes, dieser heimtückisch, mit gemeingefährlichen Mitteln und zur Ermöglichung einer weiteren Straftat, nämlich der weitergehenden Erpressung angenommen. Die Beschuldigten haben sich am 19.07.2016 geständig und teilgeständig zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen eingelassen. Die Ermittlungen bezüglich der im Jahr 2012 begangenen Taten in Bochum und Bottrop dauern an. Einer der Beschuldigten hat sich hierzu bereits teilgeständig eingelassen.
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