Veranstaltung zum Mahn- und Gedenktag am 27.01.2015 in Recklinghausen Hillerheide

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  Anläßlich des nationalen Gedenktages für die Opfer des Faschismus rufen Bürger der Stadt Recklinghausen zur Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung auf. Sie wollen mit einer symbolischen Niederlegung einer Gedenkplatte für die Opfer der Euthanasie, namentlich Elisabeth Cohaupt, auf die Verbrechen der NAZIS aufmerksam machen.
Die symbolische Niederlegung erfolgt am Dienstag, den 27.01.2015 um 17 Uhr
vor dem ehemaligen Wohnhaus von Elisabeth Cohaupt, Gertrudisplatz 26, in 45659 Recklinghausen-Hillerheide.

Das Gedenken am 27.01.2015 gilt Elisabeth Cohaupt. Sie starb im Rahmen der Euthanasie am 08.03.1944 im Alter von 31 Jahren in der psychiatrischen Einrichtung in Weilmünster. Die VVN-BdA hat beim Rat der Stadt Recklinghausen die Installation einer Gedenkplatte vor ihrem Elternhaus in Recklinghausen-Hillerheide, Gertrudisplatz 26, angeregt.

Christine Maria Elisabeth Cohaupt am 8.3.1944 ermordet

Elisabeth Cohaupt wurde am 13.08.1913 als Tochter von Paul und Amalie Elisabeth Mathilde Cohaupt geboren. Die Mutter verstarb am 07.02.1922. Sechs Monate später, am 22.08.1922, heiratete der Vater Maria Gertrud Cohaupt. Elisabeth lebte mit ihren Eltern und ihren Geschwistern zunächst in der Heidestraße 24 in Recklinghausen-Hillerheide. Am 05.06.1920 zogen sie in die Gertrudisplatz 26 um.
An den Lebens- und Leidensweg von Elisabeth erinnert ausschließlich die Einwohnermeldekarte, die noch heute im Archiv der Stadt Recklinghausen zu finden ist. Hieraus geht hervor, dass sie bis Ende 1932 mehr oder weniger bei ihren Eltern lebte.
Vom 02.01.1933 bis zum 19.03.1934 war sie in einem Erziehungsheim der Katholischen Fürsorge GmbH des Antonius Stifts in der Sentruper Straße 29 (heutige Robert-Koch-Straße) in Münster untergebracht. Die
Gründe dafür sind nicht bekannt. Aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Sozialdienstes katholischer Frauen in Münster im Jahr 2002 geht hervor, dass 1927 mit der Erweiterung des Antoniusstift begonnen worden war, um dort eine Abteilung für Heilerziehung einzurichten.
Sie wohnte noch einmal für sehr kurze Zeit bei ihren Eltern. 1934 soll sie ins Stift Tillbeck (Stift Mariahilf) aufgenommen worden sein. Die Abmeldung erfolgte allerdings erst am 14.12.1936 „von Amts wegen“.
Der Leiter des LWL-Institutes für westfälische Regionalgeschichte, Prof. Bernd Walter, konnte folgende Auskünfte über die letzten Lebensjahre von Elisabeth geben:
„Anhand des alphabetischen Patientenregisters der Provinzialheilanstalt Lengerich konnte ermittelt werden, dass Maria Elisabeth Cohaupt am 5. Mai 1937 in Lengerich aufgenommen wurde. Von dort wurde sie
am 26. August 1941 in einem der sogenannten ‚Euthanasie‘-Transporte, der aus 96 Männern und 115 Frauen bestand, nach Weilmünster verlegt. Die Anstalt Weilmünster diente in dieser Phase der sogenannten
‚T4-Aktion‘ als Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Hadamar. Aufgrund des Abbruchs der ‚T4-Aktion‘ blieben die Patienten in den Zwischenanstalten, wo in den Folgejahren ein nicht minder schlimmes Schicksal auf sie wartete. Maria Elisabeth Cohaupt ist im Aufnahmebuch der Anstalt Weilmünster unter der Nr. 3253 verzeichnet. Dort ist auch eingetragen, dass sie am 8. März 1944 an Lungentuberkulose verstorben ist.
Nach Recherchen ist die Patientenakte in der Nachkriegszeit in Weilmünster vernichtet worden.“
Der später in Hadamar ermordete Ernst P. beschrieb in einem Brief an seine Mutter, der in der Anstalt abgefangen wurde, die Situation im September 1943:
„...Die Menschen magern hier zum Skelett ab und sterben wie die Fliegen. Wöchentlich sterben rund 30 Personen. Man beerdigt die hautüberzogenen Knochen ohne Sarg... Die Kost besteht aus täglich 2 Scheiben .....Brot mit Marmelade, selten Margarine oder auch trocken. Mittags und abends je 3/4 Liter Wasser mit Kartoffelschnitzen und holzigen Kohlabfällen. Die Menschen werden zu Tieren und essen alles, was man eben von anderen kriegen kann, so auch rohe Kartoffel und Runkel, ja wir wären noch anderer Dinge fähig zu essen wie die Gefangenen aus Russland. Der Hungertod sitzt uns allen im Nacken, keiner weiß, wer der Nächste ist... Wir essen aus kaputtem Essgeschirr und sind in dünnen Lumpen gekleidet, in denen ich schon mehr gefroren habe wie einen ganzen Winter in Hagen. Vor 5 Wochen habe ich zuletzt gebadet und ob wir in diesem Jahre noch baden, wissen wir nicht...“
In der zweiten Phase der Euthanasie wurden die meisten Patienten der Anstalt Weilmünster durch Nahrungs-mittelentzug (sog. Hungerkuren), seltener durch eine Überdosis von Medikamenten, ermordet. Diese Anstalten wurden daher als „Hungeranstalten“ bezeichnet. In Weilmünster kamen insgesamt 3.100
Menschen ums Leben, davon 2.100 Menschen allein zwischen 1942 und 1945.
Ihre Leichen wurden auf dem Anstaltsfriedhof in Massengräber gelegt. Seit 1991 erinnert ein Gedenkstein an die Opfer der national-sozialistischen Krankenmordaktionen, auf dem auch der Namen von Elisabeth Cohaupt aufgeführt ist.
Am gleichen Tag findet um 19:30 Uhr eine Veranstaltung im Sitzungssaal der VHS in Recklinghausen statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden die Biografien verfolgter Frauen in Recklinghausen ausgestellt. Man geht davon aus, dass hierunter auch Elisabeth Cohaupts Schicksal dargestellt wird.
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