Abschiedsveranstaltung auf dem Bergwerk Auguste Victoria in Marl

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(Foto: RAG)
 
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„Wenn die letzte Schicht gefahren ist, dann gibt es keine ausgelassene Feier. Erst recht nicht bei einer produktiven, modernen und sicheren Anlage wie „Auguste Victoria“. Aber ich finde es richtig und wichtig, dass es einen würdigen Schluss gibt. Dass heute ein Zeichen gesetzt wird, mit dem wir der Bedeutung der Zeche und der Arbeit, die hier geleistet wurde, gerecht werden.“ Das sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei einer Veranstaltung anlässlich der letzten Förderschicht des Marler Steinkohlen-bergwerks Auguste Victoria, dass im Rahmen der kohlepolitischen Vereinbarung zum Jahreswechsel 2015/16 geschlossen wird.

Ohne die Arbeit der Bergleute hätte es das deutsche ‚Wirtschafts-wunder‘ nicht gegeben. Ohne den Bergbau würde es auch das Industrieland Nordrhein-Westfalen in seiner heutigen Form nicht geben. Wir haben den Menschen, die Kohle abgebaut haben und noch heute abbauen, unendlich viel zu verdanken, das vergessen wir nicht. Und klar ist auch: Wir brauchen auch weiter das Wissen und die Erfahrung aus dem Bergbau. Dieses Know-how ist an vielen Stellen unverzichtbar, “ so die Ministerpräsidentin.
Das Aus für den Bergbau in Deutschland hatte die erste Grosse Koalition aus CDU und SPD unter Angela Merkel beschlossen.

Der Bergbau hat die Menschen geprägt

Der Vorsitzende der Gewerkschaft IGBCE, Michael Vassiliadis, sagte in seiner Rede auf der Veranstaltung: „Der Bergbau hat die Menschen an der Ruhr geprägt. Die Kameradschaft und die Solidarität unter Tage haben hier einen einzigartigen Menschenschlag entstehen lassen. Wir haben gemeinsam eine Mitbestimmungs- und Unternehmenskultur entwickelt, die Ihresgleichen sucht. Selbst wenn wir heute einen traurigen Tag in der Geschichte des Steinkohlenbergbaus markieren müssen, ist unser Selbstbewusstsein ungebrochen. Trotz aller Schwierigkeiten haben wir Grund zur Zuversicht. Wir wollen Nordrhein-Westfalen als Industriestandort erhalten und stärken.“
Im Zuge der Beendigung des deutschen Steinkohlenbergbaus stellt das Bergwerk Auguste Victoria in Marl die Förderung ein. Damit schließt das vorletzte Steinkohlenbergwerk im Ruhrgebiet und das drittletzte in Deutschland.

Im letzten Jahr vor der Schließung förderten 2.000 Beschäftigte über drei Millionen Tonnen Steinkohle und lagen damit über den vorgegebenen Förderzielen. Den höchsten Beschäftigtenstand hatte das Bergwerk im Jahr 1957 mit über 11.000 Belegschaftsmitgliedern.

Herausforderungen

Der RAG-Vorstandsvorsitzende Bernd Tönjes umriss die Herausforderungen, mit denen das Unternehmen sich konfrontiert sieht: es gehe um den sozialverträglichen Auslauf des heimischen Steinkohlenbergbaus, die Wahrnehmung der Verantwortung für den Nachbergbau auch über das Jahr 2018 hinaus bei gleichzeitiger Begleitung des strukturellen Wandels und darum, das kulturelle Erbe des Steinkohlenbergbaus zu erhalten. Tönjes erinnerte daran, dass während der Gründung der damaligen Ruhrkohle AG 1968 über 230.000 Menschen auf rund 60 Bergwerken tätig waren; inzwischen sei die Zahl der Mitarbeiter auf unter 10.000 gesunken. „Dass ein solcher Prozess nur funktioniert, wenn auch die Belegschaft zu großen Einschnitten, zu Veränderungen und zusätzlichen Opfern bereit ist, ist sicher klar“, betonte der Vorstandsvorsitzende.

Bergwerk und Marl

Das Bergwerk gehörte zu den festen Bestandteilen der Identität der Stadt und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es wurde 1899 von zwei Düsseldorfer Unternehmern im nördlichen Teil des Ruhrgebiets gegründet und entwickelte sich schon früh in enger Verbundenheit zur chemischen Industrie. So kam es 1907 zur gemeinsamen Übernahme des Bergwerks durch BASF, Bayer und Agfa. Zwischen 1936 und 1962 förderte das Bergwerk neben Steinkohle auch große Mengen an Blei- und Zinkerz sowie Silber. Im Jahr 1995 ging das Bergwerk von der BASF in den Besitz der damaligen Ruhrkohle AG über.

Die Bergleute von Auguste Victoria verabschiedeten sich mit Würde und Stolz von ihrem Bergwerk, das lange Zeit auch der wirtschaftliche Motor der Region war. Im Jahr 2016 stehen dann die Rückzugsarbeiten an, die die Bergleute gewohnt verlässlich durchführen.
Ehemalige Bergleute fanden es nicht gut das zu dieser Abschiedsfeier nur geladene Gäste durften.
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