Bert-Donnepp-Preis 2015 an Ulrike Simon im Grimme Institut Marl überreicht

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v.l.n.r.: Laudator und Grimme-Juror Torsten Körner, Ulrich Spies, Geschäftsführer der Freunde des Adolf-Grimme-Preises, Ulrike Simon, Jürgen Büssow, Vorsitzender der Freunde des Adolf-Grimme-Preises, Jochern Meißner sowie Laudatorin und Grimme-Jurorin Silke Burmester (Foto: Freunde des Adolf-Grimme-Preises)

Die Jury zur Ermittlung der BERT-DONNEPP-PREISträger begründete die Preisvergabe: Ohne kritische Presse könne die Demokratie nicht funktionieren, argumentierten deutsche Verlage in den zurückliegenden Jahren, um sich von der Politik Sonderrechte gegenüber Suchmaschinenanbietern und Ausnahmeregeln beim Mindestlohn genehmigen zu lassen. Viele dieser Verfechter geraten schnell an ihre Grenzen, wenn sie selbst zum Gegenstand der Berichterstattung werden. Wenn ihr eigenes Medium im Mittelpunkt steht, ist vielen Verlegern und Chefredakteuren ein kritischer Journalismus plötzlich lästig.

Sich als Journalistin, noch dazu als freiberuflich arbeitende, dagegen durchzusetzen und regelmäßig über das zu informieren, was hinter den Kulissen der Institutionen passiert, die die Demokratie verteidigen wollen, ist keine leichte Aufgabe. Ulrike Simon meistert sie seit Jahren und sorgt dafür, dass wir uns dank ihrer profunden Beobachtungen und Kenntnisse ein Bild davon machen können, wie es in deutschen Verlagshäusern zugeht, die im Zuge der Medienkrise zunehmend unter Druck geraten sind.

Schon zu Zeiten, als Auflagen und Einnahmen explodierten, war die Branche wenig begeistert, dass ihre Arbeit kritisch hinterfragt wurde – vor allem, wenn das Risiko bestand, diese Berichterstattung beim nächsten Branchentreff oder Abendessen gegenüber einem befreundeten Chefredakteur oder Verleger verteidigen zu müssen. In Krisenzeiten ist es fast unmöglich geworden.

Diese Unmöglichkeit hat Ulrike Simon zu ihrem Beruf gemacht. Sie recherchiert und ananalysiert seit mehr als zwei Jahrzehnten das Geschehen in der Medienbranche, weiß, was in den großen Verlagshäusern vor sich geht, und scheut nicht davor zurück, in ihren Berichten Position zu beziehen und diese zu begründen. Trotz des Risikos, sich im Zweifel nicht nur gegenüber denen, über die sie schreibt, sondern auch denen, für die sie schreibt, rechtfertigen zu müssen.

Simon hat für die Branchenmagazine "text intern" und "Kontakter" gearbeitet, sie war mitverantwortlich für die Medienseite des "Tagesspiegel", Reporterin bei der "Welt" und arbeitet seit sechs Jahren freiberuflich, unter anderem für das "Medium Magazin", "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau". Im vergangenen Jahr dokumentierte sie auf herausragende Weise die Umbrüche beim "Spiegel". Seit Beginn des Jahres ist Simon für die Zeitungen der Verlagsgruppe Madsack tätig.

Diese medienübergreifende Kontinuität, diese Unerschrockenheit sind außergewöhnlich – und preiswürdig.

Bei der Verleihung des Bert-Donnepp-Preises hielt die Preisträgerin der Branche den Spiegel vor. „Ich wünsche mir Mut und Gelassenheit von Chefredakteuren und Senderchefs", so Ulrike Simon. "Sie sollen ihren Journalisten den Rücken stärken und sie zu kritischer Berichterstattung ermutigen. Und sie sollten gleichzeitig nicht so schnell die beleidigte Leberwurst spielen, wenn sie selbst Gegenstand von Kritik werden".
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