Kriegseinsatz in Syrien ist keine Lösung , sondern verstärkt den Teufelskreis

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(Foto: Jürgen Todenhöfer)

Wir haben in Marl um die Toten und Verletzten der Terroranschläge der letzten Wochen in Paris, Ankara, Sinai, Bamako, Tunis und an anderen Orten getrauert. Die fürchterlichen Anschläge von Paris entsprechen dem entsetzlichen Alltag in Städten wie Aleppo. Unsere Solidarität und unser Mitempfinden gilt daher auch den Menschen, die unter Kriegsauswirkungen durch Terroristen, Verbrecherregimen wie dem von Assad oder den „westlichen Gegenmaßnahmen“ mit Bombardierungen und Drohnenangriffen leiden, in Syrien, Afghanistan, Pakistan, im Irak, in Libyen, im Jemen und anderswo.

Die militärische Eskalation, gerade erst zwischen der Türkei und Russland lässt das Schlimmste für die weitere Entwicklung befürchten. In der Region mit teilweise völlig unklaren Frontlinien und Überschneidungen bei „Feind und Freund“ kann eine einzige unbedachte Handlung weitere Katstrophen auslösen.

In dieser Phase ruft Europa nach Krieg und Deutschlands Regierung stimmt ein. Dabei sehen wir in Afghanistan, dass Krieg und militärische Einsätze die Probleme nicht lösen, sondern nur verschärfen: Dort haben die Taliban mehr Macht, dort herrscht mehr Krieg als vor dem Einmarsch der Alliierten.

Dabei ist die Region Syrien/Irak noch instabiler und in seinen Strukturen undurchsichtiger als das Land am Hindukusch. Die Frontlinien verlaufen völlig unübersichtlich, Bündnis werden teilweise nach dem Prinzip geschlossen: „Der Feind meines Feindes muss eigentlich mein Freund sein“. Nur funktioniert dies leider nicht: Die Regierung Assad, ISIS, Al-Nusra, Kurden und anderen bekämpfen sich alle „bis aufs Messer“! Auch über die Grenzen hinaus reichen die Koalitionen.

Die Unterstützer des „ISIS“ anprangern und isolieren

Es müssen die ideologischen und finanziellen Quellen von „ISIS“ in Saudi-Arabien und in den Golfstaaten ausgetrocknet werden statt dem bisherigen „Hofieren“ der Mächtigen in der Region. Ohne die „Paten“ Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten ist die Terrorherrschaft am Ende! Den „ISIS“ durch international abgestimmte Maßnahmen stoppen, wie ein absoluter Lieferstopp für alle Waffen (vor allem aus Europa) in die gesamte Region und eine rigide Einschränkung der Wirtschaftsbeziehungen zu allen Staaten der Region, die sich nicht eindeutig von „ISIS“ und deren Zielen distanzieren. Dass Deutschland aktuell Panzer an Katar liefert, die Seit‘ an Seit‘ mit Saudi-Arabien den Jemen in Grund und Boden bombt, destabilisiert die Region zusätzlich.!

Keine neue militärische Spirale

Neue Militärschläge verstärken den Teufelskreis von immer neuem Hass und zunehmender wechselseitiger Gewalt. Mit einer Kriegserklärung wie an einen Staat erfüllen die französische Regierung und ihre Verbündeten die geheimsten Wünsche des sich selbst so nennenden "Islamischen Staates" und erkennen ihn faktisch an.
Der Einsatz der NATO inklusive Deutschlands in Afghanistan und erst recht der Krieg der USA haben nach mehr als 10 Jahren gezeigt, dass derartige militärische Einsätze kein einziges Problem lösen. Vielmehr sind sie der Grund für das Auseinanderbrechen der Staaten. Die ehemaligen Gegner wurden nicht besiegt, sondern gewinnen wieder die Oberhand, zusätzlich übernahmen die „ISIS“-Truppen ganze Landstriche im Irak und bekommen auch in Afghanistan Zulauf.

Nicht-militärische Lösung endlich umsetzen

Jede Bombardierung, selbst auf dem vom „ISIS“ besetzten Gebiet, kostet auch Unbeteiligte das Leben! Nur eine politische diplomatische Lösung wird die Region auf Dauer befrieden können. Syrien braucht eine breit getragene Verhandlungslösung unter Einbeziehung von Russland, dem Iran, Saudi-Arabien, der Türkei, der Kurden und den gesprächsbereiten syrischen Rebellen.

Gegen den Terror und gegen Gewalt, für die Freiheit und Mitmenschlichkeit!

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2 Kommentare
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Siegfried Räbiger aus Oberhausen | 29.11.2015 | 13:30  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 29.11.2015 | 19:58  
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