WIR für Marl fordert unabhängige Überprüfung der Einlagerung bergbaufremder Abfälle in Steinkohlenbergwerken in Marl

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In den 90er-Jahren hat die damalige SPD-Landesregierung in Nordrhein-Westfalen nach Entsorgungsmöglichkeiten für Sondermüll gesucht. In vielen Kommunen wurde über die Notwendigkeit neuer Sonderdeponien debattiert. In dieser Zeit wurde durch NRW-Landesregierung und den Zechenbetreiber dann eine Idee in die Tat umgesetzt, die nach Angaben des Kohlekonzerns RAG (ehemals Ruhrkohle AG) bereits Anfang der 80er-Jahre entstanden war, die "Verbringung von Reststoffen unter Tage".

Nachdem erste Berichte bei Umweltschützern in diesem Jahr auftauchten stellte die Bürgerliste WIR für Marl bereits Anfang September eine Anfrage an den Marler Bürgermeister Werner Arndt zu diesem Sachverhalt.
Der Bürgermeister klärt mit der Ruhrkohle AG, den Bergbautreibenden und den zuständigen Bergbehörden die folgenden Fragen:
1. Wurde in den Steinkohlebergwerken in Marl Sondermüll gelagert?
2. Wurden in den Steinkohlebergwerken in den Städten um Marl herum, z.B. Gelsenkirchen (und Polsum), Sondermüll gelagert?
3. Stehen die Bergwerke zwischen Kamp-Lintfort am Niederrhein, Ruhrgebiet und Dortmund/Hamm untereinander in physikalischer Verbindung?
4. Kann es sein, dass es sich hier um eine große geologisch und wasserwirtschaftlich zusammenhängende Landmasse handelt, die wie eine riesige Anordnung von miteinander verbundenen kommunizierenden Röhren in Verbindung stehen und über unterirdische Strömungen den wässrigen Inhalt der Giftlager der Bergwerkeuntereinander austauschen?
5. Besteht die Gefahr, dass Grundwasserleitern mit diesen Giften kontaminiert werden?
6. Welche Risiken und langfristigen Umweltauswirkungen des untertägigen Versatzes von gefährlichen toxischen Sonderabfällen existieren tatsächlich?
Bis heute gabs auf diese Fragenvon der Stadt Marl keine Antwort.
Jetzt haben Fragen die Landesregierung erreicht, die die Sicherheit der in den Bergwerken eingeschlossenen bergbaufremden Abfälle betreffen. Die Landesregierung will diesen Fragen nachgehen. Klarheit soll es darüber geben, ob durch frühere bergbaufremde Einlagerungen eine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgehen könnte.
In diesem Sinne soll eine Überprüfung mit folgenden drei Kernpunkten stattfinden:
1. Wie sind die Grundannahmen, die Basis der damaligen Entscheidungen gewesen sind, heute fachlich zu bewerten?
2. Sind aktuell und künftig Gefährdungen insbesondere des Grund- und Oberflächenwassers im Einzugsbereich der Steinkohlenbergwerke zu befürchten? Welche Maßnahmen müssten ggf. ergriffen werden, um diesen zu begegnen?
3. Wie muss das Monitoring erweitert werden, um ggf. auftretende Gefährdungen frühzeitig zu erkennen?

Die Bürgerliste Wir für Marl fordert: Der Schutz von Mensch und Umwelt hat oberste Priorität. Deshalb müssen wir allen potenziellen Gefahrenquellen durch die Einlagerung schwerbelasteter Abfälle in Bergwerken auf den Grund gehen und für Transparenz sorgen.“

Die Einlagerung mit bergbaufremden Abfällen in Steinkohlebergwerken in Nordrhein-Westfalen erfolgte nach vorliegenden Unterlagen im Wesentlichen im Zeitraum von Mitte der 80er-Jahre bis 2006. Der Versatz in untertägige Hohlräume wurde zum damaligen Zeitpunkt als eine Verwertungsmöglichkeit für industrielle Massenstoffe angesehen. Insgesamt wurden in dem oben genannten Zeitraum rund 1,6 Millionen Tonnen bergbaufremder Abfälle in elf Steinkohlenbergwerken eingelagert.
Bei der noch ausstehenden Auswertung weiterer Informationen wollen die Behörden auch überprüfen, ob der bislang festgelegte Parameterumfang insbesondere für die Überwachung der Grubenwassereinleitungen erweitert werden muss.
Daneben werden die Behörden die analytische Überwachung der an verschiedenen Wasserhaltungen gehobenen Grubenwässer und der Einleitstellen in die Vorfluter fortsetzen.
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