Welt-Parkinson-Tag 11. April 2015: "Behandlungsmöglichkeiten werden immer besser"

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Dr. Michael Mandrysch. (Foto: Freier Lichtblick)

In Deutschland gibt es derzeit rund 300.000 Menschen, die mit der Parkinson-Krankheit leben. 2030 sollen es aufgrund der Entwicklung der Altersstruktur nahezu doppelt so viele sein, schätzen Fachleute. Die langsam fortschreitende neurologische Erkrankung äußert sich unter anderem durch Muskelstarre, Zittern und verlangsamte Bewegungen. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 50. und 79. Lebensjahr. Dr. Michael Mandrysch, Chefarzt der Neurologieabteilung in der LWL-Klinik Lengerich, zu Ursachen, Symptomen und Therapien der Nervenerkrankung:

Herr Dr. Mandrysch, welche Ursachen führen zu Morbus Parkinson?
Mandrysch: "Es gibt genetische, also angeborene Ursachen - wesentlich häufiger werden jedoch umweltbedingte Einflüsse als Ursache in Frage kommen. Hier werden in Fachkreisen virale Einflüsse, aber auch toxische Ursachen diskutiert. Bekannt ist zum Beispiel die giftige Wirkung von Mangan, das bei Bergleuten in den 1950er Jahren zu zahlreichen Erkrankungen geführt hat. Auch bestimmte Pestizide, die heute nicht mehr verwendet werden, können Parkinson auslösen. So ist Parkinson im Weinbau in Frankreich als Berufskrankheit anerkannt. Hat man früher Parkinson als eine primäre Erkrankung des Gehirns eingestuft, wissen wir mittlerweile, dass die Erkrankung ihren Ursprung im Nervengewebe im Darm hat. Diese Erkenntnis macht es wahrscheinlicher, dass eben äußere Einflüsse die Erkrankung auslösen."

Gibt es ein Mittel gegen die Parkinson-Krankheit?
Mandrysch: "Im eigentlichen Sinne nicht. Wir können mit unterschiedlichen Medikamenten, aber auch mit operativen Eingriffen - unterstützt durch Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie - bislang nur die Symptome der Erkrankung behandeln, nicht aber den Kern der Erkrankung selbst. Dennoch: Die Behandlungsmöglichkeiten werden immer besser. Die Mittel, die uns heute zur Verfügung stehen, sind mit dem Stand der Wissenschaft vor zehn Jahren nicht vergleichbar. Ich denke, dass diese Entwicklung weiter rasant fortschreitet, was in meinen Augen durchaus Hoffnung für die Betroffenen machen kann."

Muskelzittern und eine gekrümmte Haltung sind typische Symptome. Hat Parkinson auch noch weitere Auswirkungen auf die Erkrankten?
Mandrysch: "Parkinson ist eines der vielschichtigsten Krankheitsbilder, die es gibt. Neben den motorischen Beeinträchtigungen wie Zittern, Muskelsteifigkeit und verminderter Beweglichkeit reicht die Bandbreite der Symptomatik von der Parkinsondemenz über Verhaltensstörungen wie Hypersexualität und Esssucht bis hin zu vegetativen Funktionsstörungen wie zum Beispiel Herz-Kreislaufstörungen. In der Behandlung ist es äußerst wichtig, die Vielschichtigkeit der Symptome zu kennen und diese auch bei den Betroffenen zu erkennen. Manche Symptome sind so sehr schambesetzt, dass diese im Gespräch nicht vom Patienten oder Angehörigen geschildert werden. In meinen Vorträgen bin ich immer wieder erstaunt, wie wenig Angehörige und Betroffene, aber auch Ärzte von der Vielschichtigkeit dieser Erkrankung wissen."

Hintergrund

• Die Abteilung für Neurologie der LWL-Klinik Lengerich besteht seit 1956 und ist die einzige Abteilung der Klinik, die sich nicht primär mit psychiatrischen Krankheitsbildern befasst, sondern mit den organischen Erkrankungen des menschlichen Nervensystems. Neben einer Schlaganfallstation und einem Multiple-Sklerose-Zentrum liegt ein Schwerpunkt der Abteilung auf der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Morbus Parkinson. Mittlerweile entwickelt sich die Lengericher Abteilung zu einem überregionalen Parkinsonzentrum.


Prominente Betroffene in Deutschland sind der Kabarettist Ottfried Fischer und der kürzlich verstorbene Fußballtrainer Udo Lattek. Auch Papst Johannes Paul II., Boxer Muhammed Ali und der US-Schauspieler Robin Williams litten an Parkinson.

11. April 2015
Welt Parkinson Tag 2015


Dieser Aktionstag wurde im Jahr 1997 eingeführt durch die European Parkinsons Disease Association am Geburtstag von James Parkinson. Rund zwei Millionen Menschen leben weltweit mit dieser Diagnose, mindestens 280.000 Menschen davon in Deutschland. Die Nervenkrankheit hat drei Hauptsymptome: die Verlangsamung der Bewegungsabläufe, eine erhöhte Muskelsteifheit sowie Zittern. Der Welt-Parkinsontag erinnert an den englischen Arzt, der 1817 erstmals die Symptome der Krankheit in einem Buch beschrieb.
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