Dampf-Festival Ruhrgebiet: Aus Marl kommt die seltene Dampfwalze des italienischen Herstellers Breda aus dem Jahr 1925

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Aus Marl kommt die seltene Dampfwalze des italienischen Herstellers Breda aus dem Jahr 1925 mit einem Gewicht von 16 Tonnen. Sie wird von dem Unternehmer Andreas betrieben. (Foto: LWL)
 
Fast 100 Jahre haben die schnaufenden Maschinen auf dem Buckel, die sich am 9. Und 10. Mai auf der Zeche Hannover ein Stelldichein geben. (Foto: LWL/Fischer)

Rauchende Schlote, heißer Dampf und das Schnaufen der Maschinen sind am Samstag und Sonntag (9. und 10. 5.), im LWL- Industriemuseum Zeche Hannover zu erleben. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist dann wieder Gastgeber von Deutschlands größtem Dampf-Festival.

20 originale Dampfwalzen, Dampftraktoren, Lokomobile, dampfgetriebene PKW und LKW aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden lassen vor dem mächtigen Malakowturm der Zeche Hannover das Dampfzeitalter lebendig werden. Hinzu kommen mehr als 20 originalgetreue Nachbauten im Maßstab 1:2 bis 1:5 sowie zahlreiche Modelle - von der Dampfmaschine bis zum dampfgetriebenem Schiff. Alle Fahrzeuge sind im Betrieb zu erleben.

Das traditionsreiche Festival hat in diesem Jahr mit einigen Neuerungen. "Einige Maschinen wie die Dampfwalze des italienischen Herstellers Breda von 1925 oder eine komplette Baustelleneinrichtung aus der Zeit um 1900 sind erstmals in Bochum zu sehen - ein Highlight für alle Dampffreunde", freut sich LWL-Museumsleiter Dietmar Osses. Die Entdeckung der Raritäten verdankt das Museum unter anderem einer Kooperation mit dem Freundeskreis Straßendampf, der sein 20-jähriges Jubiläum beim Dampffestival feiert.

Vaporium Ruhr

Erstmalig trifft sich auch die junge Steampunk-Szene des Ruhrgebiets beim Dampffestival. "Wir pflegen seit einiger Zeit gute Beziehungen zu den Steampunks im Revier. Zum Dampffestival gibt die Gruppe "Vaporium Ruhr" mit einer kleinen Ausstellung Einblicke in die Szene. Außerdem erwarten wir viele Steampunks aus der Region, die mit ihren eindrucksvollen Kostümen das Dampf-Festival bereichern", verrät Osses.

Dampfmaschinen-Workshops für Kinder, Vorführungen der historischen Fördermaschine der Zeche Hannover von 1893 und ein buntes Begleitprogramm machen das Dampf-Festival zu einem Fest für die ganze Familie.
Mit über 40 Maschinen aus 100 Jahren im vollen Dampfbetrieb ist das Dampf-Festival Ruhrgebiet das größte seiner Art in Deutschland.

Das seltenste Exemplar des Festivals ist eines der wenigen noch erhaltenen Dampf-Automobile "Model D Raar" der White Sewing Machine Company aus Cleveland/ Ohio aus dem Jahre 1905. Die aus einer Nähmaschinenfabrik hervorgegangene Firma war von 1900 bis 1911 der führende Hersteller von dampfgetriebenen PKW, bis sie schließlich die Produktion auf benzingetriebene Motoren umstellte.

Das Prachtstück des Festivals ist die Kirmes-Zugmaschine "Hendrina" von Jan Linders aus Venray. Sie wurde 1913 als Dampftraktor hergestellt und später zu einer Show-Maschine umgerüstet. Die Maschine verfügte über einen eigenen Generator, der aus Dampfkraft elektrische Energie für die Beleuchtung erzeugt - für das frühe 20. Jahrhundert war dies eine Sensation.
Den diesjährigen Themenschwerpunkt des Festivals bilden tonnenschwere Dampfwalzen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Wege, Plätze und Straßen ebneten. Sie ermöglichten die Verwendung neuer Straßenbeläge wie Asphalt oder Teer. Sieben dieser stählernen Kolosse sind beim Dampf-Festival in Aktion zu erleben.

Aus Marl kommt die seltene Dampfwalze des italienischen Herstellers Breda aus dem Jahr 1925 mit einem Gewicht von 16 Tonnen. Sie wird von dem Unternehmer Andreas betrieben. Aus Waltrop und Warstein reisen zwei Dampfwalzen an, die Mitte der 1920er-Jahre die Soester Maschinenfabrik Ruthemeyer hergestellt hat.

Dampf-Traktoren hatten gut ein Jahrhundert lang in der Landwirtschaft große Bedeutung. Sie dienten als Zugmaschinen auf Straßen und Feldern und wurden auch zum Antrieb von Dreschmaschinen, Sägewerken oder Steinbrechern genutzt. Beim Dampf-Festival erstmals zu Gast ist eine Kemna EM Einheitsmaschine von 1916, die in Kooperation mit der Chemnitzer Maschinenbaufabrik Haubold hergestellt wurde. Auf Anweisung der deutschen Heeresverwaltung produzierten verschiedene Hersteller das Einheitsmodell eines Dampftraktors in großer Zahl, um schwere Lasten und Geschütze auf dem unwegsamen Geländen an den Fronten des Ersten Weltkrieges zu transportieren.

Während heute vor allem in England und den Niederlanden viele originale Dampffahrzeuge erhalten sind, ist das Ruhrgebiet "die heimliche Hauptstadt des Dampfmodellbaus". Zahlreiche ehemalige Maschinenbauer, Ingenieure, aber auch Liebhaber verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit mit der Fertigung von detailgenauen Nachbauten von Dampffahrzeugen und Dampfmaschinen. Mehr als 20 dampfgetriebene Traktoren, Dampf-Walzen und Spezialfahrzeuge, meist im Maßstab 1:3, aber immer noch mehrere hundert Kilo schwer, drehen ihren Runden um den Malakowturm der Zeche Hannover und laden Kinder zum Mitfahren ein. Dampftechnik zum Anfassen bieten auch die Dampfmodelle und Dampfschiffe, die von den Dampfstammtischen Dortmund und Essen sowie von weiteren Modellbauern präsentiert werden.

Die größte und älteste Dampfmaschine des Festivals hat dagegen das LWL-Industriemuseum selbst zu bieten: Es ist die Fördermaschine von 1893 - die älteste Fördermaschine des Ruhrbergbaus, die noch am Originalstandort zu sehen ist. Bei Schauvorführungen setzt sich die mächtige Koepescheibe in Bewegung - gesteuert durch Druckluft und angetrieben mit einem Elektromotor.

Dampf-Festival Ruhrgebiet

Sa/So, 8./9. Mai 2015, jeweils von 10 bis 18 Uhr
LWL-Industriemuseum Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251, 44793 Bochum
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro
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Kerstin Zenker aus Bergkamen | 07.05.2015 | 12:11  
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