Symbolische Verlegung einer Gedenkplatte für die Opfer der Euthanasie in Recklinghausen-Hillerheide

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(Foto: Wittekindshof Diakonische Stiftung für Menschen mit Behinderungen)

Vor etwas mehr als einem Jahr hatten Bürger beim Rat der Stadt Recklinghausen angeregt, vor der letzten Wohnstätte von Elisabeth Cohaupt eine Gedenkplatte zu verlegen. Sie möchten mit der Verlegung einer Gedenkplatte für Elisabeth Cohaupt an die insgesamt fast 200.000 Opfer der „Euthanasie“ zwischen 1939 und 1945 erinnern und diejenigen mahnen, die heute psychisch Kranke, behinderte Menschen, Pflegebedürftige und forensische Patienten aus unserer Gesellschaft ausgrenzen wollen.

Die Opfer der „Euthanasie“

Die Verfolgung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen durch das nationalsozialistische Regime begann 1934 mit Zwangssterilisationen auf der Grundlage des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses", und gipfelte in den NS-Euthanasie-Verbrechen. Zwischen 1939 und 1945 fielen Patientinnen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen unterschiedlichen Mordaktionen zum Opfer: u. a. der "T4-Aktion" und der "zweiten Mordphase". Eine der überregionalen Tötungsanstalten befand sich in Hadamar.
In der 1897 errichteten Landesheil- und Pflegeanstalt Weilmünster wurden in der Zeit des Nationalsozialismus psychisch Kranke und Behinderte zwangssterilisiert und durch vorsätzlichen Entzug von Nahrung, Unterlassung der Pflege oder durch überdosierte Medikamente systematisch ermordet. Von 1937 bis 1945 starben dort mehr als 6000 Menschen, darunter alle jüdischen Patienten. Darunter war auch Elisabeth Cohaupt aus Recklinghausen. Ein Ermittlungsverfahren gegen Personal der Anstalt, wegen Beteiligung an den nationalsozialistischen Krankenmorden, wurde 1953 eingestellt.
Die verfolgten Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen gehörten in der Bundesrepublik Deutschland viele Jahre lang zu den vergessenen Opfern der NS-Herrschaft. Die Erinnerung an ihr Leiden wurde oftmals verdrängt. Anfang der 1980er Jahre begann die systematische Erforschung der Verbrechen und die gezielte Erinnerung an die Opfer.
Die Gedenkplatte

Die Bürger hatten der Stadt Recklinghausen angeboten, die Gedenkplatte zu finanzieren. Die Stadt Recklinghausen sollte für eine fachmännische Verlegung Sorge tragen. Der Rat der Stadt Recklinghausen hat in seiner Sitzung vom 03.02.2014 im „Einvernehmen“ entschieden, die Ratspetition an den „Arbeitskreis Toleranz und Zivilcourage“ zu verweisen. „Seitdem haben die Initiatoren der Bürgeranregung nichts mehr zum Werdegang
ihrer Anregung gehört“, stellt Detlev Beyer-Peters enttäuscht fest.
Die VVN-Bund der Antifaschisten möchte nicht weiter tatenlos auf eine Entscheidung warten und hat die geforderte Gedenkplatte aus Edelstahl mit lasergraviertem Text anfertigen lassen. Anlässlich des nationalen Gedenktages für die Opfer des Faschismus ruft die Organisation interessierte Bürger zu einer symbolischen Verlegung ihrer Gedenkplatte auf. Die Aktion findet am Dienstag, den 27.01.2015, um 17 Uhr vor dem Haus Gertrudisplatz 26 in Recklinghausen-Hillerheide statt. Detlev Beyer-Peters zum Motiv seiner Organisation: „Wir haben die Hoffnung, den Rat der Stadt Recklinghausen dazu zu inspirieren, der symbolischen Verlegung unserer Gedenkplatte einen dauerhaften und nachhaltigen Charakter zu geben.“
Am selben Tag findet eine Veranstaltung der kfd Dekanat Recklinghausen und der VHS-Recklinghausen um 19:30 Uhr im Sitzungssaal der VHS, Herzogswall 17, hin. Unter dem Titel „Alles vergessen? Frauen zwischen Verfolgung und Widerstand“ werden u.a. die Biografien verfolgter Frauen in Recklinghausen ausgestellt. An dieser Veranstaltung wird auch der Neffe von Elisabeth Cohaupt, Michael Georg Cohaupt,
teilnehmen.
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