Geschichte des Eisens - Puddleverfahren brachte Widerstandskraft

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Der Verarbeitung von Eisen für stabile, dünne Oberflächen wurde auch im Hönnetal weiter entwickelt.
Menden: Museum Menden | Widerstandsfähiges Eisen – Neues Schmelzverfahren ging mit Wandel zur Massenproduktion einher
Noch Mitte des 19. Jahrhundert war Eisen in der Regeln von minderer Qualität. Es wurde schnell spröde, brach und musste immer wieder ersetzt werden. Zum dauerhaften Stahl wurde es er start duch das sog. Puddle-Verfahren. Der Brite Henry Cort entwickeltet 1784 das Verfahren, denn er fand heraus, dass der in heißem Roheisen enthaltene Kohlenstoff verpufft, wenn Luft darüber geführt wird. Bis zu jenem Zeitpunkt wurden der Kohlenstoff und andere unerwünschte Stoffe im Eisen nur durch die von Gebläsen unterstützte Verbrennung der Holzkohle entfernt. Cort griff zur, im Vergleich mit Holzkohle, preiswerten Steinkohle und verzichtete auf Gebläse oder Tiegel. Knochenjob – Im Eisenofen musste stets gerührt werden, damit sich der Sauerstoffgehalt erhöhte.
Friedrich Harkort hatte das Verfahren als erster in der Region eingesetzt und Theodor von Dücker brachte es über Rödinghausen schließlich nach Südwestfalen. Das revolutionäre Verfahren begleitete auch den Umschwung von der handwerklichen zur seriellen Massenproduktion im 19. Jahrhundert. Was schließlich aus Eisen am Rödinghauser Hammer oder im 18. Jahrhundert beim Schmied gefertigt wurde, stellt das Museum Menden aus.

Nägel von Schmöle

Das Eisen aus dem Röddinghauser Hammer wurde damals weitertransportiert in die Eisenfabrik der Dückers. Somit gelangte die “Luppe”, das Roheisenstück, aus dem Hammer Röddinghausen jetzt in die industrielle Fertigung. Die hohe Oberflächenqualität des Stahls machte die immer feinere Bearbeitung jetzt erst möglich. Zwar wurden etwa Beile früher auch schon sehr exakt gearbeitet, ab jetzt aber war Präzision angesagt. Dem entsprach auch ein Hauptprodukt der Firma Schmöle – Nägel wurden immer individueller nach Kundenwunsch produziert. Besonders wichtig war Exaktheit in der Produktion von Nadeln. Anfangs gab es nur dickere, einfache Nähnadeln, heute sind die Nadeln für medizinische Geräte teils kaum noch erkennbar. Auch für die Herstellung von Drahtgewebe war die Einführung des Puddleverfahrens wichtig. Heute hingegen werden viele Gewebe, die früher aus Metall bestanden, aus Polyäthylen gefertigt.
“Es ist faszinierend zu sehen, dass diese Produktionen in ihrer Ursprungsform sehr früh hier waren, schon vor 2000 Jahren”, erklärt Jutta Törnig-Struck. Ein großer Teil der Exponate wird in der neuen Ausstellung in Röddinghausen aufgebaut. Produkte aus den Anfängen der Eisenberarbeitung stehen dann im Kontrast zu aktuellen Produkten moderner Herstellung. Zeitsplitter werden in Vitrinen ausgestellt mit Informationszonen über jede Epoche. “Anhand der Exponate erlebt man, wie die Entwicklung gewesen ist”, stellt Jutta Törnig-Struck in Aussicht. Wenig Text, dafür Sanduhren, die den Zeitverlauf deutlich machen. Die Eisenproduktion im Hönnetal wird wohl einen großen Teil der Ausstellung umfassen.
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