Musterbücher aus der Gründerzeit

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Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck bei einem Besuch bei KME, dem Nachfolgebetrieb der Firma Schmöle: (von links nach rechts) Ulrich Naumann, Werksleiter Alfons Reich und Martin Gerlach von KME zusammen mit Gerd Schnadt als Mitglied der Mendener Industriegeschichtswerkstatt bei der Schenkung des Musterbuches für Bleche der Firma R & G Schmöle aus dem Jahr 1853.
Menden: Alter Rathausplatz in Menden(Sauerland) |

Bei der Ausstattung der Räume auf Gut Rödinghausen schöpft das Museum Menden quasi aus dem Vollen. „Die Objektlage ist sehr gut“, erklärt Jutta Törnig-Struck nicht ohne Stolz. Sie stöberte auch historische Kataloge und Musterbücher der Stahl- und Drahtfirmen auf, die im neuen Museum sicher einen Ehrenplatz erhalten werden.



Von den rund 260qm Ausstellungsfläche ist ein großer Teil der Entwicklung der heimischen Industrie vorbehalten. Um Eisenwaren und Metallgewebe an den Handel zu bringen statteten die Produzenten an der Hönne bereits vor über 150 Jahren ihren Vetrieb mit Musterbüchern aus, die Produktproben und einen Querschnitt des Sortiments enthielten. Sehr anschaulich belegt dies ein Exponate des Neuwalzwerks aus der Zeit um 1890. Dort wurden die allerersten Gewebe industriell überhaupt hergestellt. Aus hunderten von Produkten, die für Kaufleute zugeschnitten waren, konnten die Kunden wählen. Vom Textilmuseum Bocholt erhielt das Museum Menden zudem eine Dauerleihgabe mit einer Auswahl an Geweben und Drähten. Sie wurden bereits für die Ausstellung auf Gut Rödinghausen gereinigt und hergerichtet.
Weitaus älter ist ein Musterkatalog der ehem. Firma R&G Schmöle. Es weist auzf seinem Deckel das Jahr 1834 aus. Das schwere Buch im Ledereinband überreichte die Nachfolgefirma KME jetzt dem Museum. Der Deckel trägt die Insignien R&G 1834. Dies könnte das ursprüngliche Gründungsjahr der Firma Carl Schmöle in Menden spiegeln. Rudolf und Gustav Schmöle übernahmen den Betrieb 1853. In dem Musterbuch finden sich Walz- und Drahtprodukte aus Kupfer als Produktproben. Auf Gut Rödinghausen sind im sog. „Schmöle-Raum“ drei Entwicklungsachsen geplant: Carl Schmöle als Gründervater wird vorgestellt. Er hat auch ein Buch über die Seidenmanufaktur in Menden geschrieben. Ein weiterer über die Familie Basse. denn einer der Schmöle-Söhne heiratete Hermine Basse. Zwei Porträts des heimischen malers Lilotte wurden angekauft, die die Verbindung zwischen Textil- und Metallindustrie zeigen. Hermine trägt darauf sehr schönen Schmuck. Daher soll zusätzlich zum Porträt eine Kleinvitrine mit Schmuck aufgebaut werden.
Das Unternehmen Schmöle wurde so erfolgreich, weil die Mode maßgeblich aus Gürtelschnallen und Kettenverzierungen bestand. Desweiteren wird ein Buch von Rudolf Schmöle gezeigt, dass sich mit der Geschichte von Kaiser Napoleon Bonaparte befasst. Mit dem revolutionären General hatte sich Rudolf Schmöle 1826 befasst, im Alter von nur 14 Jahren. „Er war ein Bürger, der sich seine Bildung erarbeitet hat“, weiß Jutta Törnig-Struck. Während sich Rudolf der Bildung widmete, in den Bereichen Design und Buchhaltung arbeitete, führte sein Bruder Gustav die Kundengespräche. Die Eigenschaften ergänzten sich gut. So war die Gründergeneration der heutigen Firma KME auch Geschichtsschreiber der Industrie im Hönnetal.
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