Menden muß den Wahlen weichen

Anzeige
Vorbesprechungen
 
Spannender Moment vor dem ersten Anheben
Große Angst um ihr „Baby“ hatten heute Norbert Klauke und Wolfgang Kißmer, zwei der Erbauer des Stadtmodells, das Menden im 19. Jahrhundert zeigt. Am Sonntag wird das Rathausfoyer als Wahlbüro gebraucht. Die Verantwortlichen waren der Meinung, daß die Anlage zu diesem Zweck weichen muß.

Angst und Aufregung sind für jeden verständlich, der bereits lange Zeit und mit Herzblut an etwas gearbeitet hat. Ich persönlich male/zeichne. Kommt jemand meiner Leinwand zu nahe, stellen sich Herzrasen und Schweißausbrüche ein. So oder ähnlich muß es heute den „Vätern“ dieser Anlage ergangen sein. Wie leicht kann sich die Glashaube verkanten – und dann? Zersplittert sie womöglich über den liebevoll hergestellten Häusern und zerstört das ganze Werk? Mit etwas Mitgefühl läßt sich diese Albtraum-Vorstellung nachvollziehen!

Die bis heute mittag offene Frage: Wohin mit dem Modell? Etwa in eine unzugängliche Ecke? Welch` böse Vorstellung, ausgerechnet an diesem Wochenende! Sicherlich würden viele Besucher des Mendener Frühlings ihren Ausflug gerne für einen Abstecher ins Rathaus nutzen, um sich die grandiose Arbeit, stammend aus dem Stadtarchiv, endlich auch einmal anzuschauen. Und das könnte nun evtl. nicht möglich sein, obwohl Bürgermeister Fleige den Erbauern sowie allen Mendener Bürgern einen Ehrenplatz für die Anlage zugesichert hatte?

Viele offene Fragen, also...

Aber wie heißt es so schön? - „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“
Pünktlich zum Beginn des Wochenendes für alle Mitarbeiter des Rathauses rückte der Mendener Baubetriebshof mit drei Mitarbeitern an. Innerhalb einer guten Stunde vollbrachten sie das Unmögliche – Sie versetzten eine ganze Stadt.

Würdigung, erfuhr das kostbare Modell durch die gut durchdachten Vorbereitungen dieser Männer.
An erster Stelle stand der Schutz der gesponserten Glashaube, die beim Versetzen den heikelsten Schwachpunkt darstellen würde. Dazu versahen die Mitarbeiter des MBB alle vier Kanten der Haube mit vorgefertigten Holzwinkeln, die in der Innenseite mit Schaumstoff versehen wurden. Zur Stabilisierung der Glashaube zogen sie sodann einen Spanngurt um die gesamte gläserne Konstruktion.
Im nächsten Schritt kamen die vorbereiteten beschichteten MDF-Platten zum Einsatz. Zwei Platten etwa in der Größe des Modells, dazu mehrere schmalere Bretter. Mittels Möbelhebern wurde sodann das Modell geringfügig angehoben, um es auf der ersten Platte aufzusetzen. Ähnlich einem gut durchdachten Strategiespiel stand in Kürze die Anlage mit ihrer gesamten Fläche auf beiden großen Holzplatten. Strategie auch nötig, weil im rechten Winkel verschoben werden mußte – also das ganze zweimal vollbracht. Gezogen, wurde die Anlage mittels breiter Gurte, die um den hölzernen Unterbau gelegt waren – natürlich auch hier wieder geschützt durch exakt gefertigte Holzwinkel und Schaumstoff, um nichts zu beschädigen.

Nach einer guten Stunde war es geschafft. Das Stadtmodell behält einen gut zugänglichen Platz im Rathausfoyer – zwischen Pfeiler und der Treppenwand -, so daß am Sonntag jeder Wähler ungehindert seine Stimme abgeben und bei dieser Gelegenheit auch das Prunkstück bewundern kann. Am Montag wird das Modell ungehend seinen ehemaligen Ehrenplatz im Foyer wieder einnehmen – dank den Männer des MBB.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.