Für eine Region ohne Autobahn

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  Menden (Sauerland): B7 |

Kreis. Eine Gruppe von 13 bekannten Mendenern können es nicht verstehen. Da steht im Bundesverkehrswegeplan der vierspurige Weiterbau der A46 von der Anschlussstelle Hemer bis zur B515 in Menden im vordringlichen Bedarf. Und bisher hat keine politische Debatte stattgefunden. Und in der Bevölkerung wird noch nicht einmal über diese Planung diskutiert.

„Wir wollen ein Signal setzen, wir wollen, dass die heimische Politik sich in das Verfahren einbringt“, beschreibt Werner Velte. „Deshalb haben wir eine Erklärung vorbereitet und unterzeichnet.“
Unter „www.mendener-erklaerung.de“ können sich weitere Gegner des A 46-Weiterbaus ein Formular herunterladen, unterzeichnen und die Ablehnung damit unterstützen. „Nach uns 13 wünschen wir uns mindestens 13.000 weitere Unterschriften“, hofft Peter Neuhaus auf eine große Resonanz.
Pfarrer Matthias Hoffmann beschreibt mit einfachen Beispielen das Problem: „Dort, wo jetzt noch auf einem Foto Wald und Wiesen zu sehen sind, durchschneidet demnächst der Asphalt die Landschaft“. Schützenswerte und ökologisch hochwertige Gebiete werden zertrennt, etwa die Waldemei, die Oeseaue, der Haunsberg oder der Limberg. Oesbern in zwei Teile geteilt. „Und was bringt es uns?“, fragt Dr. Günter Reichle. Geringe Verkehrsentlastung an einigen Stellen, dafür höheres Fahrzeugaufkommen an anderen Orten. „Es gibt den Spruch ‚Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten‘“ bringt Hoffmann die Problematik bildhaft näher.
Um ein paar Minuten schneller in Hagen zu sein, sollen Ortsteile und zur Freizeitgestaltung und Erholung genutzte Naherholungsgebiete unter anderem von zwei Brückenbauwerken „verschandelt“ werden, bringt es Bodo Schulte, der sich bei dieser Planung an seine Puppe Hein Blöd erinnert fühlte, auf den Punkt. „Uns verbindet die Ablehnung der A 46 mit ihren negativen Auswirkungen.“
„Wir wollen mit dieser Mendener Erklärung und möglichst vielen Unterzeichnern für eine Region ohne Autobahn kämpfen“, hat sich die Gruppe auf die Fahne geschrieben.
Das Hauptargument der Befürworter, die Wirtschaft, der Einzelhandel und die Gewerbetreibenden würden profitieren, glauben die Initiatoren ebenfalls widerlegen zu können. „Inzwischen sind bisherige Unterstützer bereits umgeschwenkt, weil auch sie erkannt haben, dass hier mehr Schaden als Nutzen entsteht“, so der Tenor.
Wilderich von Boeselager stört es im Besonderen, dass mögliche Alternativen erst gar nicht geprüft wurden: „Mit einem Bruchteil der Summe können die meisten Probleme in der Region gelöst werden.“
Der Neubau der 7,6 Kilometer ist mit 351,3 Millionen Euro veranschlagt, der Weiterbau über Wimbern nach Arnsberg soll noch einmal in zwei Stufen 86,1 beziehungsweise 72,8 Millionen Euro kosten.
Einen ganz plausiblen Grund, dass auch für die Industrie der Autobahnbau keinen Vorteil bringt, erläuterte Dorothee Martin, ehemals Geschäftsführerin eines mittelständischen Mendener Unternehmens. „Wir werben immer mit dem Slogan Stadt im Grünen, um Fachkräfte anzuwerben“, so die Insiderin. „Das dürfte dann schwer fallen, wenn hier die Natur extrem leiden muss.“
Der ehemalige Bürgermeister Volker Fleige stellte klar, dass bereits seit 40 Jahren geplant wird. Doch eine vernünftige Lösungen, die alle Interessen unter einen Hut bringt, seien nicht gefunden worden: „Aber in einem bin ich mir sicher. Jeder von uns hat seine Netzwerke, und wenn wir die einspannen, wird die hohe Politik sicherlich unsere Aktivitäten wahrnehmen.“
Mit den Unterschriften soll erreicht werden, dass Menden vor einem gravierenden Fehler bewahrt wird. Das bei den zuständigen Behörden weiter darauf gedrängt wird, dass alternative Verkehrsplanungen zur A 46 untersucht und umgesetzt werden.
Werner Velte ist realistisch - „Wir sind nicht bei ‚Wünsch dir was‘, sondern bei ‚So ist es‘“ - aber hofft doch: „Der Plan muss mindestens diskutiert werden“. Und mit der Unterschriftensammlung unter www.mendener-erklaerung.de soll dieses Ziel erreicht werden.
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1 Kommentar
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Adalbert Allhoff-Cramer aus Balve | 29.10.2016 | 07:07  
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