Hemer: Verwaltung, Politik und Wirtschaft pochen auf schnellen A46-Weiterbau bis Menden

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Symbolisch Seite an Seite und mit einer einzigen Stimme: Hemeraner Politik, Verwaltung und Wirtschaft fordern entschlossen den unverzüglichen Beginn der konkreten Planungen für den ersten Bauabschnitt der A46. (v.l.): Christian Schweitzer (Stadt Hemer), Knut Kumpmann (UWG), Hans- Peter Klein, BM Michael Heilmann, Bernhard Camminadi (Wirtschaftsinitiative Nordkreis), Martin Gropengießer (CDU), Dr. Bernd Schulter (Erster Beigeordneter der Stadt Hemer) und Arne- Hermann Stopsack (FDP).^Foto: Stadt Hemer
 
Quelle: Bundesverkehrsministerium
 
Dieser Ausschnitt des neuen Bundesverkehrswegeplans stellt die geplante Trasse (rot) für den ersten Abschnitt des Weiterbaus der A46 zwischen dem jetzigen Autobahnende und dem Anschluss an die B515n dar. Quelle: Bundesverkehrsministerium
Dieser Beitrag beleuchtet das Thema "A 46" aus Hemeraner Sicht. Verfasst wurde er von Christoph Schulte von der Redaktion des Stadtspiegels Iserlohn/Hemer. Er ist weitgehend identisch mit dem Bericht der am morgigen Samstag (21. Januar) in der Printausgabe des Stadtspiegels in Menden, Fröndenberg, Balve und Wickede erscheint.

Kreis. "Lieber heute als morgen!" Wirtschaft, Verwaltung und das Gros der Politik, mit Ausnahme der GAH, sprechen in Hemer eine eindeutige Sprache, wenn es um den Weiterbau der A46 geht.

Der Bundestag hat Anfang Dezember 2016 nicht nur die Umsetzung des Bundesverkehrswegeplans 2030 auf den Weg gebracht, sondern auch die Einstufung des Weiterbaus der A46 im vordringlichen Bedarf bestätigt. Für Hemers Bürgermeister Michael Heilmann Anlass genug, alle Hemeraner Akteure an einen Tisch zu bringen, um nochmals eindringlich an das zuständige Land NRW zu appellieren, die Entscheidung des Bundes nun auch zügig umzusetzen. "Die Linienführung für das Teilstück der A46 bis Menden ist so gut wie klar. Es fehlt nur noch die Aktualisierung bestehender umwelt- und naturschutzfachlicher Untersuchungen. Damit zu warten, bis die Linienbestimmung für die gesamte Trasse abgeschlossen ist, ist für Hemer nicht zumutbar." Zumal vorliegende - neutrale und unabhängige - Gutachten eindeutig belegen, dass das dann vorläufige A46-Ende mit Anschluss an die B515n zu keiner nennenswerten Verkehrsbelastung in Menden führen, Hemer aber stark entlasten würde.
Ausschlaggebend für den nochmaligen eindringlichen Appell waren zum einen die jüngsten Aussagen von Straßen.NRW, dass sich die Planungen weiter verzögern könnten, zum anderen aber auch die zuletzt wieder negative Stimmungsmache in Menden. Dort haben seit Ende Oktober knapp 1.400 Bürger - u.a. mit Ex-SPD-Bürgermeister Volker Fleige, dem aus TV bekannten Puppenspieler Bodo Schulte, Architekt Anselm Vedder, Stadtbaurat i.R. Werner Velte und dem Vorsitzenden des Marathon Clubs Menden Horst Kaderhandt als Erstunterzeichnern - eine sog. "Mendener Erklärung" unterzeichnet, die als Ziel "eine Region ohne Autobahn" fordert.

"Hemer droht spätestens
2030 Verkehrskollaps"


Das sieht man in Hemer schon seit langem anders. "Wenn nicht die A46 jetzt weitergebaut wird, droht uns spätestens bis 2030 in der Innenstadt der Verkehrskollaps", befürchtet Michael Heilmann vor den bereits jetzt täglich zu beobachtenden Blechlawinen auf der B7.
Mit dieser düsteren Einschätzung liegt Hemers Bürgermeister voll auf einer Linie mit Joachim Meyer. "Es besteht vor dem Hintergrund eines stetig weiter wachsenden Individualverkehrs dringender Handlungsbedarf, und zwar nicht erst 2018 oder 2019, sondern jetzt sofort!" Schließlich dauere es ja auch bei sofortigem Planungsbeginn noch 10 bis 15 Jahre bis zur Realisierung. "Und die Auswirkungen der täglichen Staus bekommt ja nicht nur Hemer, sondern die ganze Region von Iserlohn bis Menden bereits zu spüren," so der Vertreter der Hemeraner Wirtschaftsinitiative.
Ins gleiche Horn stieß Bernhard Camminadi, Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative Märkischer Nordkreis. "Für die Wirtschaft vor Ort und in ganz Südwestfalen ist der Weiterbau zwingend erforderlich."
Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Klein stellt sich klar gegen seine Mendener Parteifreunde. "Die von A46-Gegnern in Menden immer wieder ins Feld geführten Gesundheitsargumente durch Lärm und Feinstaub kann ich nicht gelten lassen." Stattdessen stelle er sich die Frage, ob denn die Anwohner, die jeden Tag das staubedingte mehrfache Anfahren von rund 30.000 Lkw, Lastzügen, Bussen und Pkw ertragen müssen, gesünder leben.

Hilferufe
von Eltern

Martin Gropengießer (CDU) liegen bereits mehrere Hilferufe von Eltern aus Schuleinzugsgebieten vor, die durch die B7 und ihren täglichen Massenverkehr unmittelbar durchschnitten werden. "Das ist Schulanfängern gleich bei ihren ersten Schritten im Straßenverkehr absolut nicht zumutbar."
Die Sorgen, dass mit einem Autobahnende in Menden dort eine enorme Mehrbelastung an Fahrzeugen bevorstehe, teilt auch Arne Hermann Stopsack nicht. "NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) hat unmissverständlich erklärt, dass infolge eines ggf. früher realisierten Autobahnabschnittes zwischen Hemer und Menden eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation in Hemer, aber keine Verschlechterung der verkehrlichen Situation in Menden zu erwarten ist", so der FDP-Politiker.
Untermauert wird diese Einschätzung auch durch die Aussage von Christian Schweitzer, Leiter des Fachbereiches Planen und Verkehr im Hemeraner Rathaus. "Ein von den Städten Iserlohn, Hemer und Menden gemeinsam in Auftrag gegebenes Gutachten kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Menden nicht mit mehr Verkehr belastet wird, sondern es nur zu einer Umverteilung kommt. Hinzu kommt ja auch noch der Vorteil eines eigenen Autobahnanschlusses auf Mendener Stadtgebiet." Während auf der B515 mit täglich zusätzlich rund 2.400 Kfz zu rechnen sei, werden vor allem der Bräuckerweg und Anliegerstraßen mit bis zu 4.600 Kfz pro Tag entlastet. Gleiches gilt für die B7, die täglich bis zu 7.500 Kfz verkraften müsse.
Angesichts dieser Zahlen zeigt sich auch Knut Kumpmann (UWG) von der Nachbarstadt enttäuscht. "Das verstehe ich nicht unter einem guten Miteinander von benachbarten Kommunen."
Hemers Beigeordneter Dr. Bernd Schulte brachte es abschließend nochmals auf den Punkt. "Beim Thema A46-Weiterbau sind wir aktuell in einer Schlüsselsituation. Es geht jetzt nach der Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplans darum, ob Straßen.NRW das Projekt als ein gesamtes oder als mehrere Teilabschnitte plant." Er sei jedenfalls der Auffassung, dass es weder rechtliche noch tatsächliche Gründe dafür gebe, mit dem ersten Teilabschnitt zu beginnen, bevor die gesamte Trasse zu Papier gebracht sei.

Verworren
und viel Emotion

"Während in Menden scheinbar eine verworrene Situation mit viel Emotion herrscht, setzen wir in Hemer auf Konsens und Sachlichkeit. Deshalb werden wir Minister Groschek nochmals bitten, den Weiterbau der A46 bis Menden vorrangig zu realisieren." Dieser Ausschnitt des neuen Bundesverkehrswegeplans stellt die geplante Trasse (rot) für den ersten Abschnitt des Weiterbaus der A46 zwischen dem jetzigen Autobahnende und dem Anschluss an die B515n dar. Quelle: Bundesverkehrsministerium
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