Leserbrief: "Spielball im Wahlkampf"

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Zur laufenden Diskussion um die Schließung der Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung des Mendener St. Vincenz-Krankenhauses meldet sich die Mitarbeitervertretung der Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis zu Wort.

"Die durch die Schließung der Gynäkologisch-Geburtshilflichen Abteilung am St. Vincenz-Krankenhaus losgetretene negative Darstellung über die mögliche Zukunft unseres Klinikstandortes in den lokalen Medien, erfordert nunmehr auch eine Reaktion der Mitarbeiter. Als langjähriger und gerade wieder im Amt bestätigter Vorsitzender der Mitarbeitervertretung wehre ich mich im Namen aller Beschäftigten der KKiMK dagegen, unser Krankenhaus als Spielball im Wahlkampf der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik einiger Parteien und Interessenverbände zu missbrauchen.
Fakt: Das St.Vincenz-Krankenhaus Menden ist ein starkes Stück Mendener Tradition. Mehr als 100 Jahre leisten wir für die Bevölkerung in und um Menden eine qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Betreuung. Das Krankenhaus ist einer der größten Arbeitgeber unserer Stadt und im Verlauf der letzten Jahre mit einem Investitionsvolumen von 19 Millionen Euro auf einen modernen Stand gebracht worden. (...)
Die gesunde Durchmischung von vielen jungen, aber auch vielen langjährigen Mitarbeitern zeigt den besonderen Geist der Dienstgemeinschaft der in unserer Einrichtung herrscht, sprich hohe Identifikation und Verbundenheit und somit geringe Personalfluktuation. Diese Attribute würde sich so manches Krankenhaus wünschen. Diese vielen positiven Aspekte widersprechen den zur Zeit in der Presse erweckten Anschein eines akut vom Konkurs bedrohten Unternehmens aber erheblich. Die Schließung der obengenannten Abteilung ist nicht nur für die unmittelbar durch die Kündigung Betroffenen, sondern auch für die verbliebenen Mitarbeiter und die Bevölkerung ein herber Schlag. Die Verantwortlichen für diesen Schritt sitzen in erster Linie in Düsseldorf und Berlin. Es sind nämlich unsere Gesundheitspolitiker, die durch hohe gesetzliche Hürden die Schließung von Abteilungen oder gar gesamter Kliniken, infolge daraus resultierender, wirtschaftlicher Schieflagen verursachen. (...)
Mit verantwortlich sind aber auch die Patientinnen, die nicht aus medizinischer Notwendigkeit eine Behandlung an einem anderen Hospital vorzogen und somit die schlechte und unwirtschaftliche Auslastung der Abteilung verursachten. Bei einer 24-stündigen Betriebsbereitschaft an 365 Tagen, ergab sich im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Entbindungszahl von ca. 1,4 Entbindungen pro Tag! Es stellt sich auch die Frage, ob alle einweisenden Ärzte denn immer unser Krankenhaus vorgeschlagen haben. (...)
Negative Stimmungsmache führt bei Patienten, niedergelassenen Medizinern und letztendlich unseren Mitarbeitern zu einer großen Verunsicherung. Dies kann zur Folge haben, dass wir wertvolle Mitarbeiter durch Umorientierung und unnötige Perspektivlosigkeit verlieren, potentielle Bewerber sofort abgeschreckt werden und Patienten aus Angst vor einer „Sparversorgung“ sich lieber in einem anderen Krankenhaus behandeln lassen. (...) Dass unser Krankenhaus leistungs- und zielgesteuert in die Zukunft manövriert, können unsere Bürger und Patienten daran ersehen, das die in der völlig sanierten Etage 5 nun in Vollbetrieb gegangene Sektion Neurologie sehr erfolgreich durchgestartet und schon voll belegt ist." (...)

Ulrich Tolksdorf
Vorsitzender der MV der KKiMK / Standort St.Vincenz-Krankenhaus
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1 Kommentar
Hans-Jürgen Köhler aus Menden (Sauerland) | 28.04.2017 | 16:05  
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