Stadtspiegel-Kolumne von Seite 1: "Politiker ohne Worte"

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Kaum zu glauben: Seit unserer Landtagswahl ist schon wieder fast eine Woche ins Land gegangen. Zeit genug also für Gewinner und Verlierer, die Sache "sacken" zu lassen und sich beruflich neu zu orientieren. So oder so.

Politiker, das weiß man, haben immer auf alles eine Antwort. Und sie haben die seltene Gabe, sowohl Verlust, als auch Gewinn "schönreden" zu können.

Vermutlich ist mir deshalb ein sehr menschliches Ereignis aus dem Jahre 1985 - genau einen Tag nach der damaligen Landtagswahl - so lebhaft in Erinnerung geblieben. Damals lernte ich nämlich unerwartet die ungeschminkte Seite eines frischgebackenen Ex-Landtagsabgeordneten kennen, dem die Worte fehlten.
Der gute Mann war nicht nur als absoluter Favorit in die Landtagswahl gegangen, sondern von Beruf auch Architekt. Und als solchem - ganz und gar unpolitisch, "eigentlich" - hatte ich mit ihm für eben jenen Montag nach der Wahl ein Interview vor Ort vereinbart. In einem bedeutenden, denkmalgeschützten Gebäude, das er renovieren sollte.
Den Kasten Bier als kleines Geschenk des Wiedergewählten für die Handwerker hatte er dort schon vorsorglich bereit gestellt. Ich - fürs Interview - stand auch bereit.
Doch, als wir wenig später in luftiger Höhe über die Dachbalken "balancierten" und er mir von seinen, jetzt wieder in den Lebens-Mittelpunkt gerückten, Plänen für die Renovierung erzählte, da war auch die Stimmung sehr, sehr schwankend.

Und das nicht nur, weil ich nicht schwindelfrei bin...
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