Stellt Polizei bei Unfällen bald Handys sicher?

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Ein kleiner Crash ist schnell gebaut - bei jedem fünften Unfall im Raum Menden/Balve flüchtet der Verursacher.
 
Josef Pille, Leiter der Mendener Wache.

Wird künftig bei Unfällen mit unklarer Ursache das Handy des Verursachers sichergestellt und ausgewertet, ob der Fahrer zu dem Zeitpunkt telefoniert hat?
Der Mendener Polizeiwachenleiter Josef Pille und Richard Unkhoff, Leiter des Verkehrskommissariats Nord, halten dieses Vorgehen durchaus für möglich. Denn immer öfter häufen sich die Verdachtsmomente, dass die Fahrer durch Telefonieren abgelenkt waren.

Dabei, so betonten Pille und Unkhoff im Gespräch mit der Presse: „ ... ist jemand, der nur ganz kurz sein Smartphone bedient, genauso im Blindflug unterwegs wie ein Alkoholfahrer mit 0,8 Promille.“
Dies war nur einer von vielen Aspekten, die am Montag dieser Woche auf der jährlichen Pressekonferenz zur Verkehrsunfallentwicklung auf der Mendener Wache angesprochen wurden.
Dabei zeigte sich Josef Pille durchaus skeptisch, was die Aussagekraft statistischer Daten betrifft. „Eigentlich muss man solche Zahlen immer im Zehn-Jahres-Vergleich sehen.“

Fast gleich
geblieben

Macht man das nicht, sondern vergleicht aktuell die Daten des vergangenen Jahres mit denen von 2013, dann gibt es folgende Erkenntnisse:
Mit 1.906 gegenüber 1.889 Verkehrsunfällen in 2013 ist die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich der Polizeiwache Menden in etwa gleich geblieben. Allerdings ist die Zahl der Schwerverletzten in Menden von neun auf 26 Personen enorm angestiegen. In Balve war dagegen ein Rückgang von 15 auf zwölf zu verzeichnen.

Ältere Unfallfahrer
"durchchecken"

Bei den Senioren konnte ein geringer Rückgang der Unfälle bei allerdings leichtem Anstieg der Verunglücktenzahlen festgestellt werden.
„Es ist geplant, ältere Unfallverursacher künftig zu einem Verkehrssicherheitstraining sowie zu Seh- und Hörtests einzuladen“, verrieten Josef Pille und Richard Unkhoff vorab. Nähere Einzelheiten dazu werden aber noch im Rahmen einer weiteren Pressekonferenz in einigen Wochen vorgestellt.
Die Polizei vermutet, dass sich deshalb so wenig Senioren freiwillig zu solchen Tests melden, weil sie befürchten „ausgemustert“ zu werden.
Das könnte ebenfalls ein Grund dafür sein, wenn Senioren Verkehrsunfallflucht begehen. „Sie haben Angst vor Füherscheinentzug.“
Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Menden 319 Unfallfluchten, in Balve 56 . Das sind insgesamt 26 mehr als im Jahre 2013.

Bei jedem 5. Unfall
Fahrerflucht

Bedenklich: Bei jedem fünften Verkehrsunfall wird im Zuständigkeitsbereich der Mendener Wache somit Fahrerflucht begangen!
Die Aufklärungsquote liegt in Menden aktuell bei 41,1 und in Balve bei 39,3 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Bei Unfallfluchten mit Personenschaden liegt sie dagegen sogar bei 70,6 Prozent.
Allerdings weiß die Polizei auch, dass der Erfolg hier sehr oft an die ermittelnde Person gebunden ist. Beamte, die darauf spezialisiert sind und jahrzehntelange Erfahrung haben, sehen Details, die zur Aufklärung beitragen, viel eher als Kollegen, die „neu im Geschäft“ sind.
„Unfallfluchten sind so ein bisschen unser Steckenpferd“, meinte Josef Pille. Richard Unkhoff ergänzte: „Bei der Recherche denken wir: ‚Der darf nicht ungeschoren davonkommen‘.“
Allerdings wissen beide auch, dass die Verursacher bisweilen gar nicht merken, wenn sie „angeeckt“ sind.

Balver Parkbuchten
sind zu schmal

Oft muss ein Unfall auch gar nicht mit mangelnder Vorsicht zusammenhängen. Die Parkbuchten an der Balver Hauptstraße seien zum Beispiel für kleine Autogrößen geschaffen, wie sie es vor Jahrzehnten gab. Heutzutage ragen die Außenspiegel der Parker auch bei ganz normal großen Fahrzeugen auf die Straße hinaus.

Unfallschwerpunkte
entschärft

Was ist aus den Unfallschwerpunkten von 2013 geworden?, wollte die Presse wissen.
Hier konnten die Beamten Erfreuliches berichten: „Sowohl an der der Kreuzung Werler Straße, als auch an der Einmündung Hassenbruch/Iserlohner Landstraße sind die Unfallzahlen stark zurückgegangen.
Warum - das weiß allerdings niemand
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