Hospizkreis Menden im Vincenz-Altenheim

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Roswitha Ferber und Johannes Kochanek
Der vergangene Montagstreff stieß auf großes Interesse. Heimleiter Johannes Kochanek und Pflegedienstleiterin Roswitha Ferber hatten eingeladen um über folgende Themen zu berichten: Wie werden Ehrenamtliche für die Bewohner gewonnen? Wie gestaltet sich Sterbebegleitung in ihrem Hause? Im St. Vincenz-Altenheim wohnen 71 Bewohner, mehr als die Hälfte davon sind dement. Es gab im vergangenen Jahr 30 Sterbefälle. Leitfaden für den Arbeitsstil und das Miteinander im Hause ist das christliche Menschenbild. Das besagt: Der Mensch ist Ebenbild Gottes, er trägt Göttliches in sich. Dieses Göttliche soll sichtbar werden im Umgang miteinander und in der Selbstheilungskraft, die dem Menschen mitgegeben ist. Diese Selbstheilungskraft, die bisweilen verschüttet sein kann, wird in den Pflegeprozess mit einbezogen. Somit ist die Pflege nicht einseitig sondern ein gemeinsamer Prozess. Auch die Gemeinde und mit ihr alle Ehrenamtlichen sollen daran beteiligt sein. Z.Zt. arbeiten 80 Ehrenamtliche im St.Vincenz-Altenheim und ergänzen als personales Angebot die Mitarbeiter des Hauses. Sie legen Wert darauf, dass sie ergänzen nicht ersetzen. Die erstaunlich hohe Zahl wurde auch dadurch erreicht, dass Ehrenamtliche oftmals Bekannte und Verwandte für diese sinnvolle Aufgabe motivieren konnten. Die freiwilligen Helfer sind in vier Gruppen eingeteilt: Besuchsdienst, Caféteria, aktiver-kreativer Dienst und Seelsorge. Jede Gruppe hat eine Vertrauensperson vom Team als Tandempartner. Die einzelnen Gruppen treffen sich regelmäßig zum Austausch. Es ist wichtig mit den Ehrenamtlichen im Gespräch zu bleiben. Ausbildung und Fortbildung werden von der Heimleitung als wichtig erachtet, für Hauptamtliche wie Ehrenamtliche und werden auch immer wieder angeboten. Wichtig bleibt jedoch auch: Die Organisation der Ehrenamtsarbeit sowie die der Sterbebegleitung bleibt Chefsache, d.h. Bei ersterer laufen die Fäden bei Heimleiter Johannes Kochanek zusammen, die Sterbebegleitung wird von seiner Vertretung, der Pflegedienstleiterin Roswitha Ferber koordiniert.
Die Betreuungsassistenten sind dem Sozialen Dienst zugeordnet und auch mit der Sterbebegleitung betraut.
Wenn vom Krankenhaus oder vom Hausarzt die Nachricht kommt, dass der Bewohner nur noch palliativ versorgt werden kann, ist das Personal bemüht die restliche Zeit seines Lebens so schön wie möglich zu gestalten, es zählt nur noch das Wohlbefinden und die Leidenslinderung. Das Zimmer wird schön hergerichtet, eventuell Düfte und Klänge verwendet. Aus der Biographie des Bewohners sind seine Vorlieben bekannt. Wenn das Ende naht werden die Angehörigen verständigt. Das Haus ist darauf bedacht, dass der Sterbende nicht mehr ins Krankenhaus kommt, wenn Angehörige und Arzt damit einverstanden sind. Die Medikamente werden ggf. abgesetzt. Der Bewohner verweigert mehr und mehr die Nahrungsaufnahme. Im Palliativprozess spielt das Gewicht keine Rolle mehr. Eine Mitarbeiterin zitierte dazu einen passenden Spruch: „Man stirbt nicht weil man nicht isst, sondern man isst nicht weil man stirbt.“ Es wird darauf geachtet, dass der Sterbende möglichst nicht allein bleibt. Angehörige und Pflegepersonal sprechen sich ab, denn Sterben ist ein gemeinsamer Weg. Mancher Angehörige benötigt in dieser Ausnahmesituation Unterstützung durch die Hauptamtlichen. Manche Bewohner haben Angst vor dem Alleinsein und vor dem Sterben. Das gilt es diskret zu kommunizieren. „Glaubenszweifel im Sterbeprozess kommen mehr und mehr,“ stellt Kochanek fest. Er sieht darin einen höheren Bedarf an Seelsorgetätigkeit im Hause. Deshalb strebt er zusätzlich zu der wertvollen ehrenamtlichen Seelsorge von Frau Noll und Frau Frieg zusätzlich eine Altenheimseelsorgerin an, deren Stelle vom Bistum refinanziert wird. Diese Möglichkeit bietet das Erzbistum Paderborn zusätzlich zu den Ausbildungskosten für die Beauftragten an. Für das Pflegepersonal stellen sich bei jedem Bewohner, der am Ende seines Lebens begleitet wird, die Fragen: Was ist jetzt wichtig? Was ist verschiebbar? Wem ist es möglich beim Sterbenden zu bleiben? Wer macht in dieser Zeit lieber die täglich anfallenden Arbeiten? Dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert, das Arbeitsklima gut ist, liegt zum größten Teil daran, dass der Arbeitsplan mit Hilfe einer Unternehmungsberatung völlig neu strukturiert werden konnte und inzwischen 6 Mitarbeiter zum größten Teil vom Hospizkreis ausgebildet worden sind. Je mehr Mitarbeiter ausgebildet sind, um so besser gelingt die Begleitung. Das Resultat überzeugt. Zurück zur Sterbebegleitung: Wenn der Bewohner verstorben ist, wird er schön gebettet und hergerichtet. Er bleibt so lange im Zimmer wie die Angehörigen das wünschen. Eine Rose wird an die Zimmertür geheftet. Jeder im Hause erfährt dadurch, dass der Bewohner verstorben ist. Das St. Vincenz-Altenheim stellt für jeden Bewohner ein Fotobuch zusammen, das sein Leben im Altenheim dokumentiert. Nach dessen Tod wird es seinen Angehörigen geschenkt, in diesem Jahr in der Gedenkfeier am 20. Januar 2017. Das Trauergedenkbuch im Eingangsbereich des Hauses, in das Daten und Fotos der verstorbenen Bewohner eingetragen sind, ist für jeden einsehbar und findet mittlerweile großen Zuspruch. Zum Schluss sei noch die gute Zusammenarbeit mit dem Hospizkreis Menden erwähnt, was
Sterbebegleitung und den Trauertreff im Hause betrifft.
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