Rettungsgasse - Teil 1: Leben retten - oder gefährden?

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Mit solchen Aufklebern wirbt Christian Schönberg mit seiner Initiative. ^Grafik: www.Rettungsgasse-JETZT.de
 
Eigentlich leicht zu merken: Die Rettungsgasse wird immer rechts neben der linken Spur gebildet. Grafik: www.Rettungsgasse-JETZT.de
 
Der Dipl. Medien-Designer Christian Schönberg aus Frankfurt beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema "Rettungsgasse". Foto: privat
"Rettungsgasse" ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln - Experten informieren

Mit der Rettungsgasse, die in jüngster Zeit ein "heißes" Diskussionsthema geworden ist, verhält es sich bei vielen Autofahrern ähnlich wie beim Thema "Erste Hilfe": Man hat da zwar noch ein paar schwache Erinnerungen im Kopf, doch Konkretes weiß man nicht. Der Stadtspiegel hat einige Experten-Meinungen eingeholt.


TÜV Menden

"Ferienzeit bedeutet erhöhte Staugefahr. Ein häufiger Verhaltensfehler ist dabei,
dass für Noteinsatzfahrzeuge keine Rettungsgasse freigehalten wird. Das
korrekte Bilden einer Rettungsgasse ist sehr wichtig, unabhängig davon, ob
man im Radio von einem Unfall gehört hat oder nicht. Im Notfall zählt jede
Sekunde“, sagt Peter Hülsbeck, Leiter der TÜV-STATION Menden.
"Gerade im Stau hat man nicht immer den Platz, zu rangieren, wenn sich Rettungsfahrzeuge nähern. Deshalb sind Autofahrer verpflichtet, auf mehrspurigen Straßen eine Gasse zu bilden, sobald der Verkehr ins Stocken gerät. Bei Zuwiderhandlung können Bußgelder in Höhe von 20 Euro verhängt werden.
Bei zweispurigen Straßen liegt die Rettungsgasse zwischen den beiden Spuren, bei dreispurigen zwischen der linken und mittleren. Bei vierspurigen Strecken bewegen nur die Fahrer auf der äußeren linken Spur den Wagen nach links, alle anderen
orientieren sich nach rechts. „Man kann sich merken, dass die Rettungsgasse
somit immer zwischen der linken und allen anderen Fahrbahnen freigehalten
werden muss. Der Standstreifen ist übrigens nicht für die Zufahrt der
Rettungsfahrzeuge vorgesehen, da er nicht immer vorhanden und befestigt ist“,
so Hülsbeck.

Feuerwehr Wickede

"In unserem Haupteinsatzgebiet befindet sich keine BAB, sind nur im zweiten Alarm dabei", erläutert Philipp Pantel von der Feuerwehr Wickede.
"Daher haben wir nicht die massiv negative Erfahrung gemacht, die in letzter Zeit durch die Medien geht.
Wir nehmen aber auch Innerorts eine „Überforderung“ der Verkehrsteilnehmer wahr. Dabei wird Einsatzfahrzeugen kein Platz gemacht bzw. „überhastet“ reagiert und beispielsweise abrupt und stark gebremst. Hierdurch wird – gerade an engen Kurven oder Kreuzungen – die Fahrbahn so blockiert, dass die Einsatzfahrzeuge nicht mehr durchkommen.
Verkehrsteilnehmer sollten mit Bedacht langsamer werden und nicht ruckartig bremsen.
Es muss die gesamte Verkehrssituation im Blick behalten werden. So kann es sinnvoll sein, dass das erste Auto bei einer roten Ampel langsam ein oder zwei Meter nach vorne fährt, um die Bildung einer Rettungsgase zu ermöglichen.
An Einsatzstellen werden Absperrungen ignoriert und Fahrzeuge drängen sich eng an Einsatzkräften vorbei.
Um Verkehrsteilnehmer frühzeitig zu warnen, fahren wir auch nachts mit Blaulicht und Martinshorn. Auch wenn hierzu immer wieder negative Kommentare/Reaktionen von Mitbürgern kommen. Der „Krach“ dient aber dem Schutz aller Verkehrsteilnehmer und der Rettungskräfte während der Anfahrt und soll ein schnelles Vorwärtskommen ermöglichen."

DRK Menden

"Wir haben uns innerhalb des Ortsvereins kurzgeschlossen und sind uns in zwei wichtigen Punkten einig", sagt Miriam Geske vom DRK Ortsverein Menden.
1. Rettungsgasse geht uns alle an und
2. viel zu wenige wissen, wie und wann man eine Rettungsgasse bildet, geschweige denn wenden sie dieses Wissen an.
Das Gesetz sagt "Bei Verkehrssituationen, die zu stockendem Verkehr und Rückstau führen, haben die Verkehrsteilnehmer sofort so zur Seite zu fahren, dass rechts von der linken Spur die Rettungsgasse entsteht."
Immer öfter werden unsere Helfer, egal ob dienstlich oder privat unterwegs, Zeuge von nicht nachvollziehbarem Verhalten.
"Neulich habe ich wieder erlebt wie mehrere Autofahrer die gebildete Rettungsgasse zum Überholen nutzten", berichtet Dirk Fischer, stellvertretender Rotkreuzleiter.
Mark Kundt fällt auf, dass die mittlerweile weit verbreiteten Rettungsgassen-Aufkleber noch lange nicht die gewünschte Wirkung zeigen und die Rettungsgasse oftmals vergeblich gesucht wird.
Rettungsgasse geht uns alle an denn sie verschafft den Einsatzkräften wichtige Sekunden und Minuten die im wahrsten Sinne des Wortes über Leben und Tod entscheiden können!"

THW Balve

"Rettungsgasse – na klar, die kann und wird Leben retten", so der THW-Ortsbeauftragte von Balve, Holger Mayweg, der selbst Rettungsassistent ist.
"Grundsätzlich schreibt die StVO vor, dass immer, wenn der Verkehr stockt, eine freie Bahn für Rettungsfahrzeuge geschafft werden muss. Die Rettungsgasse entsteht zwischen der linken Fahrspur und den anderen. Wichtig ist, dass die Rettungsgasse bereits bei der Annäherung im Rückstau – und zwar egal ob Berufsverkehr, wegen einer Baustellen oder einem Unfall – gebildet wird und nicht erst bei Annäherung der Einsatzfahrzeuge, da sonst unnötige Zeit verloren geht. Nach einem Unfall zählt jede Minute! Jede Minute, die die Überlebenschance von Betroffenen und Verletzten erhöht. Und jeder von uns kann Beteiligter eines Unfalls werden.
Bitte trage mit dazu bei, schnelle Hilfe zu ermöglichen: Bilde eine Rettungsgasse!"

Feuerwehr Menden

Stefan Deitel, Feuerwehr Menden: "Die Rettungsgasse ist ein wichtiges Thema, das uns als Feuerwehr Menden allerdings weniger betrifft, da wir hier keine Bundesautobahn haben. Prinzipiell appellieren wir aber an die Umsicht der Autofahrer, wenn sie Martinshörner hören oder Blaulicht sehen, auch in den Städten vorsichtig zu fahren - vor allem auch im Ampelbereich - und den Rettungskräften gegebenenfalls Platz zu machen."

DRK Fröndenberg

"Die Rettungsgasse ist ein überlebenswichtiges Instrument in der Notfallrettung und -versorgung", betont Ralf Quietzsch vom Deutschen Roten Kreuz Ortsverein Fröndenberg.
"Leider wissen immer noch zu wenige Personen, wie sie sich bei ankommenden Rettungsfahrzeugen zu verhalten haben. Manche scheinen auch in dem Fall teilweise überfordert zu sein, so dass es auch zu gefährlichen Situationen führen kann."

Privatinitiative

Ein Privatmann, der sich seit Jahren aktiv mit dem Thema "Rettungsgasse" beschäftigt und dazu auch Hinweis-Aufkleber herstellt, ist der Dipl. Medien-Designer Christian Schönberg aus Frankfurt. Für Stadtspiegel und Lokalkompass.de hat er seine Erfahrungen und Motivationen zusammengefasst.
Den Bericht finden Sie hier. .
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