Sterbefasten ist Thema beim Hospizkreis

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Rudolf Düppe, Ilona Düppe und Uta Lahme (von li nach re)
Als das Leben im Alter von 88 Jahren immer beschwerlicher wurde, sie nichts mehr tragen, kaum noch laufen, nur kurz stehen konnte, sich nicht mehr bücken, im Bett nur noch auf dem Rücken liegen konnte, Angst hatte zu stürzen, die Konzentration schwach wurde, häufiger Schwindel auftrat, kaputte Knie zu schaffen machten, häufige Magenschmerzen, Unverträglichkeiten von Essen und oft Übelkeit auftraten, die Blase häufige Toilettengänge forderte, hatte das einschneidende Auswirkungen auf ihr tägliches Leben. Spaziergänge, einkaufen, putzen, waschen waren nicht mehr möglich. Spaß am Kochen ging verloren, da der Magen nichts mehr akzeptierte. Längere Fahrten, z.B. ins Theater waren unmöglich geworden wegen fehlender Möglichkeiten von Toilettengängen, keine Urlaubsreisen mehr. Zusätzlich zu den körperlichen Schmerzen führte dieser Zustand in die Unselbstständigkeit, da sie immer mehr auf die Hilfe und das Wohlwollen der anderen angewiesen war.
Christiane zur Nieden beschreibt so in ihrem Buch „Sterbefasten“ den Zustand ihrer Mutter, die sich in dieser Situation für das Fasten, den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit, entscheidet.
Im Gegensatz zur aktiven Sterbehilfe, bei der dem Patienten ein tödliches Mittel von einem Außenstehenden aktiv zugeführt wird, und zur passiven Sterbehilfe, die den natürlichen Sterbeprozess geschehen lässt weil der Patient in der unmittelbaren Sterbephase medizinische Maßnahmen ablehnt oder Nahrung und Flüssigkeit verweigert, beruht das Sterbefasten auf einer bewussten Entscheidung des altersschwachen Menschen, in diesem Fall die Mutter der Autorin, die zwar von Gebrechen geplagt aber noch nicht in der unmittelbaren Sterbephase ist.
Diese Art aus dem Leben zu gehen ist noch wenig bekannt und auch nicht unumstritten. In der Familie von Christiane zur Nieden finden wir ideale Bedingungen für die Begleitung und Betreuung der alten Dame in der Zeit ihres Sterbefastens vor. Die Tochter hat Erfahrung in der Pflege und Sterbebegleitung, der Schwiegersohn ist Palliativmediziner.
Nachdem die Familie es nicht geschafft hat sie von ihrem Entschluss zu fasten abzubringen indem sie ihr jede Unterstützung anbot, die Mutter ihren Willen jedoch immer wieder klar geäußert hat, haben die Angehörigen sich auf diese Situation liebevoll eingelassen. Nach 13 Tagen ist die Mutter dann gestorben.
Ilona Düppe und Uta Lahme, beide ehrenamtlich aktiv im Hospizkreis Menden, stellten das „Sterbefasten“ beim Montagstreff durch Vortrag und Lesung im Wechsel vor.
Das brisante Thema forderte die sehr gut besuchte Veranstaltung zu reger Diskussion heraus. Die Meinungen waren unterschiedlich: Bewusst nicht mehr essen und trinken gleicht einem Suizid. Pflegepersonal im Altenheim kann strafrechtlich belangt werden, wenn es diesen Wunsch fördert. Enge Angehörige bleiben straffrei. Eine andere Situation ist die Sterbephase. Dort ist nicht mehr essen und trinken zu wollen ein natürlicher Verlauf, da die Organe nach und nach ihre Tätigkeit einstellen.
Rudolf Düppe, Diakon in Menden, beleuchtete die moralischen Aspekte aus theologischer Sicht: Leben ist von Gott geschenkt. Es darf deshalb nicht vom Menschen beendet werden sondern Gott bestimmt wann es zu Ende ist.
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