Dem Leid seinen Stachel ziehen

Wilderich von Boeselager, Marie-Inez von Boeselager, Stefanie Brandt
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Hospizkreis Menden gestaltete Montagstreff

Beim Montagstreff im Januar hat sich der Hospizkreis Menden mit einem Thema beschäftigt, das die meisten Menschen, denen es gut geht, ignorieren möchten: Umgang mit dem Leid.
Wilderich von Boeselager hat den Abend vorbereitet. Als Grundlage diente das Buch: Dem Leid seinen Stachel ziehen – Wenn existenzielle Prüfungen zur Lebenschance werden. Herausgeber sind zwei Journalisten, die Holländerin Joelle Verreet und der Deutsche Adam Georg von Schall-Riaucour. Es handelt sich um einen Sammelband, in dem mehrere vom Leid in unterschiedlicher Form betroffene Menschen für sich das Fazit ziehen, dass der Umgang mit ihrem schweren Schicksal eine positive Wende zum Ergebnis hatte.
Schwerpunkt des Abends war das letzte Kapitel dieses Buches, das von Marie-Inez

von Boeselager und Stefanie Brandt vorgetragen wurde. In diesem Kapitel mit der Überschrift ´Der Sprung in das Letzte` erfragt Joelle Verreet die Gedanken von Adam Georg Graf von Schall-Riaucour. Er wurde nur 38 Jahre alt. Mit einer seltenen Hautkrankheit geboren musste er sich schon früh mit seinem auffallenden Erscheinungsbild arrangieren. In seinem Todesjahr 2013 wurde bei ihm zusätzlich ein Karzinom am Rücken festgestellt, woran er im Dezember verstarb. Mit einem Diplomabschluss in Theologie arbeitete er als freiberuflicher Redakteur unter anderem für das Domradio in Köln.
Verschiedene Aussagen des befragten Adam Georg von Schall-Riaucour brachten die Montagstreffrunde ins Nachdenken und regten sie zum Gespräch an. Er sagt: „Meine Lebensform, die Erkrankung und ihre unmittelbaren Folgen stellen für mich kein Leid dar sondern eine Form des Lebens.“ Im Ergebnis kann das heißen: Leid bedeutet nicht unbedingt leiden. Schall-Riaucour sieht einen Sinn in seiner Krankheit anderen zu zeigen, dass man nicht angstbesetzt Krankheiten befürchten muss sondern gelassen auf sie zugehen kann. Aus seiner Einstellung wird eine frühe Reife erkennbar, die das Ergebnis der tiefen Lebenserfahrung durch seine Krankheit sein kann. Seine detaillierten Äußerungen lassen auf einen „Kopfmenschen“ schließen, der auch seine Gefühle rational betrachtet.
Er greift einen Gedanken von Blaise Pascal auf: Das Leben des Menschen ist vergleichbar mit einem Seil, beide Enden sind für den Menschen jedoch unsichtbar aufgehängt. Die Angst herunter zu fallen veranlasst den Menschen über das Seil zu kriechen. Er kann aber auch aufrecht erhobenen Hauptes darüber gehen in der Gewissheit, dass das Licht von oben kommt. In diesem Vertrauen kann er dem was auf ihn zukommt gelassen entgegen gehen. Auf Skepsis stieß seine Aussage, eine Veränderung seines Zustands könne er sich nicht vorstellen, da das auch eine Wesensänderung zur Folge hätte. Er kenne keinen anderen Körper und habe sich damit arrangiert. Eine Teilnehmerin des Abends machte diesen Gedanken etwas verständlicher damit, dass es Menschen gibt, die von Geburt an blind sind und sich in ihrem Zustand wohl fühlen. Sehen können würde ihnen Schwierigkeiten bereiten. Sie kommen zurecht, da andere Sinnesorgane entsprechend stärker ausgebildet sind. Außerdem würde ihre eigene Vorstellung von den Dingen durch das Sehenkönnen zerstört werden.
Das Thema des Buches, ´Dem Leid seinen Stachel ziehen` lässt sich auch gut auf die Tätigkeit der Ehrenamtlichen des Hospizkreises übertragen, wie Wilderich von Boeselager ausführte. Man darf sich auch freuen beim Ausführen des ehrenamtlichen Dienstes. Und man bekommt viel geschenkt wie Dankbarkeit, Vertrauen, ein Lächeln des Kranken u.v.m. Dem Leid seinen Stachel ziehen bedeutet auch gelassen sterben zu können.
So kann das Thema dieses Abends ´Umgang mit dem Leid` ein guter Auftakt im Jubiläumsjahr 2016 sein und das Anliegen des Hospizkreises, den Tod ins Leben holen, bekräftigen, wie Wilderich von Boeselager zum Schluss verdeutlichte.

Autor:

Anni Grüne aus Menden (Sauerland)

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