"Der Krieg ist aus, es herrscht Frieden!"

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Marissa Möller zieht das Publikum als Richard III auf ihre Seite. (Foto: Jakob Studnar)

„Freie Radikale“ heißt das Thema der aktuellen Spielzeit des Schlosstheaters. In der aktuellen Premiere wird das „Psychogramm eines Machtmenschen“, so Regisseur Ulrich Greb, dem Publikum auf fast schon groteske Art näher gebracht.

Es ist Georg Mellerts erstes Stück. Er ist der neue Dramaturg am Schlosstheater Moers. Mit dem Stück, so sagt er, wurde er geködert. Mit einem Stück, das die Abgründe eines Menschen aufzeigt. Mit einem Stück, in dem der Bösewicht das Publikum zum Komplizentum anstachelt.

Die Personenkonstellation hätte nicht außergewöhnlicher sein können. Die Rolle des Richards wird von Marissa Möller verkörpert. Die Frau, die bei ihren Chanson-Abenden die Zuschauer becirct. Genau diese Frau geht durchs Publikum und wiederholt ständig, dass sie böse ist. Sie schreit es heraus und gleichzeitig lächelt sie das Publikum kokett an. Kann denn so jemand wirklich böse sein?

Das Spiel nimmt seinen Lauf und Möller versucht, immer wieder ihre Taten zu rechtfertigen: „Ich half ihm in den Himmel,“ so erklärt Richard den Mord an Henry VI sowie seines Sohnes Edwards.

Das Streben nach Macht


Greb bringt die Hauptthematik des Stücks auf den Punkt: „Wir sehen, was das Streben an die Macht aus Richard macht.“
Und genau das veranschaulicht Möller auf authentische Weise. In dem einen Moment sagt sie voller Selbstbewusstsein und Überzeugung „Ich bin böse“, im nächsten wirkt sie beinahe erschrocken durch den Klang ihrer Worte. Möller zeigt einen Menschen, der am Randes des Abgrunds steht und der seine Mitmenschen als Marionetten agieren lässt. Stetig steht die Frage im Raum, wann das perfide Machtspiel, um das sich Richards Leben rankt, auffällt.

Greb bezeichnet die Drehbühne, auf der das Stück gespielt wird, als klinische Oberfläche. Eine Industriewaschmaschine steht an einem Ende. Dort werden die Leichen herein getan. Das wässrige Blut läuft über die Drehbühne hinab in den Abgrund. Sehr bezeichnend für die Persönlichkeit Richards.
In den weiteren Rollen spielen Patrick Dollas, Matthias Heße, Holger Stolz und Frank Wickermann nicht nur Männer- sondern auch Frauenrollen. Heße spielt Königin Elisabeth, die jedoch eher als Witzfigur dargestellt wird. Beinahe schon grotesk wirkt Heße, der breitbeinig im Frauenkostüm mit großer Perücke über die Drehbühne läuft.

Das Zusammenspiel des Ensembles bietet durch die spezielle Umdrehung der Geschlechterrollen eine ganz eigene Komik. So verwundert es auch nicht, dass aus dem Publikum des Öfteren Gelächter kommt.
Während Richard sich immer mehr in seinem Machtspiel verliert, immer mehr blutgetränktes Wasser die Bühne hinab fließt, fragt der Zuschauer sich, wie dieser Mann zu dem werden konnte, der er ist.

Es wird deutlich, dass Richard im Endeffekt für eine x-beliebige Person, die nach der Macht strebt, stehen kann. Eine Person, die es sowohl damals als auch heute geben kann. Ein Stück, dessen Intention nie aktueller hätte sein können.

Nächste Termine sind am Samstag, 20. Februar, 19.30 Uhr und Sonntag, 21. Februar um 18 Uhr im Schloss, Kastell 9. Karten gibt es unter der Tickethotline: 02841/8834110.
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