Geklaut oder nur selber Stil? Diskussion um deutschen Beitrag für Eurovision Song Contest

Official-Video zu "Glorious". Foto: Facebook
 
Natalie Horler in ihrem Bühnen-Outfit für die Vorentscheidung zum ESC. Foto: Facebook
 
Natalie Horler beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013. Foto: Screenshot ARD

Breitet sich das Plagiat-Virus weiter aus? Die Dance-Band Cascada gewann mit dem Lied „Glorious“ den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 und wird Deutschland am 18. Mai in Malmö vertreten. Neben heftiger Kritik muss sich das Trio des Plagiatsvorwurfes wehren. Das Lied ähnele dem Vorjahres-Siegertitel „Euphoria“ der Schwedin Loreen.

Groß war die Freude am vergangenen Donnerstag während einer Fernsehsendung der ARD in Hannover bei der sympathischen, blonden Frontfrau Natalie Horler und ihrer Band, die als Sieger des Vorentscheids zum Eurovision Song Contest (ESC) 2013 hervorging. Sie konnte sich gegen die bayerischen Ska-Bläser „LaBrassBanda“ durchsetzen.

Leier um Plagiatsvorwürfe nicht neu bei ESC


Nicht lange danach hagelte es nationweit Kritik und Häme, in Internet-Foren wurde heftig gemeckert: Über den Entscheid (und die Tatsache, dass die Stimme der Jury gleichwertig gewertet wurde mit den fast eine Million Anrufern, die ihre Stimme abgegeben hatte). „Unsere Straßenbaum-Disco für Malmö“ twitterte ein User, von "Euro-Trash zum Mitstampfen und Mitklatschen" war die Rede. Und gar eine Blamage der Nation in Schweden fürchten nicht Wenige. Und nun der Plagiats-Vorwurf.

Davon ab: "Versuche, den ESC zu skandalisieren und Plagiatsvorwürfe" gehörten mittlerweile wohl "zur Folkore", so der NDR, Partner des ESC. So sei 2012 dem Siegertitel von Loreen fälschlicherweise vorgeworfen worden, bei drei Titeln "geklaut" zu sein, "unter anderem bei Rihanna und David Guetta".

In den kommenden Tagen ist mit dem Ergebnis eines musikwissenschaftlichen Gutachtens zu rechnen, dass der NDR in Auftrag gegeben hatte. Ein Vorab-Urteil eines Musikwissenschaftlers, der der Ansicht ist, 90 Prozent aller Poplieder würden übereinstimmen ("Der Fall Cascada" bei WDR5) hier. Sollte sich der Verdacht gegen Cascada erhärten, würden die Zweitplatzierten mit ihrem Beitrag "Nackert" nachrücken.

Die schwedischen Produzenten äußerten sich nun zu der Angelegenheit und gaben - zumindest von deren Seite - Entwarnung.

Dennoch: Die Leier um Plagiatsvorwürfe in der Geschichte des Eurovision Song Contest ist nicht neu.

Dem Erfolg des Liedes scheint das Gemeckere nicht sonderlich viel anzuhaben: Cascada konnten im Netzt bereits in die Top 3 der meisten deutschen Download-Charts klettern. Mit mehr als 30 Millionen verkauften Cds und über 1,8 Millionen Fans bei Facebook gehört das Disco-Projekt zu den weltweit erfolgreichsten Dance-Pop-Bands. Das Trio existiert bereits seit zehn Jahren. Natalie Horler, DJ Manian und Yanou trafen in Bonn aufeinander und beschlossen, zusammen Musik zu machen. Zunächst nannten sich die drei "Cascade", mussten sich aber aus urheberrechtlichen Gründen in "Cascada" - zu deutsch Wasserfall - umbenennen. 2004 folgt die erste Single - "Miracle" - und weitere Songs wie "How Do You Do", "Everytime We Touch" und "Ready For Love". Der Durchbruch gelang der Band allerdings erst zwei Jahre später.

Besser als Michael Jackson


Mit der Coverversion "Everytime We Touch" von Meggie Reilly stiegen Cascada am 21. Februar 2006 in die Top Ten der US-amerikanischen Charts ein. 31 Wochen hielten sich in den Top 100 und wurden mit Doppel-Platin belohnt. In England und Irland ging es ebenfalls auf Platz zwei und eins der Charts, in Schweden gehört der Song zu den erfolgreichsten Liedern der schwedischen Chartgeschichte. Dieser internationale Erfolg brachte Cascada 2007 den World Music Award in der Kategorie "Best Selling German Artist" ein. Nach den Alben "Everytime We Touch" und "Perfect Day" landeten Cascada mit ihrem dritten Album, "Evacuate The Dancefloor", mit Platz 21 ihren erfolgreichsten Chartplatz in Deutschland.


Die gleichnamige Single steigt in Großbritannien auf Anhieb auf Platz eins ein und verdrängte gar den kurz zuvor verstorbenen Michael Jackson in der Chart-Platzierung. Aber auch im übrigen Europa, Neuseeland, Kanada, Australien und in den Vereinigten Staaten erreichten Cascada Spitzen-Platzierungen. Innerhalb von sechs Monaten wurde der Titel mehr als 500.000 Mal verkauft. Im Sommer 2009 traten die drei schließlich bei Britney Spears' einzigem Deutschland-Konzert in Berlin als Vorgruppe vor 14.000 Fans auf.

Wer sind Cascada?


Folgende Musiker gehören zu Cascada: DJ Manian alias Manuel Reuter - ist nicht nur DJ, sondern auch Musikproduzent. Gemeinsam mit seinem Band-Partner Yanou (alias Yann Peifer) gründet er 2005 das Label "Zooland Records". Im Februar ist DJ Manians zweites Album erschienen. Yanou landet bereits 2001 mit der Coverversion des Bryan-Adams-Hits "Heaven" seinen ersten Nummer-eins-Hit in Großbritannien und erreicht damit in den USA und Deutschland die Top 10.

Natalie Horler bei DSDS


2012 rückte vor allem die 31-jährige Frontfrau Natalie Horler in den Mittelpunkt des Interesses. Neben Dieter Bohlen und Bruce Darnell ist sie das dritte Jury-Mitglied für die neunte Staffel der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar". Ihr Vater, David Horler, ist ein sehr erfolgreicher Jazz-Musiker. Natalie trat 2004 in der Casting-Show "Star Search" auf und wurde abgelehnt. Zusammen mit DJ Manian und Yanou tourt sie nun stattdessen zu Auftritten rund um den Erdball.

Was denkt ihr? Findet ihr das gerechtfertigt, dass der Song Deutschland beim Eurvision Song Contest vertritt oder ist der Plagiatsvorwurf berechtigt und wird sich Deutschland in Malmö blamieren?

Weiterführende Infos hier.











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11 Kommentare
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Britta Kruse aus Schwelm | 18.02.2013 | 10:58  
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Susanne Lemken aus Alpen | 18.02.2013 | 11:03  
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Susanne Schmengler aus Neukirchen-Vluyn | 18.02.2013 | 13:02  
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Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 24.02.2013 | 19:33  
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