"Mein Kopf ist ein leerer Tanzsaal"

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„Weil kein Mensch mehr auf der Erde war – nur noch Marionetten“, heißt es im Verlauf des Stückes. (Foto: Jaokb Studnar)
Die letzte Premiere der laufenden Spielzeit zeigt ein Stück, dass aktueller nicht sein könnte: Dem Versuch der Langeweile zu entrinnen.

Björn Gabriel, Regisseur und Schauspieler, inszeniert das Lustspiel „Leonce und Lena“ von Georg Büchner für das Schlosstheater Moers: „Manchmal entstehen die Entscheidungen, welche Stücke wir spielen schon lange im Vorfeld. Die Entscheidung für „Leonce und Lena“ fiel, weil Gabriel das Stück gerne spielen wollte“, so Annika Stadler, Dramaturgin beim Schlosstheater. Ein Stück, dessen Aktualität mehr vorhanden ist, als der Zuschauer anfangs meinen könnte. Auch Gabriel bestätigt dies: „Wir haben die Geschichte ins heute gebracht. Was macht es mit Menschen in einer ständigen Überwachungskultur zu leben? Und wie befriedigt man die ständige Gier nach (Er)Leben?“

„Manchmal muss man Opfer bringen“. Mit diesen Worten steigt Elder Statesman, der von Frank Wickermann verkörpert wird, in das Lustspiel ein. Opfer, die gebracht werden müssen, um der Langeweile zu entkommen. So versuchen auch Leonce, gespielt von Matthias Heße, und Lena, gespielt von Marissa Möller, der Langeweile zu entkommen. Und vor allem der vereinbarten Hochzeit. Die Flucht nach Italien wird mittels Videoinstallationen dargestellt. Gabriel hat sein eigenen Videoteam mitgebracht. Anna Marienfeld, Björn Nienhuys und Tillmann Osterreich ermöglichen den Zuschauer mittels der Videoinstallationen einen komplett neuen Einblick nicht nur in die Reise nach Italien sondern auch in das Innenleben der Figuren.

Überwachung ist großes Thema


Die ständige Überwachungskultur ist ein roter Faden, der sich durch das gesamte Stück zieht: „Weil kein Mensch mehr auf der Erde war, nur noch Marionetten“, heißt es im Verlauf des Stückes. So scheint es, dass sowohl Leonce und Lena, als auch Valerio und Valeria nur Marionetten sind und die Fäden von einer höheren Macht, dem Über-Ich, gesprochen von Anna Marienfeld, gezogen werden. Einzig Wickermann beugt sich dem Diktat nicht und versucht diesem zu entkommen. Während das Spiel an Fahrt gewinnt, nähert sich auch schon das Ende. Anderthalb Stunden werden die Zuschauer, durch das gelungenen Ensemble, in den Bann des Lustspiels gezogen und es entsteht so zu keiner Zeit, die Möglichkeit Langeweile aufkommen zu lassen.

Am Ende ist es der Wunsch nach etwas mehr Leben, der die Protagonisten antreibt und am Ende fast bis zur Rage treibt. Ein Stück, das den Zuschauer nachdenklich mit der Frage nach Hause schickt „Wo ist es das echte Leben?“
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