Trauermärsche in Duisburg – Und endlich einer, der zu den Menschen spricht

Am Sonntag zogen rund 500 Menschen bei einem Spendentrauermarsch von der MSV-Arena zum Unglückstunnel. Foto: Frank Preuß
Nach der offiziellen Trauerfeier für die Opfer der Loveparade am Samstagvormittag in der Duisburger Salvatorkirche, an der Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Außenminister Guido Westerwelle, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und weitere hochrangige Politiker teilnahmen, haben die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Duisburg in zwei Trauermärschen nochmals auf ihre Weise ihrer Anteilnahme Ausdruck verliehen. Am Samstagnachmittag zogen rund 2500 Menschen vom Duisburger Hauptbahnhof bis zum Böninger Park in der Nähe des Unglückstunnels, ließen dort für die über 500 Verletzten und 21 Todesopfer 500 weiße und 21 schwarze Luftballons steigen.
Am Sonntagvormittag kamen auf Initiative des Lions Club Duisburg, des Stadtsportbundes Duisburg und der bürgerschaftlichen Vereinigung proDUISBURG e.V., gegründet 1910 als Verkehrsverein, rund 500 Menschen auf dem Vorplatz der MSV-Arena zu einem Spendentrauermarsch zusammen, um Geld für eine Gedenktafel zu sammeln. Diese soll im Bereich der Unglücksstelle dauerhaft an die Opfer der Loveparade 2010 erinnern.
Bevor sich der Trauermarsch schweigend in Richtung Tunnel in Bewegung setzte, ergriff Alt-Oberbürgermeister Josef Krings (83), Ehrenbürger der Stadt Duisburg, das Wort. Seine Trauerrede beeindruckte, wurde dankbar angenommen, bleiben doch die Verantwortlichen der Stadt, allen voran OB Adolf Sauerland, seit Tagen stumm. „Ich werde nicht verurteilen und nicht anklagen“, erklärte Krings, „doch ich möchte mit Ihnen nachdenken.“ Nachdenken über die Verstorbenen, die Verletzten, die Traumatisierten, über die Angehörigen.
Nachdenken auch über die Stadt Duisburg. „Hier braucht niemand ein Held zu sein. Hier werden Menschen gebraucht, die auch ihr Fehlverhalten offen bekennen und eingestehen“, sagte Alt-OB Josef Krings unter Beifall. Ob jemand Verantwortung spüre, das sei keine politisch-strategische Abwägung, das sei vielmehr eine Charakterfrage.
„Wir trauern um 21 Menschen. Ihre Namen sollen in Stein geschlagen werden. Wir wollen die Menschen und wir wollen den 24. Juli nicht vergessen“, so Krings. Und: „Wir trauern auch um unsere Stadt. Doch wir geben sie nicht auf.“
Ehe der 83-Jährige zu seiner Trauerrede anhob, hatte Hermann Kewitz, 1. Vorsitzender von proDUISBURG e.V., mit einem kleinen Versprecher Josef Krings als Oberbürgermeister angekündigt, korrigierte die Bezeichnung aber sofort in Alt-Oberbürgermeister. Dabei wäre Duisburg in diesen Tagen nur zu froh, einen Mann wie Krings an der Spitze zu haben.
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Beatrix Gutmann aus Essen-Süd am 01.08.2010 um 15:46 Uhr  
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Neithard Kuhrke aus Wesel am 03.08.2010 um 00:17 Uhr  
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