Eine Reise mit der Zeitmaschine

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Als „Zeitreisende“ bezeichnen sich die Menschen, die am vergangenen Sonntag das Moerser Museum besuchten.

11.30 Uhr an einem gewöhnlichen Sonntagmorgen. Die Kirchenglocken läuten, der Tag beginnt und vor dem Moerser Museum wartet eine Gruppe von Menschen, die aussieht, als würde sie aus einem anderen Jahrhundert stammen. Fußgänger bleiben neugierig stehen und machen Fotos. Doch wer sind diese Personen, die scheinbar mit einer Zeitkapsel direkt ins 21. Jahrhundert gereist sind?

Steampunks nennen sich die Leute, die heute auf Einladung von Ute Loreena von Stern zusammen gekommen sind. Die Moerserin, die ebenfalls der Steampunk-Richtung angehört, hatte der Gruppe von Steampunks, die aus ganz NRW angereist sind, ein Treffen im Moerser Schloss vorgeschlagen: „Wir betreten nun unser Luftschiff und reisen in eine andere Zeit, bis wir am Ende des Tages wieder im Jahr 2016 landen.“

Regina Lorra und Marina Wieden erklären die Faszination, die hinter der Steampunk-Bewegung steckt: „Man kann seine Fantasie ausleben, kreativ sein und in eine andere Zeit reisen“, erklärt Lorra. Auch die weibliche Seite werde besonders betont: „Im Alltag trage ich selten Kleider, hier genieße ich es richtig“, so Wieden. Die ausgefallenen Kostüme werden extra angefertigt: „Wir kaufen oft Einzelteile und bearbeiten diese dann“, erklärt Lorra. Zu ihrem Hobby ist die Rheurdterin Lorra „wie die Mutter zum Kinde gekommen. Ich habe letztes Jahr ein Kostüm für Halloween gesucht und bin dann bei den Steampunks hängen geblieben.“

Ähnliches berichtet auch Clara Wirz, die über ihre Leidenschaft zum Nähen zu diesem Hobby gekommen ist: „Steampunk ist das, was man daraus macht. Im Gegensatz zu anderen Gruppierungen sind wir relativ offen und haben größtenteils keine Szene-Nazis.“ Die Autorin, die ebenfalls Bücher zum Thema Steampunk verfasst und Moderatorin eines Steampunk-Forums ist, erklärt, wie sie mit der Aufmerksamkeit, die sie jedes Mal auf sich zieht, umgeht: „Manchmal ist es schon lustig, wenn Leute uns fragen, welches Theaterstück aufgeführt wird und wir erklären, dass wir das einfach so für uns machen“, so Wirz lachend. „Die Aufmerksamkeit ist kein Problem, dessen sind wir uns ja bewusst. Böse werde ich nur, wenn uns Leute einfach ungefragt fotografieren.“

Nicole Paul, die bereits seit 25 Jahren in der Szene aktiv ist, gefällt vor allem die Verbindung von Geschichte und Zukunftsversion: „Heute komme ich mal aus dem Jahr 1912, beim nächsten Mal kann das auch das 18. Jahrhundert sein“, so die studierte Geschichtswissenschaftlerin. Alfred Franke mag vor allem die Möglichkeit in andere Rollen zu schlüpfen: „Wichtig ist für uns nur der gute Umgang miteinander und der Sprachstil.“ Letzteres fällt sofort auf, wenn man mit den Zeitreisenden redet. Gut geformte Sätze treffen auf beste Manieren. Franke bringt abschließend seine Motivation für die Steampunk-Bewegung mit einem Satz auf den Punkt: „Das bewegt einfach etwas in mir.“

Infokasten:
- Steampunk ist ein Phänomen, das als literarische Strömung erstmals in den 1980ern auftrat und sich zu einem Kunstgenre, einer kulturellen Bewegung, einem Stil und einer Subkultur entwickelt hat.
- Dabei werden einerseits moderne und futuristische technische Funktionen mit Mitteln und Materialien des viktorianischen Zeitalters verknüpft, wodurch ein deutlicher Retro-Look der Technik entsteht.
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