Eingepfercht, verschleppt und hingerichtet: Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

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Künstler Gunter Demnig setzt am Rathaus Moers die Stolpersteine für die Familie Bähr ein. Dazu trägt eine Schülerin des Gymnasiums Adolfinum die traurige Familiengeschichte vor. (Foto: Foto: pst)

Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus´ hat in Moers eine weitere Ausdrucksform: Seit Montag erinnern elf sogenannte Stolpersteine an von den Nazis ermordete Moerser. Künstler Gunter Demnig hat die Gedenktafeln aus Messing selbst in das bestehende Straßenpflaster eingelassen. Schüler der Gymnasien Adolfinum und In den Filder Benden, der St. Marien-Grundschule sowie des Mercator-Berufskollegs haben die Verlegung mit Beiträgen begleitet.


Gedenken an elf Ermordete

Seit 2000 wurden in mehr als 700 deutschen Städten sowie mehreren Ländern Europas Stolpersteine verlegt. Der Rat der Stadt Moers hatte dem Vorhaben im Herbst 2011 zugestimmt. Die „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Moers“ und der Verein „Erinnern für die Zukunft“ haben das Projekt in Moers vorbereitet. Weitere Verlegungen folgen in den nächsten Jahren. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich durch ihr Engagement oder ihre Spenden daran zu beteiligen. Die Kosten für einen Stolperstein betragen zur Zeit einschließlich Verlegung 120 Euro.

In „Judenhäuser“ verschleppt

Direkt vor dem Rathaus Moers liegen Steine für die Familie Dr. Hermann und Helene Bähr. Sie wohnte in der Kirchstraße 48, bevor sie in sogenannte „Judenhäuser“ gebracht und schließlich verschleppt und ermordet wurde. Moritz und Golda Chaim hatten ein Haus in der Kirchstraße 17. Auch sie mussten etwa zwei Wochen vor der Verschleppung ihre Wohnung verlassen. Das Ehepaar Chaim wurde nach Riga deportiert und dort ermordet. An Dr. Julius und Sofie Coppel erinnern Stolpersteine in der Neustraße 33a. Besonders tragisch für den Tierarzt war, dass sein Freund und Berufskollege Dr. Karl Bubenzer den Posten des NSDAP-Kreisleiters erhielt.

Vor der Deportation Selbstmord begangen

Sofie Coppel beging noch vor der Deportation in Moers Selbstmord. Dr. Julius Coppel wurde mit dem ersten großen Transport am 10. Dezember 1941 nach Riga verschleppt und dort ermordet. Schräg gegenüber liegen die Gedenksteine der Familie Leopold und Amalia Moses. Auch sie ereilte ein ähnliches Schicksal. In der Augustastraße 2 liegen die Stolpersteine der Familie Leiß. Ermordet wurden sieben unschuldige Personen, darunter zwei hochschwangere Frauen mit der Begründung der „Sippenhaft“.
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4 Kommentare
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Hildegard van Hueuet aus Xanten | 01.06.2013 | 00:55  
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Siggi Becker aus Langenfeld (Rheinland) | 01.06.2013 | 06:18  
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 01.06.2013 | 23:50  
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Volker H. Glücks aus Neukirchen-Vluyn | 02.06.2013 | 14:50  
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