In Sozialen Medien überlegt handeln: Über Cybermobbing und den Umgang damit - Junge Kolumne

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Jugendliche stehen unter dem Druck, es allen recht machen zu wollen und die eigene Meinung finden zu müssen. Wie sie denken, lesen Sie in unserer Jungen Kolumne von Jasmin und Selin auch im Wochen-Magazin Moers/ Kamp-Lintfort/ Neukirchen-Vluyn. (Foto: Foto: Heike Cervellera)

Jedes Mal, bevor ich ein Bild auf meinem Account hochlade, sei es ein wahlloses Selfie oder ein Bild aus meinem letzten Sommerurlaub, habe ich diese Sekunde, eine Sekunde, in der ich anzweifle, ob das Bild „gut genug“ ist. Ob es allen, die es sehen, gefällt, ob es genug likes bekommt, was Person X von mir denkt oder ob Person Y mal wieder einen nervigen Kommentar hinterlässt. Bei mir ist es nur eine Sekunde, bei jüngeren charakterschwachen Persönlichkeiten sind es 24 Stunden am Tag.


Von Selin Südemer


Manchmal entscheide ich mich gegen das Bild, obwohl ich doch anfangs so begeistert war, warum bin ich dann jetzt der Meinung, das Bild wäre überflüssig? Wobei, wenn man mich fragen würde, welche Kriterien ein Bild „überflüssig“ oder „nötig“ machen, könnte ich nicht im Ansatz beschreiben, welche diese wären. Obwohl ich mich immer so selbstbewusst gebe, und das betrifft nicht nur mich, mache ich mir schon oft Gedanken über Meinungen anderer, auch wenn ich öffentlich genau eben davon rede, dass diese keinen Einfluss auf mich haben.

Das Internet, der wahrscheinlich stärkste Faktor, welcher unsere Generation, oder besser gesagt das 21. Jahrhundert prägt, ist Fluch aber auch Segen, für manche mehr, für andere weniger.

Aber darüber möchte ich gar nicht schreiben, ich möchte heute das „Cybermobbing“ zum Thema machen.

Bevor ich das Thema vertiefe, möchte ich aber eben noch zugeben, dass ich auf sechs verschiedenen Sozialen Medien angemeldet bin, auf denen ich täglich viel, zu viel Zeit, verbringe.

Wir sehen also, dass Facebook, Instagram und Co. wichtige Bestandteile im Alltag Jugendlicher sind, hierbei ist klar, dass Erwachsene diese auch benutzen, aber um endlich auf das Thema zu kommen, geht es heute nur um negative Erfahrungen, die jeder Jugendliche, sei es passiv oder aktiv, erfährt.

Mehr als nur gehänselt zu werden


Cybermobbing an sich hört sich nicht dramatisch an, aber das Wort bedeutet viel mehr als nur im Internet gemobbt oder gehänselt zu werden. Und Folge dieser unbedachten Kommentare oder „Dislikes“ ist die allgemeine Volkskrankheit, die Depression (natürlich ist das der Extremfall), auf welche Jugendliche natürlich viel anfälliger sind, als Erwachsene. Was viele nicht verstehen, ist, dass in dem Prozess des „sich Findens“ wir selber noch nicht wissen, was wir wollen oder gut/schlecht finden, vor allem in der Pubertät, welche alle Eltern als Antwort für unerklärbares Handeln nehmen, machen wir Dinge, die wir vielleicht zwei Tage später schon bereuen. Was ich sagen will, ist, dass wir nicht alle Engel sind oder sein wollen und eben genau das tun, von dem wir nicht wollen, dass es uns selber angetan wird. Warum, ist ein ganz anderes Thema – ob Schutzmechanismus, Napoleon-Komplex oder doch nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit. Und ob man es glauben will oder nicht, über andere lachen ist „cool“ und die Jugendlichen, die sich über andere lustig machen, werden bejubelt, auch wenn das instinktiv jeder Jugendliche jetzt verneinen würde.


"Du bist fett, du solltest abnehmen, dich mag niemand"


Zurück zu den Folgen: Das Hauptproblem ist, dass wir viel zu viel in Dinge interpretieren, ein „hässlich“ (es wird sich nicht Mal die Mühe gegeben, einen vollständigen Satz zu bilden), wird zu einem „du bist fett, du solltest abnehmen, dich mag niemand, du bist unbeliebt“ !!! Natürlich ist man dann traurig und gekränkt und macht sich zu viele Gedanken über diesen unüberlegten Kommentar, und genauso unüberlegt ist das Handeln des Gemobbten. Ja, wir sind naiv, wir machen „dumme“ Sachen, das macht die Jugend aus! Es muss nicht unbedingt der Extremfall eintreten, ich zum Beispiel wurde noch nie direkt gemobbt, aber als ich jünger war, habe ich negativ bewertete Bilder gelöscht und mich gar nicht erst getraut, welche hoch zu stellen. Heute interessiert mich das recht wenig, ich komme gut mit konstruktiver Kritik klar, aber das Ziel ist es, so eine erst mal zu bekommen. Außerdem ist Fakt, dass wir uns unseren Frust nicht anmerken lassen, das ist nämlich gerade nicht „cool“, vielleicht in zwei Jahren, aber momentan versteckt man seine Gefühle und tut so, als wäre man unantastbar. Dass irgend jemand etwas Negatives über einen sagt, ist Standard, aber trotzdem wird man sich nie daran gewöhnen können, es wird immer unsere Handlungen beeinflussen.

Kränkung von Jugendlichen einfach akzeptieren


Und wenn Emma dann gekränkt auf ihrem Bett sitzt und sich den Kopf darüber zerbricht, was sie tun soll, weil Tom unter ihr Bild geschrieben hat, sie trägt zu viel Make Up, aber Max meinte, sie solle welches tragen, damit sehe sie nämlich besser aus, dann muss man das nicht verstehen, sondern einfach akzeptieren, noch legen wir nämlich sehr viel Wert auf die Meinung von Menschen, die wir schon bald vielleicht nicht mehr mögen werden.

Lesen Sie die Kolumne aus der Vorwoche: Das Internet vergisst nichts
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