Mwanza (Tansania): Victoriasee | In 3 Kunstraddisziplinen und -formationen startete sie für den "Grafschafter Rad- und Motorsportverein Moers e.V. (GRMSV), erreichte jahrelang zahlreiche ansehnliche Platzierungen in ihrer Altersklasse, wurde mit ihrem Radsportakrobatinnenteam zwei Mal hintereinander zur Mannschaft des Jahres in Moers gewählt, 2010 die Nominierung in den Nationalkader war der sportliche Höhepunkt: Laura Elisabeth Haffmann, 19-jährige Abiturientin aus Moers-Repelen. Vor ein paar Wochen baute Laura ihr Abi mit 1,9 am Gymnasium Rheinkamp, ihr Studienwunsch ist Sonderpädagogik in Dortmund, sie könnte vor dem doppelten Abiturjahrgang ins Studium rutschen und jeglicher Ungewissheit aus dem Wege gehen ...
Doch Laura wählt einen anderen Weg, am 26. August geht ihr Flieger nach Tansania, ein Jahr wird sie das bekannte Leben in einer Reihenhaussiedlung im beschaulichen Repelen verlassen und eine soziale Aufgabe im 6500 km entfernten Mwanza am Victoriasee übernehmen. Mwanza zählt mit 230.000 Einwohnern mehr als doppelt so viele wie Moers (106.000 EW), der Victoriasee lässt mit seinen 70.000 qkm Fläche den heimatlichen Waldsee wie eine Pfütze erscheinen. Neben den unendlichen Dimensionen und Weiten Tansanias wird Laura aber vor allem eine andere Kultur, Sozialstruktur und Sprache, das Kisuaheli, kennenlernen und soziale Verantwortung in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr übernehmen.
Einen längeren Auslandsaufenthalt hatte sich Laura schon lange gewünscht, denn sie "will sozusagen einen oder auch mehrere Blicke über meinen eigenen Tellerrand werfen." Dieser neue Tellerrand, den sich Laura für das nächste Jahr ausgesucht hat, wird mit einer großen Aufgabe gefüllt sein: Sie wird mit Max, einem weiteren Freiwilligendienstler, 15 Kinder und Jugendliche mit vorwiegend geistigen und psychischen Behinderungen im Tagesstättenprojekt HOMERC (Hope for Orphans and Mentally Retarded Children) betreuen, pflegen, unterstützten und unterrichten. Die Gründerin Mama Ihuya, deren behindertes Kind verstorben ist, übernimmt die Essensversorgung, ein Hilfslehrer verstärkt dann das Team, wenn sein Lohn wieder durch Spenden finanziert werden kann. Der Stellenwert von Menschen mit Behinderung ist in der tansanischen Gesellschaft gering, Diskriminierung ist noch weit verbreitet.
Die Repelenerin erhofft sich von ihrem Freiwilligendienst im Programm „weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Geben und Nehmen: "Einerseits möchte ich natürlich Wissen weitergeben, andererseits möchte ich selbst möglichst viel Neues lernen und erfahren." „weltwärts“ stellt den interkulturellen Austausch in den Vordergrund und sieht sich auch nicht als Entwicklungshilfe, sondern als Lerndienst für die Freiwilligen, deren Flüge, Unterkunft, Essen und ein Taschengeld von monatlich 100 € gezahlt wird. Laura informierte sich im Vorfeld über die Projekte und die jeweiligen Länder: "Tansania ist dabei schon sehr früh in den Mittelpunkt gerückt, je mehr ich gelesen habe, desto mehr hat mich das Land in seinen Bann gezogen." In nicht mehr ganz 2 Monaten wird Laura tansanischen Boden betreten: "So oder so freue ich mich riesig auf die Arbeit dort, weil ich nach dem Freiwilligenjahr Sonderpädagogik studieren möchte und ich bei HOMERC mit Sicherheit wertvolle Erfahrungen sammeln werde!"
Lauras Eltern unterstützen das Vorhaben ihrer ältesten Tochter, die ihren 20. Geburtstag im September in Tansania feiern wird. Auch ihr Freund, mit dem sie erst einen Monat zusammen ist, will ihr trotz der erwarteten schweren Trennung nicht hereinreden, denn Lauras Entschluß für das Freiwillige Soziale Jahr reifte über 3 Jahre. "Langsam wird's Ernst," bemerkt Laura inzwischen öfter mit einem mulmigen Gefühl. "Bisher habe ich mich tierisch gefreut, aber je näher der Abflug rückt, merke ich, 'Das' und 'Das' machst Du bald nicht mehr," benennt Laura für das Schwinden ihrer Euphorie. Für sie heißt es nun Abschied nehmen von Familie, Freunden und Sportgefährten: "Kwaheri Laura. Safiri salama. Na wewe ubaki salama" - "Auf Wiedersehen, Laura. Gute Reise. Bleib' gesund!"
Laura Elisabeth Haffmann wird alle aktuellen Erfahrungen ihres Sozialen Jahres in Mwanza/Tansania auf ihrer Homepage http://laura-in-tansania.jimdo.com/ einstellen.
Hut ab, vor der jungen Dame und alles Gute für ihren Aufenthalt in Tansania. Und den Eltern wünsche ich, dass sie dieses Jahr ohne allzu große Sorgen überstehen. Kinder loslassen ist schwer, sie so weit fort zu wissen bestimmt noch viel schwerer!
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