"Das fand ich entwürdigend"

Hartmut Hohmann vor der sanierten Mobilen Behindertentoilette. „Der Wagen kann für Veranstaltungen gebucht werden“, so der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes für den Kreis Wesel. | Foto: Foto: privat
  • Hartmut Hohmann vor der sanierten Mobilen Behindertentoilette. „Der Wagen kann für Veranstaltungen gebucht werden“, so der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes für den Kreis Wesel.
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Mobile Behindertentoiletten sind in Deutschland immer noch selten. Aus diesem Grund kommt der barrierefreie Toilettenwagen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes viel herum.
Geschäftsführer Hartmut Hohmann zu den Anfängen des Baus des Prototyps vor mehr als zwölf Jahren: „Es gibt Rollstuhlfahrer, die Windeln brauchen. Bei einem Jazz-Festival in den 90er-Jahren habe ich erlebt, wie sich ein behinderter Mensch dazu auf den Boden einer Dixi-Toilette legen musste. Das fand ich entwürdigend.“
Gemeinsam mit einem Fahrzeugbauer aus Hamm, Mitarbeitern des Betriebshofes der Stadt Moers und mit Behinderten sowie dank der finanziellen Unterstützung von Sponsoren hat der Paritätische Wohlfahrtsverband dann die neue mobile Behindertentoilette entwickelt.
Hohmann: „Für die Innenausstattung war zunächst wichtig, dass er ausreichend Platz und eine klappbare Liege beinhalten musste. Außerdem haben wir von Beginn der Planungen an darauf Wert gelegt, dass der Wagen einfach einzusetzen ist. Denn niemand hat etwas von dem Angebot, wenn er viel Mühe oder Kosten aufwenden muss, um die Behindertentoilette an die Kanalisation anzuschließen. Wir haben ihn dann so gebaut, dass er ohne großen Aufwand an jeden Abwasserkanal angeschlossen werden kann. Das hat sich schon sehr bewährt.“
Zuletzt war der Wagen in Dresden auf dem Kirchentag. Er ist in jedem Jahr bei den deutschen Tennismeisterschaften für Rollstuhlfahrer dabei. Fest gebucht ist er immer schon für das Moers-Festival, Comedy Arts Festival und den Moerser Weihnachtsmarkt.
Wie kommt es, dass es in Deutschland immer noch so wenige mobile Behindertentoiletten gibt? „Das frage ich mich auch. Als wir den Prototyp gebaut haben, haben wir gehofft, dass es mehr werden. Aktuell weiß ich von etwa 20 Nachbauten unseres Modells. Es fehlt vielerorts ganz offensichtlich an der Lobby behinderter Menschen. Am Bedarf liegt es jedenfalls nicht, denn sonst wäre unser Wagen nicht so viel unterwegs.“
Nach zwölf Jahren musste der Wagen jetzt generalüberholt werden und wurde bei der Gelegenheit gleich noch ein wenig umgebaut, damit man sich in ihm noch besser bewegen kann. „Das Geld für die teure Sanierung haben wir vom Lions-Club, der ENNI und der Sparkasse am Niederrhein bekommen“, so Hartmut Hohmann.

Autor:

Susanne Schmengler aus Duisburg

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