Schmoren statt schreddern: "Kokowäh" vom Bruderhahn (mit Video)

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Foto: Haike Strate/Peta
Sie sind klein, sonnengelb und flauschig, und mussten in der Vergangenheit alle sterben: Fast 50 Millionen männlicher Hühnerküken werden hierzulande jährlich beseitigt. Auf brutale Weise vergast, geschreddert oder zermust - als sogenannte Eintagsküken.

Ihr kauf Bio-Eier? Womöglich aus Bodenhaltung? Vorbildlich! Kennt ihr aber auch schon Ethik-Eier? Dank derer sterben kleine Hühner-Brüder nicht mehr den Schredder-Tod. Dank der Initiative "Bruderhahn" oder Projekten, wie "Hänsel und Gretel" bleiben kleine Gockel (zunächst einmal) am Leben.

Einige Biohöfe "retten" seit geraumer Zeit also männliche Küken vorm Schredder. Und finanzieren dies mit dem Verkauf sogenannter Ethik-Eier. Das geht folgendermaßen: Für jede Legehenne ziehen sie einen "kleinen Bruder" groß. "Die Gockel haben genau wie ihre Schwestern die Wahl, ob sie sich im großzügigen Freigelände sonnen oder im geräumigen Mehrklimazonen-Stall Geborgenheit suchen. Zusätzlich zur natürlichen Weide erhalten sie ausschließlich Demeter-zertifiziertes Gockelfutter aus 100 Prozent Biokomponenten." Klingt ja toll!! Das Hänsel und Gretel-Projekt hat das sogenannte Doppel- oder Zweinutzungshuhn (beeindruckend klingender Begriff) im Blick: Eine Rasse des Haushuhns, die sowohl zum Eierlegen als auch zum Schlachten vermehrt werden kann. (Zitat Wikipedia)
Geschieht diese Rettungsaktion aus rein ethischen Überlegungen oder haben sich da einfach nur neue Marktnischen herausgebildet?


Coq au Vin vom Bruderhahn ein Leckerbissen

Die robusteren männlichen Küken sollen wohl durch langsame Mast (gut 20 Wochen Freilandhaltung) eine ausgezeichnete Fleischqualität entwickeln und ihren Schwestern geschmacklich überlegen sein. Acha! Coq au Vin (geschmortes Geflügel in Rotweinsauce) vom Bruderhahn wird gar als neuer kulinarischer Leckerbissen gehandelt. Und dass die "Bruderhähne" ohne Antibiotika aufgezogen werden, macht sie neuerdings interessant für Hersteller von Babynahrung.

Übrigens: Damit die lange Mastdauer sich für die Biobauern rentiert, verkaufen sie die Eier teurer - als sogenannte "Ethik-Eier". Die Verbraucher spielen mit: Der Absatz der teureren Eier funktioniert. Und gehobene Gastronomie sowie Babynahrungshersteller freuen sich auch über das schmackhafte, antibiotikafreie Fleisch.

NRW will als erstes Bundesland das Töten von männlichen Eintagsküken verbieten. Dieses verstoße gegen das Naturschutzgesetz, laut dem Niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen dürfe.

Info:

Vor der Beseitigung der männlichen Küken erfolgt das sogenannte "Sexen"( siehe Video): "Als Sexen (lat. sexus ‚Geschlecht‘) bezeichnet man allgemein die Bestimmung und Segregation von Tieren oder Spermien anhand des Geschlechts vor allem in der Geflügelzucht.

Eine ähnliche Barbarei vollzieht sich im übrigens seit Jahren bei männlichen Ferkeln: Ihnen werden ohne Betäubung die Hoden abgeknipst. Siehe hierzu.


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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 03.12.2013 | 19:17  
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 03.12.2013 | 23:11  
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