Stück für Stück zum Glück!

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Passend zum Weihnachtsfest gibt es Lebkuchenmännchen. (Foto: Heike Cervellera)
 
Die „Puppen-Backstube“ kommt mir eher wie eine verwunschene Zauberbackstube vor: Die schönsten und leckersten Kreationen sind hier zu finden. (Foto: Heike Cervellera)
 
Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen... (Foto: Heike Cervellera)

Der Geruch von frisch gebackenem liegt in der Luft, als mir Stefanie Heinz die Tür öffnet. Neugierig mache ich mich auf den Weg in die hauseigene Backstube der Konditormeisterin. Es ist Lebkuchen, dass so lecker duftet und es fehlt nur noch ein leises Glöckchen im Hintergrund, um die perfekte Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.

In der liebevoll eingerichteten Backstube steht ein Blech mit kunstvoll verziertem Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen. Mein Hobby-Bäckerinnen- und Kuchen-Liebhaberinnen-Herz schlägt freudig Purzelbäume.

Zuerst widmen wir uns allerdings der großen Anzahl an Vorführtorten, die Heinz in den Regalen stehen hat und hier ist alles dabei: Von der dreistöckigen Hochzeitstorte, über Einschulungskuchen bis hin zu Cake-Pops oder Minitörtchen, hier bleibt kein Wunsch unerfüllt. Und das ist auch die Devise von Heinz: „Jeder Auftrag ist individuell und ich möchte jeden Kunden genau das bieten, was er gerne haben möchte!“

Um das sicher zu stellen, trifft sie sich vorab mit den Kunden und bespricht die Vorstellungen. Insbesondere bei Hochzeitstorten eine mehr als schöne Angelegenheit: „Die Stimmung, wenn ein Brautpaar zum Torte aussuchen kommt, ist einfach schön. Das Paar ist voller positiver Gefühle und die Freude auf das Fest ist ansteckend. Was gibt es Schöneres, als dann mit dem Paar Ideen für eine Torte zu entwerfen, die nach und nach immer mehr Gestalt annehmen?“

Torten in Form von Skipisten


Und hier ist wirklich alles denkbar: Das eine Paar fährt leidenschaftlich gern an die Nordsee. Natürlich durfte auf der Hochzeitstorte ein Leuchtturm nicht fehlen. Das andere Paar hat sich beim Skifahren kennen gelernt. Wie die Torte aussah? Natürlich in Form einer großen Skipiste. Es gibt kaum Begrenzungen und Heinz setzt die Ideen ihrer Kunden mit ganz viel Liebe zum Detail um.

Zwischen all den verschiedenen Torten und Cake-Pops, holt sie drei Spritzbeutel mit „Royal Icing“ oder zu deutsch Eiweißspritzglasur heraus, denn Heinz hat etwas vorbereitet: Ich darf auch einen Lebkuchentannenbaum verzieren und bin beinahe etwas aufgeregt. Bekomme ich das so gut hin, wie die Konditormeisterin? Bei ihr ähneln die verschiedenen Lebkuchen einem Kunstwerk. Jedes mit so viel Liebe verziert, das es fast zu schade ist, um es zu essen.

Nach einer kurzen Einleitung traue ich mich an die Glasur heran. Am Anfang noch etwas zögerlich, doch nach und nach gewinne ich Sicherheit und bekomme immer mehr Spaß am Verzieren.
Währenddessen erzählt mir Heinz, wie sie auf die Idee für „Heavenly Sweet“ gekommen ist. Ursprünglich hat sie Ernährungswissenschaften studiert. Im Anschluss daran hat sie einen eigenen Bioladen in Moers geleitet und so schon mal erste Erfahrungen in der Selbstständigkeit gesammelt. Danach arbeitete Heinz erstmal zehn Jahre im Projektmanagement, bis sie nochmal ganz von vorne anfing und das tat, was sie schon immer geliebt hat: Torten backen.

Für einen Neuanfang ist es bekanntlich nie zu spät. Das dachte sich Heinz auch. Aber mit Anfang 40 noch einmal die Schulbank drücken und eine Ausbildung zur Konditormeisterin machen? Das fand sie dann doch etwas befremdlich, deswegen wählte sie einen anderen, aber mit Sicherheit nicht einfacheren Weg. Sie bewarb sich beim renommierten „ Le Cordon Bleu“ in London und wurde angenommen. Neun Monate später hielt sie das Diplom in der Tasche.

Die ehrgeizige Moerserin hatte aber noch weitere Pläne. Durch die verschiedenen Handwerkskammern in Deutschland gibt es auch verschiedene Vorgaben, die man erfüllen muss, um als Konditorin tätig zu sein. Heinz wollte sich keine Steine in den Weg legen und meldete sich darum noch für die Meisterschule in Köln an, um ihren Meister als Konditorin zu machen. Da dort aber nur 16 Bewerber pro Jahrgang aufgenommen werden, hieß es: Abwarten. Um diese Zeit aber effektiv zu nutzen, machte die Moerserin verschiedene Praktika in Hotels und Restaurants.
Nachdem sie dann aber 2014 die Meisterprüfung erfolgreich bestanden hatte, konnte es losgehen: Im Mai 2014 wurde die private Familienküche zu einer gewerblichen Küche umgebaut und seitdem werden in eben jener neuerschaffenen Küche die Köstlichkeiten von „Heavenly Sweet“ hergestellt.

Mittlerweile bin ich fertig mit dem Verzieren meines Lebkuchens und bin fast ein wenig enttäuscht. Das Verzieren hat beinahe etwas meditatives und mein vollendeter Lebkuchentannenbaum stimmt mich auf Weihnachten ein.
Heinz erzählt, dass die ersten anderthalb Jahre sehr gut für sie gelaufen sind: „Am Anfang war es natürlich sehr aufregend, aber durch den Bioladen hatte ich ja bereits Erfahrung mit der Selbstständigkeit. Mein Konzept wurde sehr gut aufgenommen und dieses Jahr musste ich sogar schon mal Termine absagen, weil ich an manchen Wochenenden in der Hoch-Saison ausgebucht war.“

Heinz arbeitet alleine und hat nur ihre eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung, so kommt es, dass sie an einem gewissen Punkt dann an ihre Kapazitäten stößt, da die Kühlmöglichkeiten begrenzt sind. Der Lebensmittelbeauftragte nannte die Räumlichkeiten liebevoll eine Puppen-Backstube. Aber diese begrenzten Kapazitäten stören Heinz nicht: „Ich will gar keine Fließbandarbeit machen. Jeden Tag fünf Schwarzwälderkirschtorten - das wäre nichts für mich. Ich mag es, das jeder Auftrag individuell ist und ich mir Zeit für jeden Kunden nehmen kann.“

Etwas Zucker, eine Prise Salz und ganz viel Liebe


Das sehe und spüre ich auch in jeder der Köstlichkeiten. In jeder einzelnen steckt nicht nur Zucker, Butter und Mehl drin, sondern auch eine ganz große Menge an Herzlichkeit. Und jede trägt den individuellen Fingerabdruck der Konditormeisterin. So wie mein Lebkuchentannenbaum komplett anders aussieht, als das der gelernten Fachfrau, ist auch jedes Backwerk anders: „Gerade das macht die Arbeit so spannend. Jedes Stück ist anders und jeder Kunde bringt andere Vorstellungen mit. Am Ende entsteht daraus dann immer etwas ganz Individuelles.“
Hat eine Konditorin denn überhaupt noch Lust auf etwas Süßes?
„Na klar! Aus den übrig bleibenden Resten mache ich immer etwas für meine Familie. Einzig zur Hochzeits-Hoch-Saison im Sommer hatte ich mal Lust auf etwas Herzhaftes“, gesteht Heinz lachend.

Zum Abschied gibt mir Heinz, neben meinem selbstgestalteten Lebkuchentannenbaum, Cake-Pops zum Probieren mit. Und während ich das hier schreibe, die Schleife von meinem Zellophan-Tütchen löse, den Cake Pop heraushole und lächelnd hinein beiße, schließe ich meine Augen, atme tief durch und kann sie fast schon hören: Die leisen Glöckchen, die spätestens am Weihnachtsabend wieder läuten und die schönste Zeit des Jahres beginnen lassen.
Die Weihnachtszeit!
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