„Seepferdchen haben bedeutet nicht gleichzeitig, auch schwimmen zu können!“

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Erst vor Kurzem gab es wieder einen Badeunfall mit einem kleinen Kind (das Wochen-Magazin berichtete). Den Vorfall haben wir zum Anlass genommen, uns mal umzuhören, wie es um die Schwimmausbildung der Moerser Kinder steht.

Schnell ist es passiert: Ein Kind ist im Wasser, geht etwas tiefer, als es eigentlich darf, und verliert den Boden unter den Füßen und damit jeglichen Halt. Etwas paddeln können viele Kinder zwar, aber um sich in solch einer Situation über Wasser zu halten, bedarf es doch etwas mehr, wie Monika Huf, sportliche Leiterin und Schwimmwartin vom Freien Schwimmer Rheinkamp, aufklärt: „Seepferdchen zu haben bedeutet noch lange nicht schwimmen zu können.“

Genau hier liegt aber die Krux begraben: „Viele Eltern denken, ihr Kind könne schwimmen, wenn es das Seepferdchen-Abzeichen hat“, so Huf. Dabei steht das Abzeichen lediglich dafür, dass das Kind sich für 25 Meter über Wasser halten kann. Anders ist es beim Bronze-Abzeichen: „Da wird vorausgesetzt, dass die Kinder in maximal 15 Minuten 200 Meter schwimmen können“, erläutert die sportliche Leiterin. Aber auch dann sollten die Eltern einen Blick auf die Kinder haben, denn viele Unglücke geschehen oft aus Nachlässigkeit, wie die Schwimmwartin aus ihrer jahrelangen Erfahrung weiß: „Viele Kinde werden einfach ins Wasser gelassen, ohne dass sie richtig schwimmen können und ohne dass die Eltern ein Auge auf ihre Kinder haben, ganz nach dem Motto: Der Bademeister passt ja auf.“

Fehlende Übungsleiter führen zu weniger Kursen

Gefährlich sei auch der Trend nach privaten Schwimmlehrern, der im Moment vielerorts rege genutzt wird: „Privatleute geben dann bezahlten Unterricht und die Eltern gehen davon aus, dass die Kinder dann auch schwimmen können. Wenn die Kinder dann zu uns kommen, können sie sich manchmal kaum über Wasser halten“, so Huf, die dazu rät, solche Angebote genauestens zu überprüfen. Entstanden ist dieser Trend aus der Not heraus, denn die Moerser Schwimmvereine sind voll: „Sowohl bei uns als auch beim Blau-Weiß Moers sind die Schwimmkurse komplett ausgelastet“, erklärt Huf. Das Problem sei es, Übungsleiter zu finden, die weitere Kurse anbieten: „Der Bedarf wäre da, aber die Übungsleiter fehlen“, bringt die sportliche Leiterin das Problem auf den Punkt.

Empfehlen kann die Schwimmwartin nur, rechtzeitig mit der Wassergewöhnung zu beginnen und die Kinder so früh an das Element Wasser zu gewöhnen: „Am besten ist es, wenn man schon mit drei Jahren anfängt, die Kinder spielerisch ans Wasser zu gewöhnen. In unseren Kursen wird ein bisschen geplanscht und getauscht und irgendwann kommen die Kinder von ganz alleine und wollen schwimmen lernen“, weiß Huf aus Erfahrung.

Alle Fotos: Heike Cervellera
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