„Ach, du heilige Scheiße!“: 40 Jahre IKM mit buntem Festprogramm im voll besetzten Martinstift

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Fatih Çevikkollu: "Über die SPD macht man keine Witze. Das ist wie Kinderschubsen." (Foto: Heike Cervellera)

40 Jahre Internationaler Kulturkreis Moers, das sind 40 Jahre gelebte Integration. Seit vier Jahrzehnten kommen verschiedene Kulturen beim IKM an der Kirschenallee zusammen. Um gemeinsam zu feiern, zu reden, das Multi-Kulti Leben zu verstärken, Brücken zu bauen. Grund genug, das große Jubiläum nun auch gebührend mit einem Festakt in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Martinstift zu feiern.

Nach bewegenden Grußworten von Bürgermeister Christoph Fleischhauer, Landrat Ansgar Müller und Serap Güler, Staatssekretärin für Integration des Landes NRW, ging's mit dem bunten Programm los. Klaviermusik von Liebe und Sehnsucht prägten den abwechslungsreichen Nachmittag ebenso wie der interessante IKM Film zum 40-Jährigen von Mustafa Gülec und der zum Nachdenken anregende Festvortrag von Nivedita Prasad, Professorin für Handlungsmethoden und genderspezifische Soziale Arbeit und Aktivistin für Menschenrechte an der ASH Berlin, über Integration und Rassismus. So sei es die Schutzpflicht eines jeden Staates, die Menschenrechte aller in seinem Hoheitsgebiet lebenden Menschen zu achten.

Stargast Fatih Çevikkollu

Stargast des Festaktes war Kabarettist Fatih Çevikkollu mit Auszügen aus seinem neuen Programm „Fatihmorgana“. Der auch als „Integrations-Musterschüler“ bekannte Çevikkollu, als Sohn türkischer Gastarbeiter 1972 in Köln geboren, blickte kritisch und mit einer großen Portion Humor auf das aktuelle politische Geschehen. Bissig, provozierend und frech jonglierte er mit deutschen und türkischen Vorurteilen, aber auch Ängsten. Ängsten, die vor allem mit Hemmschwellen zu tun haben. „Wenn du eine Wohnung suchst, beim Vermieter anrufst und du wirst nach deinem Nachnamen gefragt... Du sagst „Çevikkollu“, Zurückhaltung am anderen Ende. Nach einer halben Stunde rufst du wieder an. Mit welchem Namen meldest du dich dann wohl?“ „Müller“, raunte es durchs Publikum. Nach dem Motto „Können Integration und Völkerverständigung auch einfach lustig sein“ lieferte er bei den Gästen gekonnt ab. Mit Verstand und viel Wortwitz. „Wozu braucht man „Sultan Erdogan“ mit falschem Diplom, wenn man doch den FDP-Lindner hat, der in Sondierungsgesprächen neben dem „good cop“ und dem „bad cop“ eine neue Figur, den „Doofkopp“ verkörpert“, griff Çevikkollu auf satirische Weise an. „Ach, und über die SPD macht man keine Witze. Das ist wie Kinderschubsen!“ Hinter „Fatihmorgana“ steckt der Gedanke, du sieht etwas, was nicht da ist. Und das, was da ist, ist aber nicht da, wo du es siehst.

Ach, du heilige Scheiße!

Zu guter Letzt setzte Fatih noch einen oben drauf. Es geht um die Betrachtung eines „Kackhaufens“, der weite Kreise zog. Çevikkollu: „Der IS: „Das waren wir! Wir bekennen uns zu diesem Kackhaufen!“ Angela Merkel: „Ich sehe keinen Handlungsbedarf. Wir lassen die Kacke, wie sie ist.“, Trump: „Wir werden um jeden Hundehaufen eine Mauer bauen und Mexiko wird dafür bezahlen!“, Erdogan: „Diese Hundekacke ist ein Nazi!“, Seehofer: „Wir brauchen eine Obergrenze für diese ganze Scheiße!“ , Putin: „Ich nehme es mit jeder Scheiße auf!“, Griechenland: „Wir haben für diese Scheiße kein Geld.“, AFD: „Diese ganze Scheiße kommt nur von den Ausländern.“, China: „Diese Scheiße lässt sich bestimmt leicht kopieren und verkaufen.“, Nordkorea: „Wir werden diese Scheiße vernichten!“, Islamische Länder: „Diese Scheiße haben uns die Juden eingebrockt!“, Israel: „Ist die Scheiße schon besetzt?“, Schweiz: „Wir wollen mit dieser Scheiße nichts zu tun haben!“, Katalonien: „Wir wollen unsere eigene Scheiße“, Spanien: „Diese Scheiße ist unteilbar!“ , Der Papst: „Ach, du heilige Scheiße!“ Mit tosendem Applaus entließ das Publikum einen grandiosen Fatih Çevikkollu, der im Anschluss noch am geselligen Beisammensein im Martinstift teilnahm.

Zur Geschichte

Als der IKM vor 40 Jahren gegründet wurde, hat er Neuland betreten. Zu den Initiatoren gehörten Hartmut Hohmann, Rainer Tyrakowski-Freese und Tullio Virdis. Es sollte ein Verein nicht nur für Ausländer, sondern ein Internationaler Kulturkreis, gleichberechtigt für alle Völkergruppen, werden. Der Vorsitzende Cemil Mayadali blickt zurück: „Was uns immer besonders wichtig war und ist, ist die Integration. Und diese funktioniert nur mit dem Erlernen der deutschen Sprache. Wir haben sie immer in den Vordergrund gestellt. In all unseren Gruppen wird deutsch gesprochen. Für die Zukunft hat sich in unseren Aufgaben nicht viel geändert. Wir möchten Asylanten und Flüchtlingen zur Seite stehen.“ Weitere Infos zum umfangreichen Kursprogramm des IKM gibt es auf www.ikm-moers.de

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