KKV-Gesprächskreis "Christen treffen Muslime": „Die Würde des Menschen ist unantastbar – sowohl im Islam als auch im Christentum“

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Unter dem Motto „Die Würde des Menschen – aus der Sicht des Christentums und des Islams“ trafen sich die Mitglieder des KKV-Gesprächskreises "Christen treffen Muslime" im Eki-Haus. Hier stellte Pfarrer Burkhard Hoffmann die Sichtweise der katholischen Kirche, Pfarrer Till-Karsten Hesse die der evangelischen Kirche und Mohamed Adib, Dialogbeauftragter des Moscheevereins, die des Islam dar. Fazit der Veranstaltung: Alle drei Referenten waren sich einig, dass die Menschenwürde für alle Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit oder Begabung gälte. Letztendlich sei sie in der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott begründet.

Pfarrer Hoffmann verwies in seinem Statement auf das Buch Genesis im Alten Testament und zitierte Vers 1,27: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ Damit sei grundgelegt, dass der Mensch als Abbild Gottes mit einer unverfügbaren Würde ausgestattet sei, die ihm somit auch niemand nehmen könne. Auf diesem christlichen Hintergrund hätten auch die Väter und Mütter des Grundgesetzes in Artikel 1 festgelegt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller stattlichen Gewalt.“ Eine solche Sichtweise habe somit auch weitreichende Konsequenzen für das Zusammenleben der Menschen und insbesondere für den Lebensschutz. Für die Wirtschaft bedeute dies beispielsweise, dass sie dem Menschen dienen müsse.

Pfarrer Hesse unterstrich diese Sichtweise. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Gott in der Schöpfungsgeschichte des Buches Genesis im Vers 1,28 Gott gleichzeitig den Menschen gesegnet, ihm aber auch Verantwortung übertragen habe, nämlich über die Erde verantwortlich zu herrschen. Mit der Ebenbildlichkeit Gottes seien auch die besonderen Fähigkeiten des Menschen, seine Geistesgaben aber auch die Beziehungsfähigkeit zu Gott gegeben. Auch dass der Mensch trotz persönlicher Schuld immer wieder Vergebung bei Gott finde und somit immer wieder ein Neuanfang möglich sei, sei eine Folge der Gottesebenbildlichkeit des Menschen.

Mohamed Adib unterstrich die Stellung des Menschen aus dem Koran. Hiernach sei der Mensch das wertvollste Wesen auf Erden und Gott habe eine Gleichstellung aller Menschen betont. Dies werde insbesondere aus folgenden Versen deutlich: „Nun haben wir fürwahr den Kindern Adams (Menschheit) Würde verliehen und sie über Land und Meer getragen und sie mit den guten Dingen des Lebens versorgt und sie weit über alle Dinge unserer Schöpfung begünstigt“ (Koran 17/70). Der Prophet Muhammed betone zudem die Gleichheit der Menschen, wenn er sage, dass „ein Araber nicht besser sei als ein Nichtaraber und ein weißer Mensch nicht besser sei als ein schwarzer Mensch“.
Nicht zuletzt deshalb seien auch im Islam alle Menschen vor Gott gleich – und nur in ihrer Gottesfurcht unterschiedlich. Leider würde dies aber von einigen Extremisten anders gesehen. Jedenfalls sei es mit dem Islam nicht vereinbar, dass jemand der als Muslim zu einem anderen Glauben übertrete, deswegen verfolgt oder sogar mit dem Tod bestraft werde.

In der anschließenden Diskussion wurden weitere Fragen wie beispielsweise die Haltung der christlichen Kirche und des Islam zur Abtreibung angesprochen. Hier waren sich zwar alle grundsätzlich einig, dass Abtreibung nicht erlaubt sei. Allerdings waren die Sichtweisen bezüglich der Beurteilung von Einzelfällen dann doch unterschiedlich. Bernd-M. Wehner, der Sprecher des KKV-Gesprächskreises, wies darauf hin, dass die Würde des Menschen nach christlichem Verständnis auch für den Embryo gelte. Menschenwürde habe man von Anfang an und nicht erst ab einem – von wem auch immer – zu definierenden Zeitpunkt. Wenn man dies anders sehe, sei der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Von daher sei Abtreibung immer das Töten eines Menschen, der sich zudem nicht wehren könne. Mohamed Adib wies darauf hin, dass nach islamischer Lehre, dem Embryo erst in der neunten Schwangerschaftswoche die Seele eingehaucht werde. (Hintergrund: Nach dem Koran geschieht in dieser Zeit erst die Reifung vom Embryo zum Fötus und damit bilde sich erst ein individueller lebender Organismus heraus.) Im Übrigen sei im Islam eine Abtreibung aus medizinischer Notwendigkeit sowie nach einer Vergewaltigung erlaubt.

Ein weiteres Thema war die freie Religionsausübung in den islamischen Ländern. So wurde gefragt, warum es in diesen Ländern nicht möglich oder nur mit enormen Schwierigkeiten verbunden sei, dort Kirchen zu errichten. Hier wies Mohamed Adib darauf hin, dass es beispielsweise in der Türkei in diesem Bereich bereits erhebliche Fortschritte gegeben habe. Andere islamische Länder hätten hier noch Nachholbedarf.

Der KKV-Gesprächskreis „Christen treffen Muslime“ trifft sich bereits seit rund zehn Jahren mit den türkischsprachigen Muslimen in Monheim. Darüber hinaus nehmen seit längerer Zeit auch evangelische Christen an den vierteljährlich stattfindenden Gesprächen teil. Ziel des Gesprächskreises ist es, im gemeinsamen Dialog zwischen Christen und Muslimen einander besser kennenzulernen, gegenseitige Vorurteile und Missverständnisse zu beseitigen, um so im gegenseitigen Respekt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Glauben des Anderen festzustellen.
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