KKV-Gesprächskreis "Christen treffen Muslime" diskutierte über „Das Jesusbild in Bibel und Koran“

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Teilnehmer des Gesprächskreises
 
von links: Pfarrer Werner Völker (ev. Kirche), Pfr. Burkhard Hoffmann (kath. Kirche), Erdogan Akpolat (türkische Moscheegemeinde) und Bernd-M. Wehner (Sprecher des KKV-Gesprächskreise)

„Das Jesusbild in der Bibel und im Koran“ so lautete diesmal das Thema, über das die rund 20 Teilnehmer des KKV-Gesprächskreises "Christen treffen Muslime" diesmal im Pfarrer-Franz-Boehm-Haus diskutierten. „Wie erkenne ich, dass Jesus Gottes Sohn ist?“ Mit dieser spannenden Frage leitete Pfarrer Burkhard Hoffmann sein Statement zu dieser Thematik aus katholischer Sicht ein, um es dann anhand von Erzählungen und Textstellen aus dem Neuen Testament zu vertiefen. Damit wurde auch schon der Unterschied zum Islam deutlich, für den Jesus „nur“ ein Prophet, aber keinesfalls Gott ist, wie Erdogan Akpolat von der türkischen Moscheegemeinde anschließend erläuterte. Pfarrer Werner Völker, ehemaliger Pastor der evangelischen Kirche in Monheim, ergänzte diese Ausführungen zum Schluss mit einer sehr persönlichen Sichtweise über Jesus.

Pfarrer Hoffmann zeigte anhand der Verkündigungsgeschichte bei Lukas auf, dass hier bereits die Außergewöhnlichkeit der Geburt Jesu angekündigt werde, wenn der Engel Gabriel Maria auf ihre Frage, wie diese Geburt geschehen solle, sage: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Gottes Sohn genannt werden“ (Lk 1,35). Gleichzeitig machte er deutlich, dass Jesus immer mit großer Vollmacht gehandelt und sogar Sünden vergeben habe. Als signifikantes Beispiel brachte er die Heilung eines Gelähmten wie sie bei Lukas (5,17-26) geschildert wird. Hier habe er durch das Wunder der Heilung gezeigt, dass er auch die Vollmacht habe, Sünden zu vergeben. Nicht umsonst seien die anwesenden Pharisäer und Gesetzeslehrer schockiert über diese „Gotteslästerung“ gewesen, da eben nur Gott Sünden vergeben könne. Im Übrigen habe Jesus nur Wunder vollbracht, wenn die Betroffenen auch den entsprechenden Glauben hatten. Darüber hinaus seien letztlich sein Tod und seine Auferstehung der endgültige Beweis für seine Gottheit gewesen.

Jesus für Muslime nur ein Prophet

Nach einer kurzen Einführung in das Bild der Propheten im Koran erläuterte Erdogan Akpolat sodann, dass auch Jesus im Koran als Prophet anerkannt werde. Er sei sogar aufgrund seiner außergewöhnlichen Geburt – auch der Koran erkenne die Jungfrauengeburt an – sogar neben Mose, David und Mohammed ein sogenannter Buchprophet gewesen, da er von Gabriel das Evangelium erhalten habe. Von daher habe Jesus im Koran zwar eine große Bedeutung, allerdings könne er nie Gott sein, da nach der Überlieferung im Koran Gott bzw. Allah einzig sei. Im Übrigen sei Jesus nach dem Koran auch nicht am Kreuz gestorben, es sollte vielmehr für die Juden nur so aussehen. Er sei vielmehr von Gott in den Himmel erhoben worden. Allerdings werde im Koran auch nicht erwähnt, wer für ihn am Kreuz gestorben sei.

Für Pfarrer Völker ist Jesus dagegen mehr ein Mensch, der viel „über die Religion“ wusste, der über Gott intensiv nachdachte und damit jemand, der zum Menschsein verhelfen wollte. Von daher seien die „echten“ Worte Jesu in der Bibel solche, die überspitzten, provozierten und herausforderten wie sie beispielsweise in der Bergpredigt niedergelegt worden seien. Gleichzeitig ging er in seinen Ausführungen auf die besondere Rolle von Jesus bei Johannes und Paulus ein.

KKV-Gesprächskreis „Christen treffen Muslime“ seit acht Jahren aktiv

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde nochmals deutlich, dass es zwischen dem Glauben der Christen und der Muslime trotz vieler Gemeinsamkeiten auch wesentliche Unterschiede gibt. So verehrten zwar die Muslime mit Allah den Einen einzigen Gott, lehnten aber den dreifaltigen Gott der Christen: Vater, Sohn und Heiliger Geist, ab. Demzufolge werde im Koran Jesus nur als Prophet verehrt, niemals könne er aber als der Sohn Gottes akzeptiert werden. Nach dem Gottesbild der Muslime sei es unvorstellbar, dass Gott Mensch geworden sei, um die Menschen zu erlösen. "Für uns Christen ist wiederum der Glaube an Jesus Christus, der ‚wahrer Gott und wahrer Mensch“ zugleich ist, die Grundlage unseres Glaubens“ betonte daher Bernd-M. Wehner, Sprecher des KKV-Gesprächskreises „Christen treffen Muslime“, der bereits seit acht Jahren den Dialog mit den türkischsprachigen Muslimen in Monheim führt. Im Übrigen gehe es bei dem gemeinsamen Dialog zwischen Christen und Muslimen darum, einander besser kennenzulernen, um so im gegenseitigen Respekt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Glauben des Anderen festzustellen.

Das nächste Treffen des Gesprächskreises wird im Eki-Haus stattfinden. Hier werden sich die Teilnehmer mit dem Themenkomplex „Was ist Sünde? Wie kann Sünde vergeben werden?“ befassen.

Weitere Infos über den KKV unter: www.kkv-monheim.de bzw. www.kkv-bund.de.
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