Der Treffpunkt Monheim strebt den Generationenwechsel an

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Jürgen Prinz, Guido Coenen, Hans-Dieter Degenhard und Uwe Ihnenfeld zeigen seit Jahren und Jahrzehnten Herz für Monheim. Die von ihnen vor Beginn der Stadtfestzeit ausgerufene Kirmes wurde zuletzt jedoch von Teilen der Händlerschaft nicht mehr vor der Tür gewünscht und ist inzwischen Monheimer Geschichte.
 
Das komplette Vorstandsteam wird mit Gerald Altvater und Volker Frenzel komplettiert.
Wenn am kommenden Mittwoch, 24. April, der „Treffpunkt Monheim“ am Rhein zu seiner Jahreshauptversammlung in die Räume der Raiffeisenbank lädt, dann steht dieses Treffen diesmal unter ganz besonderen Vorzeichen.

Denn auf der Tagesordnung steht auch wieder die turnusmäßig stattfindenden Vorstandswahlen. Und die sollten, anders als in den letzten Jahren, dieses Mal keine bloße Formsache mehr sein. Denn eigentlich wollten weite Teile des sechsköpfigen Vorstands an diesem Abend nicht mehr für die erste Reihe antreten, allen voran der 1. Vorsitzende Jürgen Prinz, aber auch der langjährige Schatzmeister Hans-Dieter Degenhard.
Vor allem Schuhtechniker Jürgen Prinz war gedanklich offenbar schon sehr weit über die rote Linie getreten. „Ich mag wirklich nicht mehr“, ließ er gegenüber den Vorstandskollegen schon vor Monaten durchblicken. Und auch Hans-Dieter Degenhard gesteht: „Ich mache das jetzt seit über 20 Jahren, mag eigentlich auch schon länger nicht mehr, und habe vor allem wegen der netten Jungs im Vorstand und wegen der wirklich gut Stimmung in unserem eingespielten Team zuletzt immer noch weiter gemacht.“

Das große Problem, was Prinz, Degenhard und wohl auch ihre Vorstandskollegen Gerald Altvater, Guido Coenen, Uwe Ihnenfeld und Volker Frenzel gemeinsam haben: Es sind keine Nachfolger in Sicht! Und findet sich bis Mittwoch kein Nachfolger für Jürgen Prinz, verlängert sich dessen Amtszeit, gemäß Satzung, erst einmal automatisch. Genau so wird es wohl voraussichtlich auch kommen. Und da ist es ganz sicher gut, dass die Mitstreiter von Jürgen Prinz ihren „Mann mit der Kappe auf“ (Degenhard) inzwischen zumindest so weit haben, eine Verlängerung seiner Regentschaft wohl doch noch einmal zu akzeptieren. „Wir stehen kurz vor dem Stadtfest. Die Planungen für die Monheimer Messe laufen auf vollen Touren. Da wären echte Probleme im Vorstand wirklich eine schlechte Botschaft nach außen“, betont der Schatzmeister die Wichtigkeit des Zusammenhalts der Gefährten gerade in den kommenden Monaten. Doch diese Monate bis Ende des Jahres sollen nun auch zu einer Zeit der Suche werden. Denn die Botschaft bleibt: Der Treffpunkt Monheim strebt einen möglichst zeitnahen Generationenwechsel an!
„Ich habe allein für die Vorbereitungen der letzten Stadtfeste mehr Zeit bei Besprechungen im Rathaus verbracht, als ich mir Jahresurlaub gönne“, macht Jürgen Prinz mit Blick auf den enormen Zeitaufwand nicht eben Werbung für die Übernahme seines Postens. Und auch Hans-Dieter Degenhard gesteht: „Ich kann der Raiffeisenbank als meinem Arbeitgeber nur dankbar sein, dass man mir hier die Freiräume zugesteht, um die Arbeiten für den Treffpunkt nebenher mitzuerledigen. Gerade im Vorfeld von großen Festen und Verkaufsoffenen Sonntagen ist das nicht immer wenig.“ Und klar ist: Sowohl der angestellte Bänker als auch der selbstständige Schuhtechniker müssen die geopferte Zeit nacharbeiten. Denn ihr Geld verdienen sie ja mit ganz anderen Dingen.
Vielleicht ist es gerade deshalb auch besonders frustrierend, wenn diese Arbeit nicht entsprechend gewürdigt wird. er komplette Weihnachtsmarkt mit Budenbestückung und Aufbau, die Anbringung der Weihnachtsbeleuchtung, die Organisation des Martinsmarktes, die Monheimer Messe und tatsächlich auch noch immer große Programmpunkte des Stadtfestes liegen in den Händen der stets ehrenamtlich antretenden Treffpunkt-Vorständler und ihrer wenigen aktiven Mitstreiter. „Für das, was wir da mit wenigen Leuten auf die Beine stellen, sind wir schon wirklich sehr effektiv“, betont Hans-Dieter Degenhard. „Da ist es tatsächlich schon ein bisschen frustrierend, dass wir in der Außenwahrnehmung bis heute oft mit Marke Monheim verwechselt werden oder viele unserer Aktivitäten als städtische Leistungen wahrgenommen werden.“ Prinz: „Auch das Stadtfest ist inzwischen ja so vom Rathaus vereinnahmt worden, dass man kaum noch merkt, dass das eigentlich auf unsere Wurzeln zurückgeht und wir bis heute dort zum Beispiel das komplette Bühnenprogramm auf der Krischerstraße stemmen.“ Degenhard: „Und um das finanziell zu stemmen, müssen wir dann wieder in den Bierwagen steigen und Getränke verkaufen.“

Aber beide verhehlen auch nicht, dass gerade dieses Teamwork oft auch ein Quell großer Freude und von dem guten Gefühl ist, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein. „Wir sind tatsächlich ein perfekt eingespieltes Team“, betont Hans-Dieter Degenhard. „Und natürlich sind wir vom Naturell her eben auch alle irgendwie gerne Macher, bringen uns also auch sehr gerne ein.“
Gerade den Weihnachtsmarkt würde der Schatzmeister auch in Zukunft gerne weiterhin in erster Reihe mitbetreuen. Und auch Jürgen Prinz versichert: „Wir werden wohl alle auch einen neuen Vorstand gerne weiter unterstützen – nur eben nicht mehr mit dem zeitlichen Aufwand wie heute.“

Bleibt die spannende Frage: Wer macht’s?! Denn dass es auch 2014 weitergehen muss, steht eigentlich außer Frage. „Wir brauchen eine starke Vertretung der Händlerschaft“, betont auch Bürgermeister Daniel Zimmermann ausdrücklich, der von Hans-Dieter Degenhard und Jürgen Prinz samt ihren Zukunftsplänen früh mit ins Boot genommen wurde. „Dazu gehört aber eben auch manchmal, dass neue Leute mit an Bord kommen, und dass man die auch wirklich gerne in verantwortungsvollen Positionen einbindet“, wirbt Zimmermann für frischen Wind an Deck. Und vielleicht ist das ja auch eine Botschaft in Richtung des Männer-Sextetts, sich demnächst noch ein wenig mehr zu öffnen - trotz oder gerade eben wegen der perfekten Eingespieltheit. „Wir unterstützen als Stadt auf jeden Fall gerne wo wir können“, reicht das Stadtoberhaupt die Hand.

Die Bedeutung des Treffpunkts Monheim am Rhein ist auf jeden Fall nicht zu unterschätzen. Hans-Dieter Degenhard: „Es wäre schon spannend, mal zusammenzurechnen, welchen Mehrumsatz wir in den letzten Jahrzehnten hier wohl am Standort mit unseren Aktivitäten generiert haben.“
Zuletzt gab es ja wegen des ausgefallenen „Frühlingserwachens“ nochmal mächtig öffentliche Prügel für den Treffpunkt-Vorstand, der mit der Beantragung des Verkaufsoffenen Sonntags vor allem sein Mitglied Poco unterstützen wollte, um dann festzustellen, dass sich die Innenstadt wegen der aktuellen Bauarbeiten kaum für größere Frühlings-Aktivitäten anbot. Jürgen Prinz: „Die meisten Geschäfte haben dann ja bekanntlich nicht aufgemacht. Frau Cieslik von ‚Bon Bon‘ am Schelmenturm hat uns aber zum Beispiel berichtet, dass sie an diesem Sonntag den doppelten Umsatz wie sonst in der Kasse hatte.“ – Am Ende letztlich dank des Treffpunkt-Engagemets.

WA-Archivfotos: Michael de Clerque/Thomas Spekowius
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