Auf zu neuen Ufern – Das "Piwipper Böötchen" startet in die Saison

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Das Piwipper Böötchen bei seiner Taufe, als Hunderte das Ufer zu beiden Seiten säumten und das Ereignis auf keinen Fall versäumen wollten. Nun können sie mit Vorfreude der neuen Saison entgegensehen. Foto: Bürgerreporter Siggi Becker
 
Kapitän Wolfgang Hoffmann in seinem Element. Foto: Michael de Clerque
Das Piwipper Böötchen hat das letzte Hochwasser gut überstanden. Kapitän Wolfgang Hoffmann hatte es rechtzeitig vom Dormagener Ufer herübergeholt, vom Treibholz befreit und am Monheimer Ufer neben seinem Aalschocker vertäut. Dort wartet es nun auf den Start zu seiner zweiten Saison, die am 23. März eingeläutet wird. Alles, was rund um das Fährboot wichtig ist, kam in der Jahreshauptversammlung des Vereins in der Festhalle zur Sprache.

Das Böötchen wird vom 23. März bis zum 13. Oktober an allen Wochenenden sowie an Feier- und Brückentagen den Rhein überqueren – und zwar von 10.30 bis 18 Uhr. Und sollte das Wetter schön sein oder auf der einen oder anderen Seite noch Menschen warten, so werden die beiden Kapitäne Wolfgang Hoffmann und Bernd Voigt, die sich in der Schicht abwechseln, nicht davor zurückschrecken, noch eine Tour zu machen. Das versicherte jedenfalls der Vorsitzende des Piwipper Vereins, Prof. Dr. Heiner Müller-Krumbhaar den 51 anwesenden Mitgliedern. Das Boot wird demnach 70 Tage lang in Betrieb sein.

In diesem Jahr werden erstmals Fahrkarten verkauft. Sie kosten für Erwachsene zwei Euro und für Kinder einen Euro, egal ob mit oder ohne Fahrrad. Um die Fahrscheine zu verkaufen, braucht der Verein Kassierer. 23 Männer und Frauen haben sich dazu schon freiwillig gemeldet, es werden aber immer noch einige Kräfte gesucht, die – wie in diesem Verein selbstverständlich – ehrenamtlich im Einsatz sind. Für sie hat der Vorsitzende wunderschöne historische Schaffnertaschen mit Münzwechsler beschafft, die er stolz den Mitgliedern vorführte.

Er erinnerte in dieser vierten Mitgliederversammlung des Vereins, der das „Piwipper Böötchen“ wieder zum Leben erweckte und es trägt, an den Beginn des Bootsumbaus im März letzten Jahres und die Schiffstaufe am 1. September, die zu beiden Ufern des Rheins unzählige Schaulustige und etliche Prominenz angelockt hatte. Der erste Probebetrieb endete am 13. Oktober.
Unzählige Dinge waren seit dem Start des Umbaues zu erledigen oder sind auch heute noch zu tun. Hier nur ein paar Stichworte aus der langen Liste: Blende gegen Steinewerfer, Handlauf, Fahrkarten, Lautsprecher, Anruftaxi in Dormagen... Und unzählige Behördengänge waren und sind noch immer zu erledigen. Sowohl für die Vorstandsmitglieder als auch für Beamte ist es nicht alltäglich, dass ein privater Verein einen Fährbetrieb auf einer vielbefahrenen europäischen Wasserstraße wie dem Rhein aufnehmen möchte. „Bis heute sind alle Genehmigungen vorläufig“, betont Müller-Krumbhaar.

Allerdings gab es auch Änderungen in den Vorschriften. So wurden zwei Paragrafen in der Binnenschifffahrtsuntersuchungsordnung (kurz: BinSchUO) geändert, was wiederum eine Satzungsänderung beim Verein auslöste. Die wurde einstimmig gebilligt, wie übrigens alle Beschlüsse dieses Abends.
Noch mal zurück zum Behördenwust, mit dem sich die Piwipper Bootsfreunde herumschlagen müssen. Für ihr Unternehmen sind etliche Behörden zuständig, von der Schifffahrtsuntersuchungskommission in Mainz bis zum Verkehrsministerium in Berlin. Doch nach ersten Irritationen könnte sich jetzt so etwas wie Entgegenkommen breit machen. So habe man signalisiert, dass die bisher geltende Beförderungszahl von höchstens zwölf Personen demnächst erhöht werden könnte.

Und gleich noch eine mögliche Neuerung: Bei den Standesämtern in Dormagen und in Monheim liegen Anträge vor, Trauungen auf dem Boot vornehmen zu können. Details müssen auch hier noch geklärt werden. Doch wenn alles klappt, will sich ein Paar schon am 16. März auf den wackeligen Planken trauen (lassen).
Heiner Müller-Krumbhaar berichtete von vielfältiger Unterstützung, nicht nur vom Landtags- und von Kreistagsabgeordneten, sondern beispielsweise auch vom Kreis Mettmann, der das „Böötchen“ in sein „neanderland“-Tourismus-Projekt aufnehmen möchte und auch einen Anleger am Monheimer Ufer unterstützt. Müller-Krumbhaar: „Wir liegen in einer idealen Gegend für Kurzurlauber, genau zwischen zwei Metropolen und zwischen den Ausflugszielen der Wuppermündung und der Feste Zons.“

Der Vorsitzende versäumte auch nicht, sich bei seinen Mitstreitern zu bedanken, von denen er so viele hat, dass er sie gar nicht alle nennen konnte. „Wir haben in zweieinhalb Jahren etwas zustande gebracht, was nicht selbstverständlich ist. Wir sind eine ganz tolle Truppe im Vorstand, aber auch bei den Mitgliedern und den Unterstützern, die auf allen möglichen Gebieten mithelfen, dass alles klappt!“

Und dann ging es auch noch ums liebe Geld, das beim Piwipper Verein nach den Worten sowohl des Schatzmeisters Dieter Grabert als auch der Kassenprüfer gut und richtig angelegt ist. Der aufgenommene Kredit von 45.000 Euro wird aller Voraussicht nach in vier Jahren getilgt sein. Für weitere Investitionen und kommende Ausgaben freut sich der Verein aber dennoch auf möglichst viele neue Spenden – egal in welcher Höhe. Auch der Wirtschaftsbericht für dieses Jahr wurde genehmigt. Er sieht Einahmen und Ausgaben von je rund 37.000 Euro vor.

Und zum Schluss noch eine Personalie: Vorstandsmitglied Werner Stüttgen, der als technischer Leiter fungierte, bat aus beruflichen Gründen um die Niederlegung des Amtes. Für ihn wurde Thomas Kuhl als Nachfolger gewählt.
Und noch ein Termin für Geschichts-Interessierte: Die Fährverbindung über den Rhein besteht im Jahre 2017 genau 800 Jahre. 1217 wurde sie zum 5. Kreuzzug von Kaiser Friedrich II. in Betrieb genommen. Wenn das kein Grund zum Feiern für die Piwipper ist,weiß ich es nicht!
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