Baumberg Ost bleibt Zankapfel / Zweimal „Ja“ und drei "Ja, aber" für den Haushalt

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Die jüngste Variante für Baumberg Ost trägt den Buchstaben C. Die Höhe der Gebäude nimmt von der Hochspannungstrasse und der neuen Erschließungsstraße her kontinuierlich ab. Direkt an der Straße die von SPD und Peto beschlossenen Sozialbauten, die maximal zweieinhalb-geschossig werden sollen. Grafik: Stadt Monheim am Rhein
 
Gleich 44 Tagesordnungspunkte hatte der Monheimer Stadtrat allein im öffentlichen Teil zu bewältigen. Foto: Michael de Clerque
Sagenhafte 44 Tagesordnungspunkte umfasste allein die Tagesordnung des öffentlichen Teils der letzten Stadtratssitzung dieses Jahres.

Mit dabei waren am Mittwoch auch die allein insgesamt 41 (!) DIN-A-4-Seiten füllenden Haushaltsreden der Fraktionsvorsitzenden von CDU, Peto, SPD, den Grünen und der FDP. Wir fassen daher mal ganz kurz zusammen: Von Markus Gronauer, Florian Große-Allermann, Ursula Schlößer, Andrea Stamm und Marion Prondzinsky-Kohlmetz gab es insgesamt zwei deutliche „Ja“ und drei „Ja, aber“ für die Vorlage der Stadtverwaltung. Der Haushalt wurde damit also einstimmig angenommen!

Das konnte, angesichts der bekannt-fantastischen Monheimer Zahlen, inzwischen auch niemanden mehr wirklich überraschen. Wer will da schon so richtig „Nein“ sagen?

Ebenso wenig konnte überraschen, dass das zweite klare „Ja“ neben der Bürgermeister-Partei von den Sozialdemokraten kam. Viele wesentliche Punkte im Haushalt gehen letztlich auf gemeinsame Anträge und gefundene Kompromisslösungen zwischen SPD und Peto zurück. Das unterstrichen auch Ursula Schlößer und Florian Große-Allermann, der die kürzlich Mutter gewordene Lisa Pientak (ehemals Riedel) am Rednerpult vertrat, gleich mehrfach in ihren Beiträgen.

Von einer Koalition wollen beide Parteien freilich nichts hören. Man will ja Eigenständigkeit unterstreichen. Die aktuelle Nähe zueinander wurde jedoch einmal mehr beim spannendsten Tagesordnungspunkt deutlich, als es erneut um die künftige Entwicklung von Baumberg-Ost und dem Gebiet am Waldbeerenberg ging. Hier brachten SPD und Peto die jüngste Planungsvariante C gemeinsam mit der parteilosen Lilo Friedrich mit knapper Mehrheit durch. CDU, FDP und auch die Grünen hätten die neue Variante gemeinsam mit den bereits vorgestellten Modellen A und B nochmal gerne in einer weiteren Bürgerbeteiligung gesehen. Bürgermeister Zimmermann hingegen wollte keine weitere Zeit mehr verlieren und hätte auch nicht so recht gewusst, „was ich da noch wirklich Neues erzählen soll.“

Die Christdemokraten und die Liberalen unterstrichen einmal mehr, dass sie vor allem mit dem Sportplatz an der östlichen Peripherie des Stadtgebietes und direkt neben dem Neubaugebiet nicht glücklich sind und hierin eine „völlig falsche Weichenstellung“ für die Zukunft sehen. Das ist aber letztlich bekannt.
Und sonst? Viel Gemeinsamkeit! Monheim hat einen neuen Imagefilm, der erstmals im Ratssaal gezeigt wurde. Beim Baumberger Bauprojekt an der Leienstraße wurde ein vielgelobter Kompromiss gefunden. Anwohner hatten sich über die Bauhöhe beschwert. Die Baumberger Baufirma „Wirtz & Lück“ kam den Nachbarn nun freiwillig entgegen, und baut jetzt einen Meter niedriger.
Monheim bekommt einen Schulpsychologen und ein Jugendcafé, der Ratssaal eine bessere Mikrophonanlage und die Arbeiter bei Bayer sowie auf dem Creative Campus mit dem 796er eine „eigene“ ÖPNV-Linie und damit deutlich schnellere Busverbindung zum Langenfelder S-Bahnhof. Und hier freute sich Vize-Bürgermeister Lucas Risse mit seiner Peto-Partei ganz ausdrücklich, mal gegen die SPD stimmen zu dürfen, die noch nicht so recht an eine Refinanzierung der neuen Buslinie durch den Verkauf von Jobtickets glauben mag. Markus Gronauers knurriger Kommentar: „Auch in einer Koalition kann man ja mal unterschiedlicher Meinung sein.“ Der CDU-Fraktionschef hatte es sich dennoch nicht nehmen lassen, Lisa Pientak am Anfang der Ratssitzung für ihre Mutterschaft einen großen Strauß Blumen neben den besten Wünschen zu überreichen. Und auch das sei zum Jahresende nochmal verraten: Auch 2012 wurden im Monheimer Stadtrat weit über 80 Prozent der Entscheidungen einstimmig beschlossen. Darüber, dass es eben nicht 100 Prozent sind, und in der Sache nicht selten auch mal heftiger miteinander gerungen wird, sollten alle Monheimer froh sein. Und mit dieser Erkenntnis darf man sich getrost auf das Jahr 2013 freuen – das Jahr, in dem Monheims neuer Haushalt unserer Stadt die Schuldenfreiheit bringen wird.
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