Rosige Aussichten für Monheim am Rhein und ein von langer Hand geplantes Wunder

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Stadtkämmerer Max Herrmann geht diesen Sommer nach 37 Jahren im Monheimer Rathaus in den Ruhestand. Er hinterlässt ein gut bestelltes Feld.
 
Seit knapp zwei Jahren entwickeln Bürgermeister Daniel Zimmermann und Kämmerer Max Hermann beim Zusammenrechnen der Monheimer Steuereinnahmen immer größere Freude. Die nächste, erneut nach oben korrigierte, Schätzung für 2013 wollen beide im Mai auf einer Pressekonferenz bekannt geben.
Zum ersten Mal hatte der Baumberger Allgemeine Bürgerverein an diesem Sonntag zum BAB-Talk in das Bürgerhaus an der Humboldtstraße gerufen.

„Wir wollen uns hier künftig drei- bis viermal im Jahr zu interessanten Themen und mit interessanten Persönlichkeiten zum Austausch treffen“, so der BAB-Vorsitzend Helmut Heymann. „Und ich denke, dass wir für das heutige Thema ‚Monheimer Finanzen‘ wirklich keinen besseren Referenten finden konnten“, lobte Heymann mit Blick in Richtung Stadtkämmerer Max Herrmann. „Er hat tatsächlich alle Höhen und Tiefen in unserer Stadt mitgemacht.“ Und weil es finanziell im Moment bekanntlich höher und höher hinaus geht, sollte der im Juli in Ruhestand gehende Stadtkämmerer gemäß Einladung nicht weniger als „Monheim – das 8. Weltwunder“ erklären.
„Beim Lesen habe ich mir gedacht, hoffentlich haben die sich nur verschrieben und ‚Geldwunder‘ gemeint, so der gut aufgelegte Monheimer Herr der Zahlen, der tatsächlich auf stolze 37 Jahre im Rathaus zurückblicken kann. Max Herrmann: „Als ich 1976 hier in Monheim anfing, da hing im Büro eines Kollegen ein Schild mit der Aufschrift: ‚Unmögliches wird sofort erledigt. Auf Wunder kann gewartet werden.‘ – Ich glaube, so lässt sich auch die Geschichte Monheims tatsächlich recht gut erzählen.“

Aber weil er ja von einem Wunder berichten sollte, hielt sich Herrmann dann doch vor allen Dingen an die letzten Jahre, ohne dabei jedoch unerwähnt zu lassen, dass es letztlich doch ein von langer Hand geplantes Wunder war. Und vielleicht noch nicht einmal so richtig das. Denn vielleicht war es auch einfach nur die durch mehrere Bürgermeister und wechselnde Stadtratsmehrheiten stets bewahrte Fähigkeit, immer einen Plan für den Tag X in der Schublade zu haben.

„Die Ansiedlung von Ecolab war nur der nach außen hin als vielleicht tatsächlich als Wunder wahrgenommene Beginn unseres finanziellen Aufstiegs“, so der Stadtkämmerer. Die Idee, einen so großen Fisch an Land zu ziehen, um damit die Gewerbesteuer massiv senken zu können, gab es jedoch schon sehr viel länger.

Auch das Weidental, in dem Ecolab heute sitzt, wurde Langenfeld schon sehr viel früher, in der Dünchheim-Ära abgekauft. Aus heutiger Sicht eine Mega-Deal. Herrmann: „Die waren auf dem Entschuldungstrip, wollten unbedingt noch ein paar kleine Kredite ablösen. Da hat der damalige Bürgermeister Magnus Staehler das einfach innerhalb seines Rathauses so durchgesetzt.“ Ein Glücksfall für Monheim. Und nicht der Einzige!

Herrmann: „Immer wenn ich mit dem Fahrrad bei uns am Rheinpark vorbeifahre freue ich mich. Weil ich weiß: Das ist Monheims Zukunft! – Die Entwicklung dieses Gebiets ist für mich einer der entscheidenden Schlüssel des Erfolges. Und es war eine der Glanzleistungen von Ingeborg Friebe, da Bewegung reinzubekommen.“ Von der Shell über die LEG ging das Aral schließlich in die Hände der Stadtentwicklungsgesellschaft über. Um dort zuzugreifen, und das ölverseuchte Gelände an sich zu ziehen brauchte es seinerzeit schon ein wenig Mut und Phantasie. Herrmann: „Das war ja nicht immer ein Filetstück. Der Fisch hat teilweise doch schon sehr gestunken.“ Und auch als endlich alles wieder fein hergerichtet war, wollte kaum ein Investor so richtig anbeißen. „Wir haben oft mit Leuten auf dem Monberg gestanden, die dort die Aussicht bewundert und uns gezeigt haben: Genau da wollen wir mit unserer Firma hin. Als aber dann die echten Entscheider in den großen Zentralen alle Pläne auf den Tisch bekamen, haben die dann fast immer gleich reagiert. Motto: Uns interessiert nicht die tolle Aussicht auf den Rhein. Wir wollen die Aussicht auf gute Gewinne.“ Erinnerungen eines Stadtkämmerers an frustrierende Zeiten, in denen sich stets die Gewerbesteuer als Klotz am Bein erwies.
Dann aber kam der von allen Monheimer Ratsfraktionen beschlossene und vor allen Dingen auch noch gemeinsam lange Zeit geheim gehaltenen große Gewerbesteuer-Coup, der alle Fesseln sprengte. „Heute“, so Herrmann, „können wir uns die Firmen, die zu uns passen, aussuchen, im Rheinpark, aber zum Beispiel auch auf dem Areal am Kielsgraben, bei Hellweg, wo wir als Stadt inzwischen weitere Grundstücke aufgekauft haben – einfach um selber mitbestimmen zu können, wer dort angesiedelt wird. Denn für uns ist ja nicht der beim Verkauf erzielte Quadratmeterpreis entscheidend. Für uns zählen vor allem Gewerbesteueraufkommen, Arbeitsplätze und die strategische Ausrichtung des Unternehmens.“

Noch dieses Jahr wird Monheim am Rhein de facto schuldenfrei sein und damit beginnen, eine Art gigantischen Not-Euro von 100 Millionen Euro für das Jahr X aufzubauen, an dem das „Wunder von Monheim“ vielleicht wieder abrupt endet, die enormen Zahlungen in die Kreisumlage jedoch noch ein Jahr ungebremst weiterlaufen. Allein die Zinsen aus diesem Kapital sollen zunächst in die Realisierung alter und neuer Monheimer Träume fließen.

Vieles spricht aktuell dafür, dass dieser Geldspeicher sehr viel rascher gefüllt sein wird, als vom Bürgermeister und Stadtkämmerer betont vorsichtig prognostiziert. Immer wieder wurden diese Prognosen zuletzt von der Wirklichkeit noch einmal getoppt. Auch jetzt ließ Stadtkämmer Max Herrmann beim BAB-Talk bereits durchblicken, dass die wenige Monate alten Schätzungen für 2013 wegen erheblicher Nachzahlungen aus dem Jahr 2012 wohl erneut weit in die Höhe geschraubt werden können. „Das liegt einfach daran, dass die Firmen, die jetzt neu zu uns gekommen sind, offenbar soviel Spaß an der Gestaltung gefunden haben, wie man denn bei uns Steuern sparen kann, dass sie einfach die eine oder andere GmbH mehr nach Monheim geschippt haben – und dass es für alle insgesamt einfach noch besser als erwartet lief. Das heißt: Auch aus dem Jahr 2012 bekommen wir erneut unheimlich hohe Nachzahlungen. Wir dürfen nicht vergessen: Nur 20 Prozent davon bleiben bei uns. Doch selbst wenn wir die komplett für unsere Rücklage verwenden wollen, ist der Zinserlös daraus schon eine hübsche Summe. So stehen wir finanziell in Monheim heute also da – und ich denke, das sind rosige Aussichten.“

Die weiteren Früchte, die diese Saat noch tragen wird, will der im Juli aus dem Amt scheidende Kämmerer auch künftig weiter beobachten – auf seinen Fahrradtouren durch das aufblühende Monheim am Rhein.



Die nächsten BAB-Talk-Termine sind am 25. August mit Bürgermeister Daniel Zimmermann und am 27. Oktober mit MEGA-Geschäftsführer Udo Jürkenbeck

Fotos: Michael de Clerque und Thomas Spekowius
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