Rücken- und Gegenwind für das Windpark-Projekt an der A59

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MEGA-Geschäftsführer Udo Jürkenbeck, Bürgermeister Daniel Zimmermann und Stadtplaner Thomas Waters brüten über den Plänen für eine Monheimer Windkraftanlage. Foto: Thomas Spekowius
  Am Donnerstagabend gaben die Monheimer Politiker im Planungsschuss beinahe quer durch alle Parteifarben hindurch „Grünes Licht“ für die konkrete Planung einer Windkraftanlage entlang der A59 im Süden des Monheimer Stadtgebietes, also zwischen der Autobahntrasse und dem Beginn des Knipprather Waldes. Und damit deutlich über einen Kilometer weg von Monheimer Wohnbebauung, präzise gesagt vom „Musikantenviertel“.

Der Beschluss, der die Stadt nun ermächtigt, hier weitere Pläne voranzutreiben und vor allem das Verfahren einer „Frühzeitigen Bürgbeteiligung“ einzuleiten, ist auch von taktischer Natur geprägt. Denn eine generelle Absage an die bis zu über 150 Meter hohen Ökostrom-Rotoren ist nach heutiger Gesetzeslage praktisch kaum mehr möglich. Stadtplaner Thomas Waters: „Wir können als Kommune die möglichen Flächen für solche Anlagen de facto nur noch planerisch einschränken.“ Sprich: Monheim will mit der Bereitstellung einer Fläche nicht nur guten Willen beweisen, sondern vor allem auch Herr im eigenen Hause bleiben. Denn mit der Errichtung einer eigenen Anlage nimmt man zugleich möglichen Anträgen externer Investoren rechtzeitig den Wind aus den Segeln. Die könnten sich sonst darauf berufen, dass Monheim noch ein weißer Fleck in Sachen „Grüner Energie“ ist und damit die Freigabe von Flächen quasi erzwingen.

Bereits am Donnerstag-Nachtmittag gingen Bürgermeister Daniel Zimmerman und Udo Jürkenbeck als Geschäftsführer des Monheimer Energieversorgers MEGA in den Wind und informierten darüber, wie sie dem Monheimer Windkraft-Projekt Auftrieb verleihen wollen. Die Monheimer sollen dabei ähnlich wie bei den Bürger-Solaranlagen auch hier wieder mit ins (Segel-)Boot geholt werden.

In Sachen Wind-Energie herrscht in Monheim bislang ja vordergründig noch eher Flaute. Hinter den Kulissen tut sich allerdings schon länger etwas. Bereits seit 2011 engagiert sich die MEGA mit in der Arbeitsgemeinschaft „Bergwind“, eine energiepolitische Allianz der Städte Burscheid, Remscheid, Solingen, Leverkusen, Langenfeld und eben Monheim am Rhein, mit dem gemeinsamen Ziel, auch bei uns die Kraft des Windes abzufangen, und die Chancen und Risiken dabei auf möglichst viele Schultern und Rotoren zu verteilen.

Derzeit prüfen dabei alle Städte mögliche Standorte für Windkraftanlagen, „wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten“, wie MEGA-Geschäftsführer Udo Jürkenbeck zugibt. Monheim scheint dabei allerdings sein Segel bislang ganz gut in den Wind zu halten. Gut so, denn Zeit ist auch in diesem Fall wahrscheinlich bares Geld. Ähnlich wie bei der Förderung von Solarenergie ist nämlich auch die Windstärke bei den Fördergeldern, die der Bund für die Errichtung künftiger Anlagen bereitzustellen gedenkt, vorsichtig formuliert, starken Schwankungen unterlegen. Und ähnlich wie beim Wetter weiß man auch hier nie genau, was kommt. „Das müssen und das werden wir auch bei der weiteren Planung im Auge behalten“, verspricht MEGA-Geschäftsführer Udo Jürkenbeck. „Denn natürlich wollen wir für unser Investment am Ende auch eine Rendite haben.“ Und diese Rendite soll dann vor allem den Monheimer Bürgern zu Gute kommen. Denn ähnlich wie bei den Bürgersolaranlagen, will sich die MEGA den Kredit für ihre Investition bei den Monheimern selbst holen. Ein so hochkomfortables Solar-Sparbuch (Zehn Jahre Garantieverzinsung von 5 Prozent auf die Bürger-Darlehnssumme zwischen 500 und 2000 Euro) wird es dabei allerdings wohl nicht geben. Denn der Wind ist noch unberechenbarer als die Sonne. Und auch die Technik gilt als etwas anfälliger. Derzeit wird daher eher an ein Genossenschaftsmodell gedacht – mit größeren Risiken aber eben auch größeren Gewinnchancen.

Zu Glücksrädern sollen die Windräder der Arge „Bergwind“ jedoch natürlich nicht werden. Deshalb ist zurzeit folgendes Modell angedacht. Alle beteiligten Städte errichten auf ihrem Gebiet Windkraftanlagen, für die jeweils eine eigene Betreiber-Gesellschaft gegründet wird. An dieser Betreiber-Gesellschaft sind dann die örtlichen Stadtwerke oder Stadttöchter zu 51 Prozent beteiligt. Die restlichen 49 Prozent teilen die anderen Partner unter sich auf. Das heißt: Für Monheim beteiligt sich die MEGA auch an Anlagen in Burscheid oder Solingen – und verdient am Ende mit, wenn dort der Wind bläst.

Entlang der A59 im Monheimer Süden planen Monheim und Langenfeld nun eine gemeinsame Anlage mit insgesamt wohl fünf Windrädern. Zwei davon sollen offenbar auf Langenfelder und drei auf Monheimer Gebiet stehen. Ähnlich wie beim Verbands-Wasserwerk wird es damit demnächst vielleicht auch einen Verbands-Windpark geben – mit eben einer eigenen Betreiber-Gesellschaft. Geteiltes Leid wäre dann tatsächlich halbes Leid. Das heißt: Steht ein Windrad auf Monheimer Seite einmal aus technischen Gründen oder wegen schlechter Windverhältnisse still, teilen sich vor allem Monheim und Langenfeld aber eben auch die anderen strategischen Partner die Verluste – ebenso profitieren alle gemeinsam von den Gewinnen.

Einen Gewinn sieht Bürgermeister Daniel Zimmermann auch in dem jetzt favorisierten Standort: „Damit können wir leben. Im Knipprather Wald sieht man die Rotoren ja praktisch nicht, die Wohnbebauung ist weit weg. Und die Strommasten dort stören das Landschaftsbild ohnehin schon. Ich bin an dieser Stelle daher ganz klar für das Projekt.“

Ganz klar sprachen sich der Bürgermeister und Stadtplaner Thomas Waters gemeinsam gegen die möglichen Alternativstandorte im Monheimer Rheinbogen oder in der Baumberger Aue aus. Da passen zwar laut Gutachten offenbar auch die groben Windverhälnisse und vorgeschriebenen Mindestabstände, „aber da will die Dinger nun wirklich keiner haben.“

An der A59 soll nun noch einmal ganz genau gemessen werden. Steht der Wind günstig, könnten sich dort Ende 2014 die Räder drehen. „Für realistischer halte ich Anfang 2015“, so MEGA-Geschäftsführer Udo Jürkenbeck, „wenn sich Herr Altmeyer und Herr Rösler oder andere Minister bis dahin nicht etwas anderes in Sachen Förderung einfallen lassen.“ Denn das Auge des Sturms liegt in Berlin.


Hintergrund

Der Beschluss, dass Planverfahren für eine Windkraftanlage voranzutreiben fiel im Ausschuss, mit Ausnahme der FDP, einstimmig.

Ein „Frühzeitige Bürgerbeteiligung“ mit Experten wird es vorraussichtlich nach den Osterferien geben.

Für Wirbel sorgte das (sehr sachlich!) formulierte Schreiben einer Monheimer Bürgerin aus dem Musikantenviertel an alle Ausschussmitglieder, die sich um das Thema Infraschall sorgt.

Unter Infraschall versteht man Schallwellen, deren Frequenz unterhalb von etwa 16 Herz liegt, und die eine sehr hohe Reichweite haben. Sie sind von Tieren, wie Delfinen, Walen oder Elefanten wahrnehmbar, nicht aber vom menschlichen Ohr. Experten streiten jedoch darüber, ob es dennoch mögliche Auswirkungen gibt.
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