„Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Sonntag“

Anzeige

Ökumenischer Aktionskreis „Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage“ kritisiert die Kampagne der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof

„Wie man auf die Idee kommen kann, den arbeitsfreien Sonntag im Handel ganz abschaffen zu wollen, bleibt wohl das Geheimnis der Manager von Karstadt und Kaufhof.“ Mit diesen Worten kritisiert Franz Köchling, Sprecher des Ökumenischen Aktionskreises „Ohne Sonntag gibt’s nur noch Werktage“ in Langenfeld und Monheim, die Initiative der Warenhäuser. Unter dem Motto „Selbstbestimmter Sonntag“ wollen sie den arbeitsfreien Sonntag im Handel ganz abschaffen. Die Geschäfte sollen künftig an allen 52 Sonntagen im Jahr öffnen können. Sie fordern damit eine Änderung des Grundgesetzes. Der Sonntag ist als „Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ bislang wirksam geschützt (Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV). Verkaufsoffene Sonntage dürfen nur ausnahmsweise aufgrund eines besonderen Anlasses stattfinden. „Würde sich diese Initiative durchsetzen, hätte dies nicht nur tiefgreifende Folgen für 3,1 Millionen Handelsbeschäftigte, sondern würde den freien Sonntag insgesamt in Frage stellen“, so Köchling weiter.

Unterstützung der Online-Petition „Der Sonntag muss frei bleiben“

Um hier gegenzusteuern, unterstützt der Ökumenische Aktionskreis die bundesweite Online-Petition „Der Sonntag muss frei bleiben“ der Münchener Sonntagsallianz. Unter change.org/sonntag kann man sich an der Petition beteiligen. Die Mitglieder des Langenfelder und Monheimer Aktionskreises sind überzeugt: Die in den vergangenen Jahren massiv ausgedehnten Ladenöffnungszeiten reichen aus, um nach Herzenslust einzukaufen. „Laut einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Zeitung „Die Welt“ spricht sich übrigens eine große Mehrheit von 73 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland dagegen aus, auch noch den Sonntag zum Einkaufstag zu machen“, gibt Köchling deshalb zu bedenken.

Natürlich versteht der Aktionskreis das Anliegen, den stationären Einzelhandel gegenüber dem Onlinehandel zu stärken. Doch die Strategie, den Wettstreit mit dem Internet ausgerechnet über Öffnungszeiten auszutragen, sei nicht erfolgversprechend. Die besten Argumente des Handels gegenüber der Onlinekonkurrenz seien sein Service, seine hohe Beratungsqualität und seine motivierten Mitarbeitenden. Wenn man den Sonntag zum generellen Einkaufstag mache, würde man nur viele kleinere Einzelhändler in Bedrängnis bringen, aber nicht Amazon oder Zalando.

„Mensch, kauf doch mal wieder nebenan!“

Deshalb unterstütze man auch die bundesweite Aktion des KKV, Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, der unter dem Slogan „Mensch, kauf doch mal wieder nebenan!“ für einen bewussten Konsum und lebendige Innenstädte wirbt. So wichtig und alltäglich die Möglichkeit des online-shoppings heute auch sei: „Der schnelle Klick ist nicht immer der bessere Schritt“, so Bernd-M. Wehner, KKV-Mitglied im Aktionskreis: „Bewusster Konsum ist nachhaltig, fair, sozial und wo möglich auch lokal: Das schafft Arbeit vor Ort und macht lebendige, lebenswerte Innenstädte möglich. “Um die Ecke“, so Wehner, gebe es „nicht nur Qualität und Service sondern auch das Plus an Menschlichkeit, das kein Klick dieser Welt ersetzen kann.“ Einzelhandel und Gewerbe seien ein unverzichtbarer Baustein lebendiger, lebenswerter Innenstädte - und damit auch tragende Säule der örtlichen Bürgerschaft. „Wer morgen in einer lebendigen Stadt leben möchte, muss sich heute persönlich mit einbringen - auch dadurch, dass er immer wieder mal vor Ort einkauft.“

Im Ökumenischen Aktionskreis "Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage" arbeiten die evangelische Kirche in Monheim, die katholischen Kirchengemeinden und Verbände KAB, kfd und KKV im Bereich Langenfeld/Monheim mit, um den Sinn des Sonntags stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.
0
1 Kommentar
1.388
Stefan Hoffmann aus Düsseldorf | 10.08.2017 | 10:02  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.