Nasser Frühling! Erdbeeren und Spargel sind spät dran

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Zurzeit werden auf den Feldern von Landwirt Robert Bossmann die Erdbeeren noch im Folientunnel geerntet. Foto: Michael de Clerque

Die großen roten Erdbeeren am Straßenrand sind markant. In den Verkaufsständen gibt es in der Regel von April bis Juni Spargel und Erdbeeren frisch vom Feld. Seit 20 Jahren bietet Landwirt Robert Bossmann die Saisonware in der Direktvermarktung an. Durch den langen Winter und den viel zu kalten Wonnemonat Mai sind Erdbeeren und Spargel diesmal deutlich später dran. WA-Mitarbeiterin Sabine Polster sprach darüber mit Robert Bossmann.

Herr Bossmann, welche Auswirkungen haben die diesjährigen Wetterkapriolen auf die Erdbeer-Ernte?
Normalerweise fängt die Ernte in den unbeheizten Folientunneln Mitte April an. Mitte Mai beginnt die Freilandernte. Wir sind zwei Wochen später dran und es geht immer noch nicht richtig voran. Es reift alles langsamer. Zurzeit holen wir 100 Gramm pro Quadratmeter, normalerweise wäre es das Dreifache. Dadurch sind die Lohnkosten pro Kilogramm viel höher. Wenn das Wetter noch länger so bleibt, wird sich die Ernte bis zu den Sommerferien verzögern. Es gibt Jahre, da sind wir Ende Juni komplett durch. Doch bei den späten Sorten sind jetzt noch keine Blüten zu sehen und im Freiland tut sich wenig. Es wird wohl noch ein bis zwei Wochen dauern, bis es auch dort richtig los geht. Die Natur kann viel ausgleichen, wenn es warm wird, aber so etwas wie dieses Jahr habe ich noch nicht erlebt.

Welches Wetter wäre denn ideal für Sie?
Die Landwirte würden sich über Wärme und Sonne freuen. Der ständige Regen ist das Schlimmste vor allem für die Freiland-Erdbeeren. Sie sind anfälliger für Infektionen, die schließlich zur Fäulnis führen. Im Folientunnel macht der Regen den Pflanzen nichts aus. Aber auf die Erntearbeit im Freiland hat der Regen Einfluss. Wenn es beim Pflücken immer wieder regnet, liegen die Erdbeeren im Nassen und das ist nicht so gut für die Haltbarkeit. Außerdem entwickeln sich bei viel Regen auch viele Schnecken und die wissen natürlich was schmeckt und gehen an die roten Erdbeeren. Ideal wäre es, tagsüber Sonne und 20 Grad zu haben und nachts Regen. Aber das kann man sich leider nicht aussuchen.

Frischen Spargel gab es auch später als sonst. Die Preise in den Supermärkten sind dann aber doch recht schnell gefallen. Wie lässt sich das erklären?
Normalerweise gibt es den ersten Spargel Anfang April. Beim Spargel hatten wir in diesem Jahr eine Wettertrennung. Während es hier im Westen viel zu kalt war, gab es im Osten Temperaturen bis zu 30 Grad. Hier kam nichts nach und dort gab es ohne Ende Spargel. Da konnte natürlich zu viel niedrigeren Lohnkosten geerntet werden, und dementsprechend ist der Spargelpreis runtergegangen, da die großen Supermarktketten dort günstig eingekauft und deutschlandweit verkauft haben. Das Niveau war für die Betriebe im Kalten nicht zu halten. Wir suchen hier noch jede Stange ab und haben die Folien auf Schwarz gelegt. Bei kaltem Wetter kommt die schwarze Seite nach oben, wenn es heiß wird die weiße Seite. So kann man das Wachstum ein bisschen steuern. Beim Grünen Spargel geht das allerdings nicht. Deswegen ist es dort auch schwieriger das Angebot der Nachfrage anzupassen.

Es heißt, Spargel gibt es immer nur bis zum Johannistag zu kaufen. Wird in diesem Jahr die Spargelzeit durch den verspäteten Erntebeginn verlängert?
Stichtag ist der 24. Juni. Nach der Sommersonnenwendegeht die Temperatur bergauf, aber die Tage werden wieder kürzer. Für die Pflanze sind aber Temperatur und Tageslänge – also die Lichtstunden – von Bedeutung. Man kann durchaus länger ernten. Bis Ende Juni ist möglich, da die Pflanzen weniger ausgepowert sind. Theoretisch könnte man zwar Stechen bis nichts mehr rauskommt. Aber man darf es nicht übertreiben, denn sonst hat die Pflanze nicht genug Zeit, um Nährstoffe für das nächste Jahr einzulagern. Dann besteht die Gefahr, dass sie über den Winter abstirbt.

Sie bieten Erdbeeren und Spargel in der Direktvermarktung an, ohne Großhändler. Welche Vorteile hat das für die Kunden?
Ein Vorteil der Direktvermarktung ist die Frische. Auch bieten wir Erbeersorten an, die man im Supermarkt nicht bekommt. Im Folientunnel haben wir Flair und Darselect, im Freiland Lambada, Sonata und Salsa. Lambada ist die Lieblingssorte der Kunden, da sie süßer ist als alle anderen. Jede Sorte kann im Laufe der Ernte den Geschmack verändern. Die Sonneneinstrahlung macht dabei viel aus, wenn es um die Süße geht. Unsere Verkaufsstellen sind in Monheim, Baumberg, Hitdorf, Schlebusch, in Langenfeld an der B8, im Düsseldorfer Süden und in Solingen. Sie werden frisch beliefert. Zurzeit wird ab 5.30 Uhr, später dann ab 5 Uhr gepflückt. Was bis 7 Uhr gepflückt ist, wird in erster Runde verteilt. Wenn die ausverkauft sind, wird wieder neu verteilt. Der Spargel ist natürlich auch ganz frisch. In Berghausen gibt es eine Spargelschälmaschine. An allen anderen Verkaufsstellen bekommt man den Spargel ebenfalls geschält, allerdings auf Vorbestellung. Das Schälen ist übrigens gratis.

Bei den Erdbeeren geht es sogar noch ein bisschen frischer. Welche Möglichkeiten des Selberpflückens bieten Sie an?
Auf den Feldern rund um den Neuverser Hof kann jeder der möchte, auch selbst pflücken. Einfach einen Behälter mitbringen und an der Erdbeere melden. Dort wird der Behälter vorher leer gewogen, dann geht es zum Pflücken. Hinterher wird der volle Behälter gewogen. Beim Selberpflücken sind die Erdbeeren im Schnitt ein bis zwei Euro pro Kilo günstiger als von uns gepflückte Erdbeeren.
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