KKV-Veranstaltung mit Dr. Püttmann: Pflichtverteidiger der katholischen Kirche

KKV-Vorsitzender Herbert Süß (links) begrüßt den Referenten (Mitte) und die Gäste; rechts Kpl. Andreas Süß, Geistl. Beirat des KKV.
 
Höchst interessiert hörten die Anwesenden den Ausführungen des Referenten zu.
Wo liegen die Unterschiede zwischen Katholizismus und Protestantismus in Deutschland? Welche Rolle spielen die beiden Konfessionen gesellschaftspolitisch? Wie spiegeln sich beide Konfessionen in der Politik wider? Kommt es nur auf den Grad der Popularität an oder kann es angebracht sein, nicht dem Zeitgeist hinterher zu laufen? Und was ist die Antwort der katholischen Kirche auf eine um sich umgreifende Entfremdung von der Kirche? Dies waren die wesentlichen Überlegungen, auf die der Politologe Dr. Andreas Püttmann, der im Jahre 2010 durch das Buch „Gesellschaft ohne Gott“ von sich reden gemacht hat, in seinem Vortrag zum Thema „Wie katholisch ist Deutschland und was hat es davon?“ am 25. Juni beim KKV Monheim, Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, anstellte.

Herbert Süß, Vorsitzender des KKV Monheim, stützte sich in seiner Begrüßung auf eine Äußerung des neuen Generalvikars des Erzbistums Köln, Prälat Dr. Stefan Heße, in einem Interview mit der Rheinischen Post im Juni 2012, die die aktuelle Situation der katholischen Kirche in Deutschland treffend wiedergibt. Heße hatte erklärt: „Theologen und Bischöfe sagen ziemlich deutlich: Die Zeit der Volkskirche ist vorbei. Denn dass Gesellschaft und Kirche nicht mehr deckungsgleich sind, wird jeder bestätigen. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns auf "den heiligen Rest" zurückziehen. Der Anspruch bleibt: 'Geht hinaus in alle Welt und lehret alle Völker.' Wir müssen damit rechnen, dass der Samen nicht überall aufgeht und gedeiht. Trotzdem gilt es zu säen. So setzt das Erzbistum Köln auf Leuchttürme des Glaubens.“

Andreas Püttmann stellte zunächst fest: „Als Journalist sollte man sich möglichst antizyklisch verhalten. Derjenige, dessen Ruf ramponiert ist, für den sollte man sich mindestens zum Pflichtverteidiger machen.“ Diese Position nahm er vor dem Hintergrund ein, dass die katholische Kirche derzeit von allen Seiten unter Beschuss sei.

Als entscheidende Zäsur des Katholizismus in Deutschland nannte Püttmann die Wiedervereinigung Deutschlands. Der damalige CDU-Generalsekretär Volker Rühe habe seinerzeit konstatiert, dass Deutschland durch die Wiedervereinigung „protestantischer, nördlicher und östlicher“ ausgerichtet sein werde. Während nach Püttmans Darstellung vor der Wiedervereinigung die Bundesrepublik eher katholisch geprägt gewesen sei und insbesondere Konrad Adenauer für den Katholizismus gestanden habe, stehe Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Protestantismus. 1990 seien in den neuen Bundesländern die Protestanten in der Überzahl, nur vier Prozent der Bevölkerung seien katholisch gewesen. Trotzdem seien nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern die Katholiken auf Landes- und Kommunalebene überproportional vertreten gewesen, was Kritik seitens Vertretern der evangelischen Kirche hervorgerufen habe, die von einer „Machtergreifung durch die katholische Kirche“ und von „Re-Katholisierung“ gesprochen hätten.

Zwar sei der Kölner Weltjugendtag im Jahre 2005 mit dem deutschen Papst ein Hype für die katholische Kirche in Deutschland gewesen, doch dann wäre es mit dem Ansehen der katholischen Kirche wieder bergab gegangen. So sei Papst Benedikt XVI. von Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft stark kritisiert worden und später sei die katholische Kirche durch Missbrauchsfälle in die Schlagzeilen geraten. Demgegenüber habe die evangelische Kirche in den vergangenen Jahren mit Bischöfin Margot Käßmann und Bischof Wolfgang Huber Personen an der Spitze gehabt, die sehr populär gewesen seien. Die katholische Kirche werde in der Öffentlichkeit immer wieder an die Wand gespielt, die evangelische Kirche sei dagegen dominierend, unterstrich Püttmann.

Mehltau breitet sich in der Politik aus
Dass sich Katholiken heute nicht mehr so stark in der Politik engagierten und Werthaltungen nicht mehr entschieden verfochten würden, liegt Püttmann zufolge zum einen daran, dass die katholische Kirche die Politiker oft mehr unterstützen könnte und dass in der Politik ein Mehltau herrsche. Das heißt, die großen Volksparteien bezögen nicht mehr klare Haltungen, sondern setzten auf die Lethargie der Wähler. Indem sie sich nur noch um die Mitte bemühten, würden sie sich kaum mehr voneinander unterscheiden. Die evangelische Kirche habe zudem im Gegensatz zur katholischen Kirche ihre moraltheologische Haltung, zum Beispiel in Fragen der Bioethik, aufgegeben und gehe einen Weg, der in der Gesellschaft populär sei. Die katholische Kirche vertrete dagegen auch unbequeme Positionen.

Püttmann zeigte sich offen dafür, dass die katholische Kirche ihre Haltung gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen ändern könne, warnte aber auch davor, dass man meine, wenn man sich möglichst viel anpasse, könne man Fortschritte erreichen. So müsse man alles tun, um die Norm der Unauflöslichkeit der Ehe zu bewahren. Richtig findet es Püttmann, dass Priester, die nicht der Meinung des Papstes seien, zwar innerkirchlich ein Votum abgeben könnten, eine offene Rebellion, sei hingegen mit ihrem Gehorsamsversprechen gegenüber ihrem Bischof nicht vereinbar.

"Bei allem, was Katholiken und Protestanten trennt," so Püttmann zum Schluss, "ist doch eines interessant: Kirchennahe Katholiken und kirchennahe Protestanten stehen sich näher als Kirchennahe und Kirchenferne innerhalb derselben Konfession."

Weitere Infos: www.kkv-monheim.de bzw. www.kkv-bund.de

Verfasser: Christian Dick
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