Als kulturelle Botschafter unterwegs rund um Chicago

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(Foto: J. Wittenberg)
 
(Foto: J. Wittenberg)

Auf die Sommerferien freuen sich Schüler immer. Aber bei den Mitgliedern der Big-Band der Luisenschule war die Vorfreude auf den ersten Ferientag am 29. Juni besonders groß. Denn an diesem Tag startete ihr großes „Abenteuer“: Für sie geht es im Rahmen eines kulturellen Austauschprogrammes des Blue Lake Fine Arts Camps nach Amerika.

Knapp drei Wochen sind 40 Mülheimer Schüler und Studenten im Alter von 14 bis 22 Jahren in Wisconsin, Illinois und Michigan unterwegs sein. In vier Städten bleiben sie jeweils mehrere Tage, werden über das Austauschprogramm Gast bei dortigen Bands oder Musikgruppen sein, mit ihnen musizieren und auftreten und in deren Familien untergebracht.

Amerika mit Familienanschluss

Amerika mit Familienanschluss sozusagen, interessante Ausflüge inklusive. So ist zum Beispiel ein Besuch des Blue Lake Fine Arts Camp in Michigan oder eine Stippvisite zu einer Siedlung der Amish-People in Planung. Finaler Höhepunkt des Besuches ist dann ein zweitägiger Aufenthalt in Chicago, der auch noch Zeit für einen Stadtbummel lässt.

Ferien zum Erholen werden das nicht - aber eine Reise, die den Jugendlichen sicher nachhaltig in Erinnerung bleibt. Denn bereits der Besuch einer amerikanischen Jazzband im vergangenen Jahr an der Luisenschule - ebenfalls Teil dieses Austauschprogrammes - hat dauerhafte Eindrücke hinterlassen und manche lieb gewonnenen Kontakte.

Zwei Jahre Vorarbeit für kulturellen Austausch

Aber eine solche für eine Schulband ungewöhnliche Reise ist ein Kraftakt, muss von langer Hand geplant werden. Und geht nicht ohne persönlichen Einsatz. In diesem Fall vor allem von der Leiterin der Band und Musiklehrerin der Luisenschule, Regina Coupette. Seit zwei Jahren beschäftigt sie dieses Projekt, das durch einen Kontakt über den Mülheimer Jazz Club zu dem Blue Lake Fine Arts Camp entstanden ist. Zunächst galt es, sich zu bewerben, dann den Besuch der amerikanischen Band im Juni vergangenen Jahres zu organisieren, als die Big-Band auf deren Europatour drei Tage Gastgeber war. Und das offenbar sehr erfolgreich, die Amerikaner nahmen viele positive Eindrücke aus der Ruhrstadt mit in die ferne Heimat.

Breites Repertoire eingeübt

Einen solchen positiven Eindruck sollen natürlich auch die Schüler in Amerika hinterlassen. Denn auch das ist Intention dieses Programmes: Man ist nicht nur Besucher, sondern auch kultureller Botschafter des eigenen Landes. So standen in den letzten Monaten nicht nur immer wieder Sonderproben auf dem Programm, um ein breites Repertoire einzustudieren, es wurden auch Verhaltensregeln „gepaukt“. Schließlich gilt es auch, sich anderen Gepflogenheiten anzupassen.
Mit dabei sind einige ehemalige Band-Mitglieder, jetzt Studenten, um Lehrerin Regina Coupette als Begleitperson zu unterstützen. Auch drei Mitglieder der Technik-AG fliegen mit - sie kümmern sich um Logistik und Technik, wie bei den heimischen Auftritten. „Wer konsequent mitarbeitet, sollte auch mitfahren können“, findet die Lehrerin.

Aber Regina Coupette war auch schon vor Ort. Der Sommerurlaub im letzten Jahr brachte erste Orientierung rund um Chicago, ein Jazz-Workshop an gleicher Stelle im Winter diente auch dazu, wertvolle Kontakte zu knüpfen. „Wir haben viele Ideen ausgetauscht. Das war sehr schön, aber auch sehr anstrengend“, erinnert sich die Lehrerin.

Projektkurs dokumentiert Austausch

Bei der Organisation wird sie unterstützt von einem Projektkurs der elften Jahrgangsstufe, der seit einem Jahr nur diesen Austausch zum Inhalt hat. Die Mitglieder bereiten vor, dokumentieren, planen mit. Dafür erhalten sie auch Noten, denn der Kurs ersetzt eine Facharbeit.

Aber eine solche Reise muss auch finanziert werden. Rund 60.000 Euro wird die Fahrt kosten - inklusive Bus für die Transfers, Transportkosten oder Miete für die Instrumente, Flüge und vieles mehr. Um allen Bandmitgliedern diese Reise zu ermöglichen, wurde deshalb eisern gespart. Seien es die 3000 Euro aus einem Preis der Bürgerstiftung, 3000 Euro aus der SpardaSpendenWahl, Honorare aus vielen Auftritten im letzten Jahr, 2000 Euro vom Mülheimer Jazz-Club oder der Erlös aus dem Lions-Konzert, den der Lions-Club auf 5000 Euro aufrundete - das Bandkonto wuchs stetig. Außerdem erhielt Regina Coupette Förderungen von der Leonhard-Stinnes-Stiftung und des Goethe-Instituts. Rund 1000 Euro müssen die Eltern selber noch dazu tun.

Weitere Sponsoren wie der MWB, Werbefirma Jansen, Firma Schlicht, Firma Gläse, der Jazz-Club und der Schul-Förderverein sorgten dafür, dass die Big-Band mit zwei Trikotsätzen, Kappen und Gastgeschenken mit Luisenschul-Emblemen nach Amerika fliegt.

Zehntägiges Stipendium für einen Schüler

Für den 15-jährigen Julius Schlicht wird die Amerikafahrt noch einen weiteren Höhepunkt haben. Als Gastgeschenk brachte die amerikanische Jazzband im vergangenen Jahr ein zehntägiges Stipendium im Blue Lake Fine Arts Camp für einen Schüler mit. Regina Coupette wählte dafür den Posaunisten aus.

Der Neuntklässler spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Posaune in der Musikschule Ton Art und ist bereits seit der fünften Klasse Mitglied der Big-Band. „Da die Posaune selten gespielt wird, bin ich ein Jahr früher in die Big-Band gekommen, als eigentlich üblich ist. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich das Stipendium erhalten habe, denn wir haben eine starke Truppe, alle spielen sehr gut.“ Julius Schlicht hat sich für einen Major-Kurs in Jazz-Posaune entschieden, auch ein Sportkurs mit typisch amerikanischen Sportarten wird er belegen.

Ist schon eine Wiederholung geplant? Regina Coupette ist dem nicht abgeneigt. „Aber im nächsten Jahr wird erst einmal alles ruhen, die Pause brauchen wir dann.“

Wer über die Stationen auf dem Laufenden gehalten werden möchte, kann auf Facebook die Seite der Big Band der Luisenschule aufrufen. Hier werden immer wieder aktuelle Fotos der Reise gepostet.
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