Das Klavier-Festival Ruhr 2016: Siebenmal zu Gast in Mülheim

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Der Pianist Arcadi Volodos Foto: Marco Borggreve
Mülheim an der Ruhr: Stadthalle |

Das Klavier-Festival Ruhr 2016, das vom 15. April bis zum 10. Juli statt findet, ist gleich mit sieben Veranstaltungen in der Stadthalle Mülheim zu Gast. Das Publikum erwarten sechs Konzerte mit hochkarätigen Pianisten, darunter das Eröffnungskonzert mit dem Träger des diesjährigen Festival-Preises Arcadi Volodos am 15. April sowie eine öffentliche Runde mit Musikkritikern.

Erstmals steht die Musik von Johannes Brahms im Fokus des weltweit bedeutenden Klavierfestivals. Und so erwartet das Publikum in Mülheim beim Eröffnungskonzert ein Brahms-Abend. Der in St. Petersburg geborene Virtuose Arcardi Volodos ist ein treuer Freund des Klavier-Festival Ruhr: Er gab 1998 sein Debut beim Festival und ist nun bereits zum 15. Mal dabei. Prof. Franz Xaver Ohnesorg, Intendant des Klavierfestival Ruhr: „Ich nehme dies zum Anlass, ihn im Rahmen des Eröffnungskonzerts mit dem Preis des Klavier-Festival Ruhr 2016 zu ehren.“ Der Preisträger bekommt eine Stahlplastik des Düsseldorfer Bildhauers Friederich Werthmann überreicht und benennt einen Stipendiaten, der ein Jahr lang gefördert wird und einen Auftritt beim Festival im Folgejahr hat. Ohnesorg: „Arcadi Volodos ist ein überaus virtuoser Pianist, der sich in den vergangenen Jahren stark Schubert zugewandt hat. Seine Meriten hat er verdient, indem er die Horrowitz-Transkriptionen mit atemberaubender Technik noch mal verkompliziert hat. Je älter er wird, desto mehr ist es ihm ein Anliegen, das große Repertoire zu spielen.“ Volodos beginnt mit der Transkription des 2. Satzes aus dem Streichsextett, das Johannes Brahms auf Bitten von Klara Schuman komponiert hat. Ohnesorg: „Ein unglaublich inniges Werk. Dies ist auch eine kleine Reise durch das Leben von Johannes Brahms.“ Beim ersten war er 38 Jahre alt und als er die Klavierstücke schrieb, war er 45, die drei Intermezzi op. 117 schrieb er mit 59 und die sechs Klavierstücke op. 118 mit 60 Jahren. Ohnesorg: „Dieser Schluss-Kosmos der Brahms-Werke spielt beim diesjährigen Festival mehrfach eine Rolle und regt zu Interpretationsvergleichen an.“

Das Klavier-Festival Ruhr orientiert sich in diesem Jahr am 100. Todestag von Max Reger und dem 150. Geburtstag von Ferruccio Busoni. Ohnesorg: „Beide Spätromantiker haben relativ viel für Klavier geschrieben. Bei einem anderen Spätromantiker habe ich große innere Schulden, dieser hatte 1997 einen Jahrestag, aber das war gleichzeitig ein Schubertjahr. Daher habe ich sehr viel Schubert gemacht und relativ wenig Brahms und das hing mir nach. Deshalb habe ich nach einer Gelegenheit gesucht, das in den Fokus zu rücken. Dieses Jahr bietet es sich an, dies mit Reger und Busoni zu kombinieren, was eine sehr schöne innere Reise ist und zum anderem kann ich noch einen besonderen Fokus auf Brahms legen. Am 22. April ist mit der Kavierkünstlerin Dame Mitsuko Uchida, die bereits zum dritten Mal beim Festival dabei ist, eine wunderbare japanische Pianistin in Mülheim zu Gast. Ohnesorg: „Unser Pech war es immer, dass sie das Kammermusikfestival in Vermont leitet. Daher war sie im Sommer in Europa nicht zu haben. Da wir nun früher dran sind, schafft sie es, zu kommen mit einem für sie überaus typischen Programm.“ Bereits bei der ersten Sonate op. 1 von Alban Berg merkt man die enge Beziehung der Pianistin zu Wien. Es folgen die vier Impromptus op. 90 D 844 von Franz Schubert, das Mozart-Rondo Nr. 3 in a-Moll KV 511 sowie die Sonate Nr. 1 in fis-Moll op.11 von Robert Schumann.

Beim Konzert des Duos GrauSchmacher am 3. Mai in der Stadhalle Mülheim wird das Publikum Bekanntes hören. Ohensorg: „Ich wollte unbedingt die Walzer op. 39 von Jahnnes Brahms im Repertoire haben, seine Ungarischen Tänze, Variationen über ein Thema von Joseph Haydn für zwei Klaviere in B-Dur op. 56b, drei Choralvorspiele nach Johann Sebastian Bach von György Kurtàg sowie die „Fantasia contrappuntistica“ für zwei Klaviere. Am 7. Juni erwartet das Publikum in Mülheim ein Reger-Tag. Ohnesorg: „Reger war in den 30er Jahren sehr en vogue. Es gab damals in Essen Reger-Tage.“ Zunächst werden sich Schallplattenkritiker der Verleihung des Preises der deutschen Schallplattenkritik einen amüsanten Schlagabtausch zum Klavierwerk Max Regers liefern. „Anschließend spielen die Pianisten Markus Becker und Igor Levit einen Reger-Abend, den sie nur für uns konzipiert haben“ berichtet Franz Xaver Ohnesorg. Sie präsentieren die bedeutendsten Werke des Oberpfälzers Reger: Beethoven-Variationen und Fuge für zwei Klaviere in B-Dur op. 86, Introduktion, Passacaglia und Fuge in h-Moll op. 96 sowie die Mozart-Variationen op. 132.

Am 27. Juni wird die im georgischen Tiflis geborene „Grande Dame“ der russischen Klavierschule Elisabeth Leonskaja einen sehr schön gebauten Abend spielen: Die Sontate in f-Moll D 625 von Franz Schubert, die berühmte Wanderer-Fantasie in C-Dur op. 15 D 760, 11 Humoresken von Jörg Widmann, ein Stück aus dem Jahr 2008, das in New York uraufgeführt wurde sowie Sieben Fantasien op.116 von Johannes Brahms. Der Titel bezieht sich auf Robert Schumann. Ohnesorg: „Das sind Charakterstücke, die ‚mit Humor und Feinsinn zum Klingen gebracht werden sollen’, wie Widmann zitiert. Ich denke, auch das wird eine schöne Entdeckung für unser Publikum sein.

Am 4. Juli kommt mit dem Kandier Jan Lisiecki ein junger Pianist, der weltweit in großen Konzertsälen konzertiert, mit einer großartigen Visitenkarte und einem mutigen Programm: Dieser war im vergangenen Jahr in Gelsenkirchen für Li Yundi eingesprungen und hatte ein überaus gelungenes Debut. Ohnesorg: „Das Publikum war bereits nach den ersten Takten absolut verzaubert.“ Lisiecki fängt mit Bach an, geht mit der Mozart A-Dur-Sonate weiter, es folgen zwei Nocturnes op. 48 von Frédéric Chopin, dann fünf Fantasiestücke von Sergej Rachmaninov und zum Schluss eine Auswahl aus den Impromptus op. 142 D 935 von Franz Schubert.
Das letztmalige Eröffnungskonzert in der Stadthalle Mülheim fand im Jahre 2011 statt. Ohnesorg betont: „Wir sind sehr gerne in Mülheim, weil die Stadthalle wunderbare Bedingungen mit einer hervorragenden Akustik bietet. Auch von der Größenordung ist die Halle ideal, davon gibt es nicht sehr viele im Ruhrgebiet. Außerdem ist hier ein wichtiger Teil unseres Publikums beheimatet.“

Karten im Vorverkauf bei den bekannten Vorverkaufsstellen, in Mülheim unter anderem:
Touristinfo im Medienhaus, Synagogenplatz 3, Telefon: 0208/960960, über die festivaleigene Ticket-Hotline: 01806 / 500803 und auf www.klavierfestival.de
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Claudia Jacobs aus Mülheim an der Ruhr | 10.03.2016 | 18:15  
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